Vom Waldsee zur EM nach Tel Aviv

Von: Anna Petra Thomas
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Spektakuläre Sprünge: Naomi Wetzels überzeugte damit zuletzt auch bei den Deutschen Meisterschaften. Foto: Anna Petra Thomas
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Erfolgreich bei den Deutschen Meisterschaften: Gino und Naomi Wetzels aus Obspringen. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg/Waldfeucht. Lässig schlendert Naomi Wetzels aus Obspringen Richtung Effelder Strand, genannt „Amici Beach“, im bequemen schwarzen Kleid, ihr weißes Wakeboard unterm Arm. Doch das soll sich schnell ändern. Sie tauscht ihr Kleid gegen ihre hellen Jeans-Shorts.

Danach reiht sie sich, ausgestattet mit dem übrigen Equipment für ihren Sport, in die Reihe der Wakeboarder ein, die am Start der Wasserski-Anlage darauf warten, ein Seil für ein paar Runden auf dem Effelder Waldsee zu ergattern.

Dabei ist die 15-jährige Schülerin der Heinsberger Realschule inzwischen ein junger Star ihres Sports. Erst vor gut einer Woche hat sie sich in Norderstedt in Schleswig-Holstein in ihrer Altersklasse, bei den „Girls“ im Alter unter 16 Jahren, den Titel der Deutschen Meisterin im Cable-Wakeboard gesichert. Und nicht nur sie war in Norderstedt erfolgreich, sondern auch ihr ein Jahr älterer Bruder Gino. Er sicherte sich Platz fünf bei den „Junior Men“ (U19).

Bessere Bedingungen

Im vergangenen Jahr hatte sich Naomi mit der Vizemeisterschaft begnügen müssen. Besser werden hieß da nur noch, die „echte“ Meisterschaft anpeilen. Und dafür hat sie in den vergangenen Wochen, wie ihr Bruder auch, in Effeld intensiv trainiert. Gino gab sich von seiner Platzierung dagegen überrascht. Aufgrund eines großen und starken Teilnehmerfeldes habe er damit gar nicht gerechnet, erklärte er im Beisein von Bürgermeister Manfred Winkens, der am Wochenende an den See gekommen war, um den beiden jungen, erfolgreichen Sportlern zu gratulieren.

Während Gino zunächst den Motorsport als sein Hobby auserkoren hatte, waren es bei Naomi der Fußball und das Tanzen. Das sollte sich jedoch bei beiden ändern, als sie vor vier Jahren nacheinander – erst Naomi, dann Gino – etwas intensiver in den Sport der Wakeboarder hineinschnupperten. Mit einem Kinderkurs an der Blauen Lagune in Wachtendonk legten beide das Fundament für ihr neues Hobby. Sie besuchten weitere Kurse auch andernorts und waren schon bald fast jedes Wochenende an der Blauen Lagune zu finden – mit ihren Eltern in einem eigenen kleinen Ferienhaus.

Als die beiden dann im vergangenen Jahr von der Eröffnung der Anlage am Effelder Waldsee hörten, waren sie natürlich begeistert. Zunächst trainierten sie noch parallel an der Blauen Lagune. Seit Beginn der diesjährigen Saison sind sie jedoch ganz an den „Amici Beach“ gewechselt und sehr zufrieden damit. „Die Trainingsmöglichkeiten sind hier noch besser“, sagt Gino und meint damit vor allem die Bedingungen auf dem Wasser mit weniger Wind und somit weniger Wellen. „Und hier können wir bei gutem Wetter abends auch noch bis Sonnenuntergang trainieren“, sagt er.

Und sie haben noch Großes vor in diesem Jahr. Naomi, die inzwischen zum deutschen C-Kader gehört, hat sich bereits qualifiziert für die Teilnahme an den Europameisterschaften vom 18. bis 24. September in Tel Aviv in Israel.

Gino muss dafür noch einmal an einem internationalen Wettbewerb in London teilnehmen. Derzeit tüftelt er auf dem Waldsee an einem ganz neuen, seinem ersten eigenen Sprung, einem sogenannten Invert. Neben den Kunststücken auf den im Wasser „ausgelegten“ Hindernissen komme es bei Wettkämpfen ganz besonders auf eine möglichst schwierige Aneinanderreihung solcher Inverts an, sagt Gino. Schließlich haben er und seine Schwester auch noch die Weltmeisterschaften vom 12. bis 20. November in Mexiko im Visier.

Ihre Erfolge haben den beiden auch verdeutlicht, was sie an ihrem Sport so fasziniert. „Der Spaß“, sagt Gino. Egal, wo Wakeboarder zusammenkämen, hätten alle einfach nur viel Spaß an ihrem Sport. Auch bei ganz großen Wettkämpfen. Ihnen aus anderen Sportarten bekannte Konkurrenzkämpfe gebe es in ihrem Sport nicht. „Jeder gönnt‘s jedem“, betont Naomi.

Noch sei ihr Sport nicht olympisch, erklärt Gino mit Blick auf die laufenden Spiele in Rio. Eigentlich habe er es 2020 werden sollen, das sei jedoch jetzt auf 2024 verschoben worden, weiß er. Zudem gelte dies nur für Wasserski hinter dem Boot, fügt Nico Karper hinzu, Betreuer und Trainer zugleich am Cablepark in Effeld. Dennoch bei den olympischen Spielen einmal dabei zu sein, ist für die beiden einer der ganz großen Träume.

In Deutschland zumindest sei ihr Sport schon soweit anerkannt, dass man ihn zum Beispiel in einer Sportkompanie der Bundeswehr weiter betreiben könne, sagt Gino Wetzels. Deutschland sei zudem mittlerweile das Land mit den meisten für den Sport nötigen Cableparks. Er weiß von insgesamt 83 Anlagen.

Populärer sei ihr Sport jedoch in anderen Ländern. „In Israel ist der Sportler des Jahres ein Wakeboarder“, sagt Gino.

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