Viel Kreativität und Mut im Schultheaterstück gezeigt

Von: Anna Petra Thomas
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Nicht nur in der Schule, sondern auch in den Familien von Schülern spielte das Stück „Asi-Palme“, das an nur einem Schultag in der Alten Schule entstand. Foto: Anna Petra Thomas

Selfkant-Höngen. An einem einzigen Schultag ein ganzes Theaterstück auf die Bühne bringen, für das es am Beginn des Tages nur ein Stichwort gibt, das „Ausgrenzung“ lautet? Was ziemlich unrealistisch klingt, haben 30 Schüler der Jahrgangsstufe sieben der Gesamtschule Gangelt-Selfkant in der Alten Schule in Höngen geschafft, mit Unterstützung der professionellen Schauspieler vom mobilen Theater „Theaterspiel“ aus Witten.

Am Nachmittag desselben Tages schon spielten sie ihren Mitschülern das halbstündige Stück mit dem Titel „Asi-Palme“ in 13 kleinen Szenen vor.

Darin geht es zunächst um Chantal und Mandy. Sie wollen an ihrer Schule eine neue „Gang“ gründen, für die es anspruchsvolle Regeln gibt. Die Mitglieder dürfen nicht größer als 1,70 Meter sein, müssen ein Handy besitzen und dazu vor allem viel „Kohle“. Als Kleidung sind eine Jogginghose und ein oben auf dem Kopf zusammengebundener Pferdeschwanz, eine sogenannte Asi-Palme vorgeschrieben.

Mobbing und Schläge

Als ein neues Mädchen an die Schule kommt, wollen Chantal und Mandy es mit Hilfe ihrer „Gang“ wegmobben. „Du bist einfach anders. Dich können wir nicht gebrauchen!“, sagen sie ihr ins Gesicht. Und sie unterstellen ihr sogar, das Handy einer Mitschülerin gestohlen zu haben. Dabei weiß das Publikum aus einer Szene davor, dass dies einfach eine Behauptung der Mitschülerin ist, die ihr Handy tatsächlich selbst zu Hause zu Boden geworfen und damit zerstört hat.

Ein Mitschüler will der neuen Schülerin zu Hilfe eilen und wird von den „Fäusten“ der „Gang“ zusammengeschlagen. Wollten schon einige Schüler vorher nichts mehr wissen von der „Gang“ und fanden ihre Regeln blöd, werden es nach diesem Zwischenfall jetzt mehr und mehr.

Die Mädchen ziehen ihre Gummis aus den Haaren und legen ihre „Asi-Palmen“ ab. Plötzlich sind Chantal und Mandy ganz allein. Die Mitschüler tanzen in einer neuen „Gang“. Doch sie laden die beiden ein, mitzumachen. „Es ist egal, welche Klamotten Ihr habt, ob Ihr arm oder reich seid oder ob Ihr gar aus einem anderen Land kommt“, lautet die Devise.

In Kleingruppen hatten die Schüler zunächst die einzelnen Szenen geprobt für ihr eigenes Stück. Sie spielten in drei Familien der Schüler, ansonsten an verschiedenen Orten in der Schule. Bei der Theaterprobe lief noch nicht alles so glatt, vor allem beim Auf- und Abbau von Requisiten wie Tisch oder Stühlen. Das passte dann aber im Stück auch, weil alle kräftig anpackten.

Am Ende waren alle vollends begeistert. „Gut, dass wir es nicht auswendig lernen mussten, sondern selbst erfunden haben“, erklärte eine Schülerin stolz und sprach damit die positive Erfahrung auch vieler Mitschüler aus. Fast alle würden an einem solchen Theater-Workshop gleich noch einmal mitmachen, wenn es die Möglichkeit dazu gäbe.

„Ich würde es jetzt auch vor der Schule aufführen“, erklärte eine andere Schülerin. Viele der Darsteller würdigten auch die Authentizität der Darstellung. „Bei uns in der Klasse war das auch mal“, räumte nicht nur eine Schülerin im Abschlussgespräch ein. „Mir hat es gut gefallen. Solche Situationen gibt es tatsächlich an der Schule“, pflichtet ihr eine Schülerin aus dem Publikum bei.

Wie sehr es den Schülern gefallen hatte, zeigte auch, dass sie kleine Geschenke besorgt hatten für die Schauspieler, die sie unterstützt hatten, darüber hinaus aber auch für Brigitte Hocks vom Kreisjugendamt, das den Workshop ermöglicht hatte, und für Franz-Josef Stoffels vom Jugendtreff Alte Schule, wo das Theaterstück entstand und Uraufführung feierte.

Sie mache so etwas oft, räumte Beate Albrecht vom „Theaterspiel“ ein, aber so schnell habe sie ein so großes Stück noch nie auf die Bühne gestellt. Bewunderung fand sie auch für die jungen Darsteller selbst. Es erfordere enorm viel Mut, sich vor Leute hinzustellen, die man kenne. Alle hätten sich von Anfang an mit so viel Fantasie in die Arbeit eingebracht und tatsächlich eigentlich alles selbst gemacht. „Wir mussten nur ein bisschen strukturieren“, räumte sie ein.

Und vielleicht hat der Workshop ja schon jetzt für einige Schüler den Weg geebnet für den Ergänzungskurs „Darstellen und Gestalten“, den es im kommenden Schuljahr für die achte Klasse der Gesamtschule Gangelt-Selfkant geben wird.

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