Viele Besucher bestaunen das alte Handwerk

Von: hewi
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Handwerk
Im Rahmen des Internationalen Museumstages demonstrieren die Profis im Korbmachermuseum in Hilfarth beim Weidenschälfest ihr ganzes Können. Foto: Koenigs

Hückelhoven-Hilfarth. Einst gab es zum Weidenschälen Schulferien, und jeder Hilfarther im Alter von sechs bis 80 Jahren war dabei. Heute gibt es ein Gewerbefest rund um Kirche und Kindergarten, bei dem sich das moderne Hilfarth mit seinen Dienstleistungen und Gewerken präsentiert.

Auf dem Hof des Korbmachermuseums drehte sich am gestrigen Internationalen Museumstag, an dem auch viele andere Museen des Kreises ihre Türen öffneten, alles um die gute alte Weide – und was man mit Geschick aus ihr machen kann.

„In meiner Jugend waren die Weidenstellplätze, die es überall im Ort gab, wahre Abenteuerspielplätze“, erinnert sich Hein Knur („Nicht verwandt oder verschwägert“). Im Winter hatte die Dorfjugend auch ihr eigenes Eisstadion. Im Februar wurden die Weiden geschnitten, die überall in und um Hilfarth herum angebaut wurden.

Belastbare Weidenstecken

Gesetzt wurden kleine Stöckchen der Weide nach dem Idealmaß „Dree op eene Klomp“, also drei Stöckchen, die mit einem Holzschuh mit einem Tritt in die weiche Erde gedrückt wurden. Daraus erwuchsen jeweils Weidenbüsche mit den begehrten und besonders belastbaren Weidenstecken. Diese wurden dann rund sechs Wochen in Wasser gestellt, bis sie fertig waren fürs Schälen. Und das Schälen war Knochenarbeit.

Von Hand mussten die einzelnen Weidenstecken durch die Weidenklemme („Strieb“) gezogen und geschält werden. Ab den 50er-Jahren wurde diese Arbeit von Maschinen übernommen. Das beschleunigte den Prozess erheblich. Die fast weißen Stecken wurden dann zu Körben und Möbeln verarbeitet.

Wer heute sehen will, wie einst gearbeitet wurde, der kann Friedel Fell in seiner Werkstatt besuchen. Dort zeigt der Ehrenvorsitzende des Vereins gerne jedem Interessierten, wie es geht. Bei Kindern und Jugendlichen sind seine Vorführungen sehr beliebt.

Im nächsten Jahr wollen die Aktiven des Museums neben dem U3-Kindergarten ein kleines Weidenfeld zu Demonstrationszwecken anlegen, erklärte Knur. Er selbst kam erst durch die Pensionierung zum Museum. Der ehemalige Postangestellte stammt aus einer Korbmacherfamilie, hat das Handwerk jedoch selbst nicht erlernt. Den heutigen Bedarf an Weidenstecken kaufen die Korbmacher für das Museum an.

Dort kann man auch eigene Korbmöbel zur Reparatur abgeben. Sie werden von Ricardo Becker fachgerecht aufgearbeitet. Der 26-Jährige ist Korbmachermeister, einer der wenigen, die es bundesweit noch gibt. Sein Handwerk hat er in Hilfarth bei den alten Korbmachern gelernt. Zur Schule und Ausbildung musste er aber nach Lichtenfels bei Nürnberg, wo es die einzige Berufsschule für Korbmacher in Deutschland gibt. „Da es nur noch wenige von uns gibt, werden wir sicher immer genug zu tun haben“, betonte Becker im Gespräch.

In ganz NRW gibt es noch rund 15 Betriebe, die dem Korbmacherhandwerk nachgehen. Dabei liegen Korbmöbel wegen ihrer Langlebigkeit wieder im Trend. „Aussterben wird das Handwerk sicher nicht“, ist sich Becker sicher. „Der Markt ist da.“

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