Versuchter Mord an 62-Jähriger: Acht Jahre Gefängnis

Von: Helmut Wichlatz
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Hückelhoven/Mönchengladbach. Vor der großen Strafkammer des Landgerichts Mönchengladbach ging der Prozess gegen einen 69-jährigen wegen versuchten heimtückischen Mordes zu Ende. Acht Jahre lang muss der pensionierte Vorstandsfahrer Gerhard W. hinter Gittern.

Das Urteil nahm er emotionslos hin, wie er schon zuvor der Verhandlung gefolgt war. Selbst nach einem missglückten Selbstmordversuch an den Rollstuhl gefesselt, hatte er der Verhandlung regungslos beigewohnt. Immerhin hatte er sich im Schlusswort direkt bei seinem Opfer entschuldigt. Die 62-jährige Hückelhovenerin hatte die Messerattacke überlebt und leidet noch heute an den Folgen der Tat, die sich am 25. Januar in ihrer Wohnung an der Rheinstraße ereignet hatte.

Dort hatte der Angeklagte seinem Opfer aufgelauert und sich unter dem Vorwand, er müsse noch eine Jacke aus ihrer Wohnung holen, Zutritt verschafft. Kaum hatte er die Wohnung betreten, zog er ein langes Küchenmesser und stach 17 Mal auf sein Opfer ein.

Als das immer noch nicht reichte, hatte er versucht, die am Boden liegende Frau mit einer Jacke zu ersticken, bevor er vom Tatort floh und mit seinem Wagen nach Neuss-Reuschenberg fuhr. Dort stürzte er sich aus dem siebten Stock seines Wohnhauses.

Die Polizei, die nach Zeugenaussagen die Fahndung nach ihm ausgerufen hatte, fand ihn vor dem Haus liegend vor. Kennengelernt hatten sich er und sein Opfer Katharina H. im Mai 2012 beim Tanz. Doch die Beziehung wurde von H. um Weihnachten 2012 beendet, da W. zu sehr „geklammert“ habe, wie sie in ihren vorherigen Aussagen erklärt hatte. Darauf folgten Anrufe und Textnachrichten am laufend en Band, bis es letztendlich zu der Bluttat kam. Nachdem er auf sie eingestochen hatte und geflüchtet war, fand ein Nachbar die Verletzte und alarmierte Polizei und Rettungsdienst.

Der Verteidiger des Angeklagten wertete die Tatsache, dass er die Tatwaffe am Tatort zurückließ, als „strafbefreienden Rücktritt“. Dieser Ansicht folgten weder Richter Lothar Beckers noch Staatsanwältin Cordula Guddat.

Vielmehr habe der Angeklagte dem Opfer in heimtückischer Absicht aufgelauert und in Tötungsabsicht dessen Wohnung betreten. Zuvor hatte H. das „glückliche Lächeln“ auf W.s Gesicht beschrieben, während er zugestochen hatte.

Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigte dem Angeklagten, in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen zu sein. An die Tat selbst konnte oder wollte er sich nicht mehr erinnern, weshalb er auch während des Prozesses zu den Vorwürfen beharrlich geschwiegen hatte. Das Opfer leidet noch immer an den Folgen der Messerattacke.

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