Waldfeuchter Geschichte: Viel zu Entdecken im alten Schulhaus

Von: Mirja Ibsen
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Da lang geht es ins Museum: Waldfeuchter Geschichte ist in der Brabanter Straße daheim, dort, wo zuletzt der Lehrer Gerhard Tholen wohnte. Foto: mib
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Museumsleiter Helmut Windeck führt auf Anfrage galant durch die Ausstellung. Foto: mib

Waldfeucht. „Das sind alles Originale.“ Helmut Windeck sagt diesen Satz oft. Denn schließlich sind es viele Stücke, die er in dem kleinen Waldfeuchter Heimatmuseum zeigen kann: Original-Klompen-Stiefel, Original-Nähmaschinen, ein Original-Hochzeitskleid (damals in schwarz und mit vielen Rüschen), eine Original-Wurstmaschine, eine Original-Strumpfstrickmaschine und, und, und.

Die meisten Ausstellungsstücke werden dem Museum geschenkt, erzählt Helmut Windeck, Leiter des Historischen Vereins Waldfeucht, der selbst ein echtes Original ist, so wie er launig Anekdötchen über die Exponate des Heimatmuseums erzählt. Die Geschichte des Harmoniums eines Styler Bischofs, der als junger Mann Kaplan in Haaren war, zum Beispiel. Nach dem Tod des Bischofs erbte es eine alte Dame, die in jungen Jahren für den Bischof gearbeitet hatte. Die hatte aber bereits ein Harmonium, also landete das gute Stück in der guten Stube des Museums.

Es passt gut zur Waldfeuchter Wohnzimmereinrichtung der Familie Nobis aus dem 19. Jahrhundert. Die ist mit ihren geschnitzten Wappen so wertvoll und typisch für ihre Zeit, dass der Verein sie einmal nach Krefeld zu einer historischen Möbelausstellung ausgeliehen hat. Nähmaschinen, Ackergeräte und Ähnliches nimmt das Museum jetzt allerdings nicht mehr an, nur noch alte, wertvolle Bücher. Zwar hat der Verein inzwischen auch den Dachboden ausgebaut, aber dort ist ein Raum dem Kunsthandwerk und der Archäologie, einer kunstvollen Puppen und altem Spielzeug und ein Raum dem Handwerk gewidmet.

Das alte Schulhaus hat der Verein selbst umgebaut. „Keine fremden Handwerker“ waren da am Werke, alles haben die Mitglieder erledigt. Auch die Schützen haben mit Hand angelegt. Dafür hat es auch ein wenig länger gedauert, bis aus den drei Räumen, die zuletzt dem Lehrer Gerhard Tholen als Wohnzimmer, Küche und Arbeitszimmer gedient hatten, ein großer Ausstellungsraum wurde. Selbst die Vitrinen sind handgezimmert, und zwar von Helmut Windeck selbst, der viele Jahre eine Schreinerei hatte.

Der rührige Rentner hat aber nicht nur einen Sinn für Handwerk, Historie und Kultur, er hat noch einen Sinn mehr, wie er selbst sagt: den Unsinn. Seit seiner Jugend zeichnet er Karikaturen. Sich selbst übrigens immer mit Hut, denn „ein bisschen Selbstironie ist schön“. Das viele Lüften desselben beim höflichen Grüßen habe dafür gesorgt, dass von seinem Haupthaar nicht mehr viel übrig sei. „Der Helmut hat ne Pläät, weil er immer so galant war“, sagt er und lacht.

Er ist ein Liebhaber von Loriot und Wilhelm Busch, und das merkt man seinen Zeichnungen an: Sie bringen mit wenigen Strichen die Situationskomik auf den Punkt. Situationen zum Lachen und zum Zeichnen findet er viele, in der Politik, im Sport oder vor der Haustür. Er lässt Merkels Mundwinkel hängen, Meerbusen wogen, Klitschkos die Fäuste schwingen. „Die sind alle schön“, sagt Maria Römer aus Saeffelen, die an einem Sonntag in der guten Stube des Museums sitzt, sich durch die Alben blättert und ab und zu ihren Mann Helmut lachend auf eine neue Zeichnung hinweist. Sie kommt regelmäßig, um in Windecks Werken zu schmökern. Mathilde Storms und Magdalene Poot amüsieren sich derweil sehr damenhaft, also mit vorgehaltener Hand, denn Windecks Witze sind nicht immer ganz jugendfrei.

Um diese Ausstellung vorzubereiten, brauchte Windeck nicht viel. Kein Exposé, keine Leihgaben, keinen Kurator. Ein Griff in sein Regal reichte. Dabei sind die elf Ordner, die er präsentiert, nur ein Teil von dem, was er hat. Und seine Bilder sind nur ein Teil der Exponate, geschaffen mit Pinsel, Tusche und Farbe, die das Museum besitzt. An einer Wand hängt zum Beispiel eine wertvolle Original-Bleistiftzeichnung von Andreas von Achenbach.

Jüfferken an der Wand

Wer also die archäologische Johann-Hermann-Sammlung mit den bis zu 4000 Jahre alten Artefakten sehen, alte Stammbäume studieren und wissen will, warum im Raum des Handwerks ein Jüfferken, also eine Jungfrau, an der Wand hängt, der muss ab in die Waldfeuchter gute Stube, die, nach ihrem letzten Bewohner benannt, Gerhard-Tholen-Stube heißt. Die Regel, dass alles, was sich dort befindet, mehr als 50 Jahre alt sein soll, gilt übrigens nur für die Ausstellungsstücke, nicht für die Besucher.

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