Vögel müssen nun doch nicht abspecken

Von: Rainer Herwartz
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Heinsberger Land. Auch wenn das Wetter es derzeit kaum vermuten lässt, so ist der Monat Mai und damit die Hochsaison der Schützenbruderschaften nicht mehr weit. Doch schon vor dem ersten Schuss lag den heimischen Traditionsbruderschaften der Vogel, auf den gezielt wird, kräftig im Magen. Grund hierfür waren die neuen Schießstandrichtlinien, die das Bundesinnenministerium erlassen hatte.

Bei den Schützenbruderschaften, die dem hölzernen Federvieh mit Kleinkaliberwaffen oder Größerem zu Leibe rücken, sollte der Vogel künftig nur noch aus einem acht statt bislang 15 Zentimeter dicken Weichholzkern bestehen. Und das hätte fatale Folgen gehabt.

Begründet wurde die neue Richtlinie mit Sicherheitsaspekten, erläuterte Heinzgerd Dewies aus Erkelenz als Bundesschützenmeister im Präsidium des Bundes der Historischen deutschen Schützenbruderschaften. „Die Kugeln sollten das Holz durchschlagen, damit sie keine Kugelnester bildeten, von denen Kugeln abprallen könnten. Bisher haben wir aber keine negativen Erfahrungen diesbezüglich gemacht.“ Selbiges bestätigte auch der Bundesgeschäftsführer der Schützen, Ralf Heinrichs aus Leverkusen. „Die neue Richtlinie war still und leise ausgekungelt worden“, sagte Dewies. „Wenn der Vogel nur noch acht Zentimeter dick wäre, dann fiele der schon nach sechs oder acht Schüssen.“ In rund zehn Minuten sei dann alles vorbei. Bislang musste der Holzvogel schon durchschnittlich mit 70 oder 80 Treffern traktiert werden, ehe er die Flügel streckte. Und das dauerte meist so um die zwei Stunden.

„Wenn er so schnell fällt, ist ja gar keine Spannung mehr da“, beklagte Dewies. Doch nicht nur das wäre schlecht für die traditionsreichen Veranstaltungen gewesen. Mindestens ebenso prekär war der Umstand, dass sich dann kaum noch jemand getraut hätte, überhaupt auf den Vogel zu schießen, wenn er nicht die klare Absicht hegte, auch die Königswürde tragen zu wollen.

Das Innenministerium, das sich in seiner Entscheidung von einer Schießstandssachverständigenkommission beraten ließ, habe die Schützen selbst nicht einmal befragt, bemängelte Dewies. Kein Wunder, dass diese mobil machten. Der Kontaktkreis der Schützenverbände in NRW hatte denn auch gleich an den Bundesminister des Inneren einen Brief geschrieben. Mit über einer Million Schützen in den angeschlossenen Verbänden natürlich keine Post, die ungelesen blieb. „Mit Sorge betrachten wir die weitere Reglementierung von Brauchtum, historischem Schießen und traditionellem Vogelschuss“, war dort zu lesen, wobei gleich eindrucksvoll auf die Ursprünge des Brauchtums in vorchristlicher Zeit verwiesen wurde. Gema-Gebühren, Nichtraucherschutz oder Festzug-Absicherung hatten in jüngster Vergangenheit den Schützen ohnehin schon zu schaffen gemacht.

„Die nun in den neuen Schießstandrichtlinien niedergelegte, erheblich verringerte Vogeldicke wird dafür sorgen, dass ein Schießen nicht mehr in der traditionellen Form stattfinden kann. Das Ziel des Vogelschusses ist es, den Vogel nach langem und zähem Kampf mehrerer Königskandidaten von der Stange zu schießen. Es steht zu erwarten, dass das Schießen nicht mehr den Wettkampfcharakter annehmen kann“, hieß es weiter. Mit Nachdruck forderten die Schützen eine Rücknahme der neuen Schießsportrichtlinie.

Und siehe da, überraschend mit Erfolg. „In jüngster Vergangenheit hat sich gezeigt, dass insbesondere die Regelungen zur Dicke der Ziele für Vogelschießstände zu praktischen Problemen führen können“, teilte das Ministerium gestern lapidar mit. Mit der Rücknahme der Regelung wolle man „Tradition und Sicherheit in Einklang bringen“. Über die Gründe für die Kehrtwende kann Heinzgerd Dewies bestenfalls spekulieren. Dennoch ist er froh, dass „damit eines der leidigen Themen vom Tisch ist“.

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