Viele Hürden für Rollstuhlfahrer in Hückelhoven

Von: Helmut Wichlatz
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Norbert Voigt kennt die Gefahren des Straßenverkehrs. Wenn er sich mit dem Rolli auf die Straße wagt, ist Aufpassen angesagt. Foto: Wichlatz
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Für Fußgänger sind die Hürden in der Stadt meist kein Problem. Rollifahrer versuchen jedoch, unebene Strecken oder Treppen (links) zu meiden. Auch auf dem Bürgersteig ungünstig auftauchende Pfähle sind störend.

Hückelhoven. Die Stadt brummt, feiert und weihnachtet. Immer aktiv präsentiert sich Hückelhoven. Aber rollt die Stadt auch? Wie rollstuhltauglich ist die Hückelhovener Innenstadt? Dieser Frage ist ein Arbeitskreis der SPD gemeinsam mit Menschen nachgegangen, die wissen, wovon sie sprechen.

Denn sie verbringen wie Norbert Voigt ihr ganzes Leben in einem Rollstuhl oder ihren Lebensabend wie Maria Küffer und Heinrich Schwieger.

„Die Leute parken einem den Weg zu und denken sich nicht einmal was dabei“, erklärte Schwieger. Er ist mit 92 Jahren immer häufiger auf den Rollstuhl angewiesen. Und auf Helfer wie Heinz Maaßen vom Sozialen Dienst. Oft beginnen die Schwierigkeiten schon, wenn man das evangelische Altenzentrum verlässt. Denn der Bürgersteig an der Melanchtonstraße schneidet sich mit einem Radweg.

Dann geht es weiter über den Bürgersteig, der oftmals auch als Parkraum benutzt wird. Also ausweichen auf die Fahrbahn. Wenn da nur nicht die hohe Bordsteinkante wäre. Einmal geschafft stößt man auf dem Gehweg an der Dr.-Ruben-Straße auf das nächste Hindernis. Ein Verkehrsschild, das gut sichtbar mittig auf dem Weg steht. Links und rechts wird das Umzirkeln des Hindernisses zur Zielübung. „Da hat einer nicht lange genug nachgedacht“, sagt Voigt und nimmt es anscheinend mit Humor.

Die Sozialdemokraten Volkmar Gilleßen, Heinz Meißner, Jörg Leseberg, Sophie Heymes und Friedrich-Wilhelm Berger haben sich des Themas im Arbeitskreis Verkehr angenommen. Wichtig sei der direkte Austausch mit den Betroffenen, um zu erfahren, wo der Schuh drückt, betonte Gilleßen. Denn vieles, was dem Rollstuhlfahrer das Leben schwer machen kann, nehme man nicht einmal wahr.

Lose oder großflächig fehlende Gehwegplatten, riesige Pfützen oder abfallende Gehwege nehme man als Fußgänger nur am Rande und als ästhetisch störend wahr. Kopfsteinpflaster finde man zumeist „irgendwie schön“, nur auf Pumps sei es störend. Für den Rollstuhlfahrer kann Kopfsteinpflaster aber auf Dauer zur Tortur werden.

Den Sozialdemokraten geht es nach eigenem Bekunden um eine nachhaltige Verbesserung der Situation für Rollstuhlfahrer oder Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind. „Bei Straßensanierungen darf nicht nur auf die Teerdecke der Fahrbahn geachtet werden“, betont Leseberg. „Auch wenn man sparen muss, kann die Sanierung der Gehwege nicht vernachlässigt werden.“

Oftmals seien es Maßnahmen, die ohne großen finanziellen Aufwand durchgeführt werden können. Zum Beispiel bei Zierbüschen und Hecken, wie man sie an der Parkhausstraße vorfindet. Während jeder Fußgänger ohne Mühen über sie hinweg die Straßen einsehen kann, muss sich Voigt an der Querungsstelle langsam hinter der Hecke vortasten, die ihm neben den dort parkenden Fahrzeugen zusätzlich die Sicht versperrt.

Weiter über den Bürgersteig wird es schon einmal eng, wenn Passanten und die Warenauslagen der Geschäfte mit den Rollifahrern kollidieren. Dabei sei Hückelhoven schon weitaus rollstuhlfreundlicher als Erkelenz, wo er bis zu seinem Umzug gewohnt hat, betont Voigt. Vieles ließe sich ja auch aufgrund des Platzangebotes nicht vermeiden.

„Es fehlt an Respekt“

Doch da komme ein Umstand hinzu, den Städteplaner und Straßenbauer nicht beeinflussen können. „Es fehlt an Respekt“, weiß der 92-jährige Schwieger. Rollstuhlfahrer würden oftmals wie bewegliche Ziele beim 3D-Spiel behandelt. „Auch mit Busfahrern gibt es schon mal Ärger, wenn es ums Einsteigen geht“, ergänzt Maria Küffer. „Wir bereiten ihnen zu viel Arbeit.“ Die 90-jährige ist nicht mehr ohne Begleitung in der Stadt anzutreffen, während Norbert Voigt trotz seiner Behinderung rege am Leben teilnimmt und sich einbringt. Er hatte die Sozialdemokraten zu der Ortsbegehung eingeladen.

„Das Thema Barrierefreiheit ist noch nicht in allen Köpfen angekommen“, betont er. Auch der demografische Wandel sei ein Thema, das sich städteplanerisch auswirken müsse, findet Friedrich-Wilhelm Berger. So sei der Verkehr oftmals nicht mehr mit dem Sicherheitsbedürfnis der älteren Menschen in Einklang zu bringen. Eine Seniorin wurde in Hilfarth mit einem Bußgeld in Höhe von 25 Euro belegt, weil sie mit dem Rad auf dem Bürgersteig gefahren war. „Dabei hat sie sich angesichts des Verkehrs einfach nicht getraut, mit ihrem Rad auf der Straße zu fahren“, erklärt er.

Das Ergebnis der Begehung: Ein Zebrastreifen zur Straßenquerung an der Ecke Haagstraße/Dr.-Rubens-Straße wäre durchaus hilfreich, ebenso auf der Parkhofstraße. Die gewonnenen Eindrücke und Anregungen werden die Sozialdemokraten in ihre Ratsarbeit einbringen.

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