Vojin Kocić gewinnt beim Heinsberger Gitarrenfestival

Von: Anna Petra Thomas
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„Tears in Heaven“ spielte Gewinner Vojin Kocić als erstes auf seiner neuen Gitarre. Mit dabei die übrigen vier Finalisten Chiawei Lin, Hedvika Švendová, Cyprien N´Tsai und Maria Daniela Rossi (von links). Foto: anna

Heinsberg. „Tears in Heaven“ (Eric Clapton) spielte Vojin Kocić aus Serbien auf seiner Siegergitarre ganz am Ende einer überaus emotionalen Preisverleihung für ein begeistertes Publikum. In einem packenden Finale der fünf besten Gitarristen des siebten internationalen Heinsberger Gitarrenfestivals hatte er am Samstagabend den letzten Auftritt auf der Bühne der Heinsberger Stadthalle und von da an die Nase ganz vorn.

Von früheren Gewinnern des Wettbewerbs habe er von Heinsberg gehört, erzählte der 26-Jährige nach seinem Sieg. „Ich bin hier her gekommen und fühlte mich direkt zu Hause.“ Nie zuvor bei einem Wettbewerb habe er in einer Gastfamilie gelebt, „aber das war einfach wundervoll“, sagte er und nahm vor der Bühne liebevoll seine Gasteltern Moritz und Margit Gimpel in die Arme, die dort geduldig ausgeharrt hatten, um ihm als Letzte, aber nicht minder herzlich zu gratulieren.

„Sie können sich nicht vorstellen, wie glücklich ich bin“, erzählte Kocić weiter. Nach seinen ersten beiden Auftritten in den Vorrunden sei er gar nicht zufrieden gewesen. Aber dem Finale habe er dann in seinem Herzen die Bestimmung eines schönen Konzerts gegeben, vor einem wundervollen Publikum.

Sieger Kocić, der in der Schweiz studiert, spielte Stücke von William Walton (1902-1983) und Giulio Regondi (1823-1872). „Ich widme diesen Preis meiner Großmutter, die in diesem Jahr verstorben ist“, fügte er hinzu, wobei nicht ganz zu unterscheiden war, ob es nur der Schweiß vom Auftritt oder tatsächlich die ein oder andere Träne war, die ihm da vor Freude und Trauer zugleich übers Gesicht lief.

Lange Zeit war nämlich nicht vergangen, seit sein letzter Ton auf der Bühne verklungen war. Nur 15 Minuten hatte die mit elf professionellen Musikern und Lehrern besetzte Jury gebraucht, um die drei besten Gitarristen aus dem Kreis der letzten fünf Wettbewerbsteilnehmer in eine Reihenfolge zu bringen. Insgesamt 37 waren es zu Beginn der vergangenen Woche gewesen, aus denen es zunächst 19 ins Halbfinale und dann fünf ins Finale geschafft hatten: Maria Daniela Rossi aus Argentinien, Hedvika Švendová aus Tschechien, Cyprien N´Tsai aus Frankreich, Chiawei Lin aus Taiwan und Vojin Kocić aus Serbien.

Als Liebling des Publikums und Preisträger der Juniorjury war jedoch mit Lin zunächst ein anderer ausgezeichnet worden. Er hatte bei seinem Vortrag der ursprünglich fürs Klavier geschriebenen Partitur Nummer zwei von Johann Sebastian Bach (BWZ 826) einmal kurz aussetzen müssen. Das hatte ihn den Sprung aufs berühmte Treppchen gekostet. Lin freute sich jedoch trotzdem über je 500 Euro von Publikum und Juniorjury. Und schließlich erhielt er am Rande des offiziellen Geschehens auch gleich noch ein Angebot für ein Konzert in Essen. Hedvika Švendová auf Platz drei freute sich über 1000 Euro, Maria Daniela Rossi auf Platz zwei über 2000 Euro.

Gar nicht all seine Preise selbst tragen konnte jedoch Kocić, der zunächst aus den Händen des eigens aus Tokio angereisten Gitarrenbauers Masaki Sakurai die von ihm für den Wettbewerb gestiftete Meistergitarre entgegennahm. Weitere Preise waren eine wertvolle Mechanik und ein Koffer für die Gitarre, eine Luxusuhr und nicht zuletzt eine eigene CD-Produktion sowie Engagements für insgesamt sieben Konzerte, darunter eines in der Nationalphilharmonie in Kiew.

„Atemberaubend“

„Das war ein atemberaubender Wettbewerb. So etwas habe ich noch nicht gesehen!“, fasste Roman Viazovskiy, künstlerischer Leiter des Festivals, das Geschehen für sich und Festivaldirektor Theo Krings treffend zusammen. „Ich danke Euch, dass Ihr uns Euer Vertrauen geschenkt habt und dass wir Eure Musik hier genießen durften“, sagte er den fünf Finalisten auf der Bühne stellvertretend für alle anderen Teilnehmer des Wettbewerbs.

Bürgermeister Wolfgang Dieder dankte im Rahmen der Siegerehrung noch einmal allen Gastfamilien, ohne die ein solcher Wettbewerb in Heinsberg gar nicht möglich wäre. Für ihn als Laien sei natürlich auch „harte Kost“ dabei gewesen, räumte er ein. Er freute sich aber sichtlich, „dass Heinsberg inzwischen ein Zentrum der Gitarrenspielkunst und in der internationalen Gitarrenwelt zu Hause ist“.

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