Hückelhoven-Doveren - Vor 70 Jahren: Mutiger Lehrer stellt sich Plünderern entgegen

Vor 70 Jahren: Mutiger Lehrer stellt sich Plünderern entgegen

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Johann Holzapfel starb am 10. April 1945 an den Folgen eines Kopfschusses.

Hückelhoven-Doveren. Ein Straßenname erinnert an ihn und auch die Gemeinschaftsgrundschule trägt seinen Namen. Die Rede ist von Johann Holzapfel. Vor rund 70 Jahren, am 10. April 1945, wurde er von ehemaligen Zwangsarbeitern ermordet, als er einen Angriff auf Doveren vereiteln wollte. Frank Koefer erinnert an den wehrhaften Lehrer und berichtet, was sich damals zugetragen hat.

Johann Holzapfel wurde am 16. März 1888 in Aachen geboren. Nach seinem Studium wirkte er zunächst als Lehrer in Uevekoven und Hetzerath. 1915 heiratete er Helene Bleilevens aus Doveren (1892-1982). Sie war die Tochter des Doverener Hauptlehrers Wilhelm Bleilevens. So folgte Holzapfel 1923 seinem Schwiegervater als leitender Lehrer der Oberklasse an die Schule in Doveren, welche sich damals noch auf dem Doverener Marktplatz befand.

Kurz nachdem im April 1945 die Amerikaner die linke Rheinseite unter ihre Kontrolle gebracht hatten, kehrten die ersten Dorfbewohner, meist Bauern, aus der Evakuierung zurück. Auch Holzapfel war zusammen mit seiner Frau nach Doveren zurückgekehrt. Sie bewohnten das damalige Lehrerhaus auf der heutigen Johann-Holzapfel Straße 6. Das Ehepaar hatte drei Söhne wovon der jüngste Sohn Willi wenige Wochen zuvor im Krieg sein Leben lassen musste. Die Aufgabe der ersten Heimkehrer bestand zunächst darin, ihre kriegsbeschädigten Häuser und Hofstellen wieder bewohnbar zu machen. Doch die Zeiten waren immer noch sehr unruhig und die Kapitulation der Nationalsozialisten sollte noch vier Wochen auf sich warten lassen.

Im Nachbarort Hetzerath waren russische und polnische Zwangsarbeiter zusammengezogen worden. Ihnen sagte man nach, sie würden in Gruppen durch die umliegenden Dörfer ziehen und alles plündern, was zu plündern sei. So versuchten sie am 9. April 1945 einem gerade eben heimgekehrten Bauern in Doveren zwei Kühe zu stehlen. Der Angriff konnte abgewehrt und die Plünderer vertrieben werden. Auf der Flucht Richtung Hetzerath sollen sie den wenigen Dorfbewohnern gedroht haben: „Wir kommen wieder und setzen das ganze Dorf in Flammen.“

Aufgrund dieser Drohung bat man bei der amerikanischen Militärregierung, welche sich damals in Ratheim auf „Haus Hall“ befand, um Unterstützung. Ausgestattet mit mehreren Gewehren und Munition erhielten die Dove-rener hier den Auftrag, die Plünderer zu verhaften. So geschah es auch am Morgen des 10. April 1945 während eines weiteren Angriffs auf den Ort. Doch einige Plünderer konnten entkommen und schafften es, in Hetzerath Verstärkung aus ihren Reihen zu mobilisieren.

Überlieferte Quellen sprechen von 50 bewaffneten Zwangsarbeitern, welche von Hetzerath kommend Richtung Doveren zogen. Als der von den Amerikanern eingesetzte Ortsvorsteher zog Johann Holzapfel gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern den Plünderern entgegen, um mit ihnen zu verhandeln. Kurz nach dem aufeinandertreffen der zwei Parteien wurde aus den hinteren Reihen auf Holzapfel geschossen. Er erlitt einen Kopfschuss und wurde kopfüber in einen Bunkerschacht geworfen, welcher sich damals im Bereich der heutigen Jan von Werth Straße befand.

Die bereits im Vorfeld alarmierten amerikanischen Soldaten schafften es wenig später, die Plünderer zu vertreiben. In Doveren wurde für die nächsten Wochen eine Bürgerwehr abgestellt, um den Ort zu bewachen. Doch für Johann Holzapfel kam jede Hilfe zu spät. Schwer verletzt wurde er aus dem Bunker geborgen und erlag später seinen Verletzungen.

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