Düsseldorf/Heinsberg - Vom Flüchtling zum Menschen: Eine Ausstellung

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Vom Flüchtling zum Menschen: Eine Ausstellung

Von: Anna Petra Thomas
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Vor der offiziellen Eröffnung nutzte Akram Ali schon die Gelegenheit, sich seinen Part in der Ausstellung anzusehen. Foto: Anna Petra Thomas

Düsseldorf/Heinsberg. Meldungen, in denen das Wort „Flüchtling“ vorkommt, stehen seit vielen Monaten ganz oben in der Berichterstattung aller Medien. Zahlen werden dort genannt, Länder, ja, gar von einem „Problem“ ist da oftmals die Rede. Das einzelne Schicksal, der einzelne Mensch, bleibt dahinter verborgen. Ganz anders in einer Ausstellung, die mit Heinsberger Beteiligung in dieser Woche im Düsseldorfer Landtag eröffnet worden ist.

„Vom Menschen zum Flüchtling, vom Flüchtling zum Menschen“ lautet ihr Titel. Die Dortmunder Fotografin Cornelia Suhan hat in den vergangenen Monaten 15 Flüchtlinge aus ganz Nordrhein-Westfalen, überwiegend aus größeren Städten, porträtiert. Ihre Fotos entstanden in einer Szenerie quasi vorweggenommener Realität, die sich diese Menschen für ihre Zukunft in Deutschland wünschen. Einer dieser Flüchtlinge ist Akram Ali, der aus Syrien gekommen ist und mit seiner Frau Samira Azam und vier Kindern in Heinsberg lebt.

„Mir war es wichtig, den Blick auf die Potenziale der Menschen zu richten, die zu uns kommen“, erklärt die Fotografin zu ihrem Projekt. „Sie nicht nur als Empfangende zu zeigen, sondern auch als Gebende, war mir wichtig.“ Diese Menschen, die sich gerne mit Kompetenz und ihrem Erfahrungshintergrund einbringen würden, „können wir für unser Leben, unsere Gesellschaft hinzugewinnen“, so Cornelia Suhan.

„Durch den Beginn des Krieges in Syrien verlor ich erneut alles“, ist der Beitrag von Akram Ali zur Ausstellung überschrieben. Neben einem Portrait in Schwarz-Weiß zeigt es ihn in einer großformatigen Fotografie in einer Szenerie, die noch Utopie ist. Entstanden ist sie im Herren-Maßatelier von Werner Losberg in Heinsberg. Daneben steht ein Text, in dem Akram Ali seinen Traum beschreibt: „Ich träume davon, ein erfolgreicher Unternehmer in Deutschland zu sein, genauso wie ich es in Syrien war“, heißt es dort.

Bereits im Alter von 18 Jahren habe er sehr erfolgreich begonnen, mit Textilien zu handeln. Nach drei Jahren schon sei sein Unternehmen durch den Krieg im Irak zerstört worden. „Aber ich gab nicht auf und begann von Neuem, dieses Mal in Syrien.“ Doch hier hat der erfolgreiche Obsthändler durch den Krieg wieder alles verloren.

Akram Ali hat bereits sehr gut Deutsch gelernt. Er hat seine Führerscheinprüfung bestanden, ein Auto gekauft und in Waldfeucht-Haaren eine Arbeitsstelle gefunden. Zwei Jahre brauche er noch, meint er, dann werde er auch in Deutschland wieder ein Geschäft eröffnen. Ein Geschäft für Herrenbekleidung möchte er führen, verbunden mit einer Maßschneiderei und einer Reinigung. Hier könnte auch seine Frau Samira Azam mitarbeiten, die gelernte Schneiderin ist.

Eröffnet wurde die Ausstellung des NRW-Innenministeriums durch Landtagspräsidentin Carina Gödecke. Sie freute sich, neben dem Landtagsabgeordneten Bernd Krückel auch Landrat Stephan Pusch, Bürgermeister Wolfgang Dieder und den Integrationsbeauftragten Wolfgang Paulus im Landtag begrüßen zu dürfen.

Etwa 320.000 Flüchtlinge seien 2015 nach Nordrhein-Westfalen gekommen, rund 230.000 von ihnen seien geblieben, erklärte sie. Immer sei Migration mit Hoffnung verbunden, „Hoffnung auf eine neue, eine bessere, eine sichere Lebensperspektive, auf eine Zukunft.“ Flüchtlinge könnten durchaus zu Motoren für einen wirtschaftlichen Aufschwung werden, verdeutlichte die Landtagspräsidentin anhand von Zitaten prominenter Ökonomen und aus einer Studie des Internationalen Währungsfonds, fügte jedoch hinzu: „Vorausgesetzt: die Integration gelingt!“ Die neue Ausstellung des Innenministeriums bewertete sie als „eine Kampagne für Integration.“

Innenminister Ralf Jäger dankte der Fotografin, der es gelungen sei, „die Gefühle, die Hoffnungen dieser Menschen spürbar zu machen“. Vor allem aber dankte er den Flüchtlingen, die sich wie Akram Ali an der Ausstellung beteiligt haben, „die uns Einblicke in ihre ganz persönliche Gedankenwelt gewähren“.

Sicherlich komme jeder mit Erwartungen, mit Hoffnungen und Träumen. „Wir können nicht jeden Traum erfüllen“, erklärte Jäger, „aber wir können versuchen, eine Willkommenskultur vorzuleben und lebendig zu halten.“ Dies heiße auch, ein guter Gastgeber zu sein für diejenigen, die irgendwann zurückkehren wollen oder müssen. „Wir in NRW verstehen uns als ein Land, das Vielfalt zu schätzen weiß.“ Dies beweise eine Geschichte, die von vielen Zuwanderern mitgeschrieben worden sei.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. Juni im Landtag zu sehen.

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