Mönchengladbach/Hückelhoven/Erkelenz - Viertelmillion Euro veruntreut? Betrug bringt Firma an den Rand der Pleite

Viertelmillion Euro veruntreut? Betrug bringt Firma an den Rand der Pleite

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
symbol justiz justizbeamter gericht urteil justitia richter
Die Frau aus Hückelhoven muss sich seit Montag vor dem Amtsgericht Mönchengladbach verantworten. Symbolbild: dpa

Mönchengladbach/Hückelhoven/Erkelenz. Als es an diesem Morgen im Jahr 2016 um 10 Uhr in Hückelhoven an der Tür von Ümmügülsüm A. klingelt, ist der über Jahre andauernde Betrug vorbei. Die drei Beamten beschlagnahmen Unterlagen, vorwiegend Kontoauszüge, anhand derer die Staatsanwaltschaft der 35-jährigen A. nun nachweisen will, dass sie ihren Arbeitgeber, ein Verpackungsunternehmen aus Erkelenz, um einen sechsstelligen Betrag gebracht hat.

Nach Angaben der geschädigten Firma soll A. knapp eine Viertelmillion Euro ergaunert haben. Seit Montag läuft vor dem Amtsgericht Mönchengladbach der Prozess gegen Ümmügülsüm A., der die Staatsanwaltschaft gewerbsmäßige Untreue vorwirft. In der Anklageschrift sind 229 Einzelfälle aufgelistet, die in der Summe 168.000 Euro ausmachen. Offensichtlich beschränkt sich die Staatsanwaltschaft dabei auf die Fälle, in denen sie der Anklagten den Betrug relativ problemlos nachweisen kann.

Die Geschichte beginnt im Jahr 2012. Ümmügülsüm A., ausgebildete Steuerfachangestellte und Mutter von drei Kindern, wird bei dem Erkelenzer Verpackungsunternehmen angestellt. Sie soll sich um die Buchhaltung kümmern. Sie alleine bearbeitet diesen Aufgabenbereich in der Firma. Der Seniorchef ist zunächst zufrieden mit ihrer Arbeit. Obwohl Jahresabschlüsse mit großer Verspätung vorgelegt werden. Obwohl es dem Unternehmen finanziell immer schlechter geht. Der Unternehmer vertraut seiner Buchhalterin.

Zu diesem Zeitpunkt hat A. längst begonnen, in die eigene Tasche zu wirtschaften. So stellt es die Staatsanwaltschaft jedenfalls dar. Immer wieder überweist sie demnach Geld auf ihr eigenes Konto. Die Summen liegen meist zwischen 200 und 3000 Euro. Das fiel in der Firma niemandem auf. Warum nicht?

Der Juniorchef der Firma erklärt das so: Weil in dem computergestützten Überweisungssystem für die Firmenleitung nicht zu erkennen gewesen sei, auf welches Konto das Geld ging. Weil sich die Summen immer in dem Rahmen bewegt hätten, in dem sich die Lieferantenrechnungen üblicherweise bewegen. Weil sie geschickt vorgegangen sei und den Betrug verschleiert habe. Und weil sich Senior- und Juniorchef um die Ausrichtung des Unternehmens gekümmert hätten, nicht um einzelne Überweisungen.

Dem Unternehmen geht es derweil immer schlechter. In dieser Phase muss es Maschinen verkaufen, vier Mitarbeiter entlassen, obwohl die Eigentümerfamilie immer wieder Geld in die Firma steckt. Am Ende habe das Unternehmen am Rande der Pleite gestanden, sagt der Seniorchef. „Wahrscheinlich war das ihr Ziel. Wäre das Unternehmen in die Insolvenz gegangen, wäre das niemals aufgefallen“, sagt er.

Zwar habe man sich viele Gedanken gemacht, was in der Firma schief läuft. Aufgefallen sei der mutmaßliche Betrug jedoch eher durch einen Zufall. Als die Angeklagte krankgeschrieben ist, flattert dem Unternehmen eine Mahnung ins Haus. Der Juniorchef überprüft, warum der niederländische Lieferant sein Geld nicht bekommen hat. Dabei fällt ihm auf, dass die Rechnung laut Buchhaltung bezahlt ist. Aber auf ein deutsches Konto. Auf das Konto, auf das auch das Gehalt von Ümmügülsüm A. geht. Er durchforstet daraufhin alle Rechnungen und alle Zahlungen. Dabei wird das Ausmaß des Betrugs deutlich.

Und dann kommt die Kriminalpolizei ins Spiel. A.s Konto bei der Kreissparkasse Heinsberg wird gesperrt. Die Hausdurchsuchung findet aber erst am nächsten Morgen statt. Und dabei finden die Beamten kein Geld. Kaum Wertgegenstände. Keine Luxusartikel. „Sie hatte ja auch genügend Zeit, das Geld zu verstecken“, sagt der Seniorchef der Firma.

Wo das Geld ist, ist vollkommen offen. Landete es im Ausland oder im Friseursalon von A.s Ehemann? Das Gericht hat darauf bislang keine Antwort finden können.

Das Verpackungsunternehmen hat es finanziell zwischenzeitlich immerhin wieder auf die Beine geschafft. Ob es sein Geld jemals wiedersieht, erscheint aber sehr fraglich.

Der Prozess wird am Montag, 27. November, fortgesetzt. Dann wird auch ein Urteil erwartet.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert