Von „Online-Heiligen“ bis zu Martin Luthers Krawatte

Von: Anna Petra Thomas
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„500 Jahre falscher Glaube“: Konrad Beikircher bei der Premiere im Heinsberger Dom. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. „Um halb drei hab‘ ich auf den Druckerknopf gedrückt. Da war ich fertig“, schmunzelt Wolfgang Beikircher den Heinsberger Propst Markus Bruns an, nicht einmal fünf Stunden später in der Sakristei von St. Gangolf.

Hier, vor dem Altar des sogenannten Selfkantdoms, tritt der bekannte rheinische Kabarettist gleich danach an mit einem ganz neuen Programm, das er anlässlich des Reformationsjubiläums der Evangelischen Kirche geschrieben hat. „500 Jahre falscher Glaube“ heißt es, und der Titel lässt schon die Richtung erahnen, in die es führen wird.

Es sei ihm eine Ehre, mit seinem Programm in einer Kirche zu sein, „erst recht in einem Dom“, lächelt Beikircher selbstsicher in Hunderte erwartungsvolle Gesichter. Ja, die Protestanten würden die 500 Jahre, die seit den Thesen von Martin Luther vergangen seien, natürlich feiern, „aber wie?!“. Mit Büchern, Gottesdiensten, Konzerten, „alles eine Spur zu ernst, ohne Spass an d‘r Freud, evangelisch eben“. Und dann dieses weiße Beffchen am Talar, „das sieht ja aus wie ein Schlabberlatz!“. Immerhin sei ein ICE nach Martin Luther benannt worden, aber „das müffelt nach einem Glauben für Sparer“. Schon nach diesen ersten Minuten ist allen im Kirchenschiff klar, dass Beikircher als Vertreter des „normalen“ Glaubens kein gutes Haar an den Protestanten lassen wird.

Mit der Angst spekuliert

Beikircher spielt im Selbst-Dialog den kleinen Konrad vor der Himmelstür und sinniert über den Handel mit dem Ablass, „dem Staubsauger Gottes für die Krümel der Sünde“. Aus der schon bekannten Beicht-App entwickelt Beikircher die BAA-App für Beichte, Ablass und Absolution. „Nur sündigen muss man noch selber.“ Was nun Luther betreffe, habe dieser sich genau daran gestört, dass die Kirche nämlich mit der Angst ihrer Gläubigen spekuliere. Und Papst Leo X. sei für ihn nun mal „so was wie der ehemalige Bischof von Limburg gewesen“.

Doch dann brauche es doch nicht gleich eine neue Religion. „Man kann et och üvverdrieve“, würde der Rheinländer sagen und sich sein „Bewusstsein für das Relative in allen Dingen“ bewahren. „Luther dagegen hatte so eine Krawatte! Ah daher kommen die Beffchen. Ist mir gerade erst eingefallen“, gesteht Beikircher seinem Premierenpublikum die spontane Ergänzung im Programm. Luther habe die Menschen aus der Katholischen Kirche herausgeholt, sie aber dann einfach alleine gelassen. „Das ist das große Verbrechen des Reformators.“ Alles müssten die Protestanten mit sich selber ausmachen. „Aber so wie ich sündige, das könnte ich mir nie verzeihen!“, lachte er selbst.

Auf der anderen Seite war er „genial“, der Luther, was Beikircher mit zahlreichen Beispielen aus der Sprachschöpfung Luthers, etwa mit der Redensart „ein Herz und eine Seele sein“, belegt. Sodann zu den Heiligen und den Reliquien im „normalen“ Glauben: „Ist sie nicht herrlich bunt, schimmernd, anheimelnd, unsere Katholische Kirche?“, schwärmt er und will darauf gar keine Antwort. Und ohne? „Da kommt bei mir kein Glauben auf!“, betont er. Allerdings wären ihm heute überprüfbare „Online-Heilige“ oder „Lebend-Heilige“ noch lieber. „Da müssen wir uns doch nicht vom Staat vormachen lassen, wie das geht!“

Bedauernswerte Protestanten

Er könne die Menschen evangelischen Glaubens nur bedauern, so Beikircher in seinem Fazit. „Das alles hätte der Protestant doch auch haben können!“, betonte er, fügte jedoch hinzu: „Luther hat aus einem Haufen mittelalterlicher Bauern uns Deutsche geformt.“

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