Wahlplakate: Zerstörungswut kostet Geld und Nerven

Von: Nicola Gottfroh
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Ein Fall für den Entsorger: Zerstörte Wahlplakate sind auch an der Krefelder Straße zu finden. Foto: Stefan Klassen
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Reparaturbedürftig: Wahlwerbeschilder auf dem Gehweg an der Roermonder Straße. Foto: Stefan Klassen

Erkelenz. Eines kutschiert Karl-Heinz Frings dieser Tage immer im Kofferraum seines Autos mit sich herum: einen Nachschub an Wahlplakaten. Der Wahlkampf hat längst begonnen, und damit auch die offensive Plakatierung der einzelnen Parteien auf öffentlichen Plätzen in Erkelenz.

Und selbst wenn einige Parteien gerade erst angefangen haben, ihre Plakate „auf die Straße zu bringen“, ist bereits jetzt, drei Wochen vor der Wahl, kaum ein Straßenschild oder eine Laterne von den bunten Pappbildern, auf denen einem die Politiker entgegenlächeln und ihre Wahlsprüche verbreiten, verschont geblieben.

Für einige Bürger sind die Plakate nicht nur ihrer Masse wegen veritable Reizobjekte, die es zu bearbeiten gilt: Hier mit aufgemalten Zahnlücken und Hasenohren, dort mit einem nachträglich angebrachten Bärtchen auf der sonst so babyglatt rasierte Wange, eine Straßenecke weiter ein zerrissenes Foto des Kandidaten, an einer anderen Straßenecke eine klare, mit Filzstift aufgekritzelte Botschaft an den Politiker. Die Zerstörung von Wahlplakaten ist ein ebenso immer wiederkehrendes Phänomen vor Wahlen wie die Wahl selbst.

Reparieren und überkleben

Womit wir wieder bei Karl-Heinz Frings und seinem mit Wahlplakaten bestückten Kofferraum wären. Denn in diesem Jahr, so findet der Vorsitzende der Bürgerpartei, Stadtverband Erkelenz, habe sich die Zahl der durch Vandalismus zerstörten Plakate noch einmal erhöht. „Das Maß der überklebten, abgerissenen oder beschmierten oder kaputt getretenen Plakate übersteigt das bisher Gewohnte. Zehn bis 15 Prozent unserer Plakate mussten wir inzwischen schon austauschen, deshalb habe ich immer ein paar Plakate dabei, wenn ich unterwegs bin“, sagt er. Bereits vor einigen Wochen habe seine Partei mit der Plakatierung angefangen, um sich, wie Frings zugeben muss, die besten Plätze zu sichern. „Daher hatten wir auch damit gerechnet, dass wir einige Plakate noch einmal würden austauschen müssen – nicht nur wegen der Schmierfinken, sondern auch, weil Regen die Plakate mitnimmt. Dass es aber so viele sein würden, die mutwillig zerstört werden, das hätten wir nicht gedacht“, so Frings.

Dass er und sein Team so viele Plakate austauschen müssen, ärgert ihn nicht nur, weil die Prozedur Zeit und Nerven raubt, sondern auch Geld kostet. Und gerade davon haben die kleinen Parteien längst nicht so viel zur Verfügung wie die großen.

Doch auch die Vertreter der etablierten Parteien ärgern sich über den zunehmenden Vandalismus. So wie Dieter Spalink, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Erkelenz. Mehr als 100 Plakate der Sozialdemokraten an Holzständern und 250 Hohlkammerplakate findet man derzeit im Erkelenzer Stadtbild und in den Ortsteilen. Nicht alle ganz unversehrt. „Wir mussten schon mehrfach rausfahren und die Plakate reparieren oder überkleben. Erst neulich hatte wohl jemand eine Sprühdose mit blauer Farbe in die Hände bekommen – und die auf unseren Plakaten unter anderem in Gerderath und Kückhoven entleert“, sagt er. Auch hier könne man sich ausrechnen, was der Vandalismus für Kosten verursache: „Ein Hohlkammerplakat kostet etwa drei Euro“, rechnet Spalink vor. „Also kosten solche Scherze die Parteien viel Geld.“

Was Spalink aber noch mehr als die unnötigen Kosten ärgert, ist der respektlose Umgang mit der Arbeit der ehrenamtlichen Helfer, die die Plakate in ihrer Freizeit aufhängen. „Die Helfer machen das ja in gutem Glauben, etwas Gutes für die Stadt bewirken zu können“, sagt er. Wenn sich die Zerstörung an den Plakaten fortsetze, so Spalink, wolle er gegebenenfalls Strafanzeige stellen und mit der Auslobung einer Belohnung, die zur Ergreifung der Täter führt, Gegendruck auf die „Schmierfinken“ erzeugen.

Den zunehmenden Vandalismus durch Strafanzeigen einzudämmen, das hatten sich in der Vergangenheit auch schon andere Parteien überlegt – und dann tatsächlich Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Das Resultat: „Es hat nichts gebracht. Die Leute, die das machen, kriegt man nicht“, sagt Karl-Heinz Frings von der Bürgerpartei.

So massiv betroffen wie die Bürgerpartei und die SPD sind aber nicht alle Parteien im Stadtgebiet. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Peter London: „Wir haben erst spät angefangen, die Plakate anzubringen. Deswegen sind unsere Plakate noch weitgehend verschont geblieben.“ Auch bei der UWG hält sich der Schaden in Grenzen. „Bei uns hat sich die Zahl der durch Vandalismus zerstörten Plakate reduziert, seit wir auf Hohlkammer-Plakate umgestiegen sind“, freut sich Christopher Moll von der UWG in Erkelenz.

Auch die Grünen und die FDP setzen inzwischen mehr und mehr auf Hohlkammerplakate – nicht nur, weil sie umweltfreundlicher sind – wie Maria Meurer (Grüne) betont. „Da sie in drei Metern Höhe an Laternen angebracht werden, ist es auch viel schwieriger, an sie heranzukommen und sie zu beschmieren. Deshalb hatten wir in diesem Jahr noch keine großen Probleme mit Vandalismus“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der Erkelenzer FDP, Thorsten Odenthal.

„Weil die Hohlkammerplakate allerdings verhältnismäßig teuer sind, geht es nicht nur mit ihnen“, sagt Meurer. „In der Vorabkampagne der Grünen waren 100 sogenannte Vordermänner im Stadtgebiet verteilt worden, dazu kommen noch einmal 200 Personenplakate. An denen haben sich einige Bürger schon ausgelassen. Am häufigsten werden die Plakate an Bahnhöfen und Bushaltestellen zerstört, der Schaden geht in die Hunderte“, bedauert Meurer.

Nicht nur sie hofft, dass sich die Parteien bei zukünftigen Wahlkämpfen darauf einigen können, auf die Wahlwerbung auf den Straßen zu verzichten. Auch die Vertreter der übrigen Parteien könnten sich einen Wahlkampf ohne Plakate vorstellen. „Die Bürger sind nach zwei Wochen ohnehin übersättigt an Wahlwerbung. Wenn sie diese überhaupt noch wahrnehmen, dann sind die meisten eher genervt.

Energie für Urnengang aufheben

Allerdings müsste man sich bei einem Verzicht auf Wahlplakate darauf verlassen können, dass sich alle Parteien im Stadtgebiet daran halten“, sagt Spalink. Auch die kleineren Parteien würde das aus Kostengründen freuen. „Immerhin gewinnt ja auch nicht derjenige die Wahl, der am meisten Plakate verteilt hat“, sagt Karl-Heinz Frings.

Bis es möglicherweise eines Tages so weit sein könnte, hoffen die Parteien vor allem eines: Dass sich die Wähler ihre politische Energie nicht für die Plakate, sondern für die Wahlurnen aufheben.

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