Wahlkampf: Kein Wettrüsten mehr zur Plakatschlacht?

Von: Nicola Gottfroh
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Stellen wie diese hier in Dremmen sieht man im Kreis nur wenige. Auch die Anzahl der Wesselmänner, von denen man einen im Hintergrund sieht, ist in diesem Wahlkampf reduziert worden. Foto: Gottfroh

Kreis Heinsberg. In jedem Wahlkampf ist es das Gleiche. Wenige Wochen vor der Stimmabgabe rüsten die Parteien für die große Plakatschlacht auf. Von den meisten Bürgern werden die Poster als notwendiges Übel angesehen. Inzwischen aber äußern selbst einige Politiker über die Notwendigkeit und den Sinn einer Plakatflut ihre Zweifel.

„Wahlforscher haben immerhin herausgefunden, dass die Bürger das Plakat schon nach kurzer Zeit nicht mehr wahrnehmen. Vielmehr schreckt sie eine Plakatflut ab“, sagt Andreas Rademachers von der FDP im Kreis. Vielleicht lässt sich so erklären, dass der Trend hin zu weniger Plakaten geht. Wer derzeit auf den Straßen im Kreis unterwegs ist, sieht zwar schon viele Plakate, aber noch lange nicht so viele wie in den Vorjahren kurz vor dem Wahltag.

Die SPD im Kreis Heinsberg beispielsweise setzt zu dieser Bundestagswahl vermehrt auf den aufsuchenden Wahlkampf. 2009 hatten etwa die Sozialdemokraten noch 48 „Wesselmänner“ im Kreisgebiet platzieren lassen. 2013 lässt sie noch genau 28 dieser Werbewände aufbauen – das sind 20 weniger als noch vor vier Jahren. Finanziert wird diese Großflächenwerbung vom Bundesverband, also direkt aus Berlin.

Dass die Bundes-SPD für die kommende Wahl weniger Mittel für Großflächenwerbung zur Verfügung stellt, stört Unterbezirks-Geschäftsführer Hartmut Simmelink-Weinstein nicht. „Die SPD hat nur rund ein Drittel der in den Vorjahren üblichen Mengen aufgestellt“, so Simmelink-Weinstein, „weil die Wesselmänner und Plakate in erster Linie dazu dienen, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass gewählt wird. Im Kreis setzen wir darauf, bei Veranstaltungen für uns zu werben“, versichert er.

Auch die Christdemokraten setzen weiterhin auf Großflächenwerbung, fluten die Region aber nicht damit. „Das Aufstellen dieser großen Plakate ist ohnehin eine Aktion der Bundespartei“, sagt Lothar Kauffels, Kreisgeschäftsführer der CDU. Für den eigenen Wahlkampf setzen die Christdemokraten auf Plakate in der Größe DIN A 1.

Rund 2000 dieser Poster wurden und werden noch geklebt. Und das wohl an den prominentesten Plätzen, wie Andreas Rademachers von der FDP zugeben muss. Denn in vielen Kommunen, in denen speziell reglementiert ist, wo Wahlwerbung angebracht werden darf, geht es unter den Parteien frei nach dem Motto zu, „Wer zuerst kommt, malt beziehungsweise klebt zuerst“. Wer früh beginnt, sichert sich die besten Plätze.

Da die CDU im Kreis an vielen gut frequentierten Plätzen bereits vor den Sommerferien Plakate, auf denen Wilfried Oellers den Bürgern schöne Ferien wünschte, angebracht hatte, hat sie sich diese Plätze bereits frühzeitig „reserviert“. „Das war Sinn und Zweck der Übung“, sagt Kauffels. Problemlos wurden die Feriengrüße vor kurzem durch die „richtige“ Wahlwerbung ersetzt.

Auch die Liberalen werden in den kommenden beiden Wochen noch einige ihrer rund 1000 Plakate anbringen, sagt Rademachers. Die sind zum Teil selbst finanziert, zum Teil von Landesverband gesponsert. Sie fangen der Ferien wegen später mit der Plakatierung an. So macht es auch die Linke. „Es ist unglücklich, dass die Ferien in die Wahlkampfphase fallen. Ich vermute, dass der Wahlkampf erst nach den Ferien richtig in Gang kommt“, sagt Manfred Mingers von der Linken.

Für viel wichtiger als Plakatwerbung halten die meisten Politiker, darunter auch FDP-Mann Rademachers, den medialen Wahlkampf. „Aber der wird hauptsächlich von den Spitzenkandidaten auf Bundesebene ausgetragen. Merkel, Westerwelle und Steinbrück nehmen die Menschen stärker wahr als die Bundestagskandidaten aus der Region“, meint er. Um einen Wahlkampf der nicht geklebten Art zu veranstalten, hat die FDP für kommende Woche Christian Lindner zu einer Veranstaltung eingeladen.

Wie auch bei den übrigen Parteien, fällt die Werbung der Grünen im Kreis in diesem Jahr deutlich abgespeckter aus. „Wir halten uns ebenfalls in der Hauptsache an einen inhaltlichen Wahlkampf. Im September, wenn es in die heiße Phase geht, werden wir noch einmal mit vielen Ständen und Veranstaltungen auf uns und unser Programm aufmerksam machen“, sagt Kreisvorstandssprecherin Maja Bintakys-Heinrichs.

An Laternen und Großflächen wird aber trotzdem noch geworben: 150 Kopfplakate, von denen der Grünen-Kandidat die Bürger anlächelt, hat der Kreis anbringen lassen. Die zehn Ortsverbände steuern noch 150 Themenplakate dazu. Zudem stünden 13 bis 15 Wesselmänner im Kreisgebiet. „In jedem Ortsverband befindet sich mindestens einer“, betont Bintakys-Heinrichs. Diese würden nicht vom Bundesverband wie bei anderen Parteien, sondern vom Kreisverband finanziert. Die Ortsverbände, die noch einen weiteren Wesselmann „on top“ gewünscht hätten, mussten den aus eigener Tasche finanzieren.

Dass die Wahlwerbung bei allen Parteien in diesem Jahr etwas reduzierter ausfällt, hat sicher auch damit zu tun, dass der Gürtel etwas enger geschnallt werden muss. Immerhin steht schon im nächsten Jahr die Kommunalwahl an – und auch diese Wahlwerbung will finanziert werden. „Es ist ohnehin eine Gewissensentscheidung, so viel Geld in den Wahlkampf zu investieren. Es gibt so viele Dinge, die wichtiger sind“, sagt Manfred Mingers von der Linken. Mitmachen müsse man aber trotzdem. „Sonst überlässt man den anderen das Ruder“, sagt er. Also hängt auch die Linke 1000 Plakate und hat drei bis vier Wesselmänner im Kreis.

Es müsse eben gehaushaltet werden, denn mehr als 6000 Euro gibt das Wahlkampfbudget nicht her, so Mingers. „Wir versuchen den Schwung aus der Bundestagswahl auf jeden Fall mit hinein in den Kommunalwahlkampf zu nehmen.“

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