Wegberg - Versteigerung: Nur die Maske findet keinen Abnehmer

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Versteigerung: Nur die Maske findet keinen Abnehmer

Von: Monika Baltes
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„Mit ganz viel Herzblut und Leidenschaft.“ So beschreibt Claudia Gisbertz die Art und Weise, mit der Auktionator Heinz Krämer ans Werk geht. Er versteigert in Wegberg allerlei Fundaschen. Foto: Monika Baltes
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Fahrräder sind der Renner bei der Versteigerung. Es sind gut erhaltene und einigermaßen ramponierte Drahtesel dabei. Foto: Monika Baltes

Wegberg. Mit kritischem Blick schlendert er an 25 aufgereihten Fahrrädern neben dem Eingang des Wegberger Rathauses vorbei. Einmal im Jahr wird aus dem Rathaus ein „Radhaus“, immer dann, wenn die Fundsachenversteigerung ansteht.

Ganz passable Räder sind dabei, aber auch alte Schätzchen der Sorte „Bastlerglück“. Sorgsam notiert er Versteigerungsnummern und setzt energisch eine Zahl dahinter. Sie markiert den Höchstbetrag, den er ausgeben will.

Theo ist gut vorbereitet. Er sucht ein Fahrrad für seine Tochter Jessica, die in Münster studiert. 25 Fahrräder, Fahrradschlösser und ein Cityroller, ein Stativ und ein paar Rucksäcke, Geldbörsen und ein Damenkleid – alles, was im Fundbüro Wegberg länger als ein halbes Jahr aufbewahrt worden ist, kommt an diesem Tag unter den Hammer.

Schon eine Stunde vor Beginn der Auktion schauen sich die Interessenten neugierig um. Hier will keiner die Katze im Sack kaufen. Heinz Krämer, der inzwischen pensionierte Vollstreckungsbeamte der Stadt Wegberg, wird den Hammer zu schwingen. „Mit ganz viel Herzblut und Leidenschaft“, sagt Claudia Gisbertz vom Fachbereich Bürgerservice und Sicherheit, die gerade die Kasse in Position bringt.

Es sei ein ganz normales Jahr gewesen, keine besonderen Vorkommnisse bei den Fundsachen. Und das, obwohl an der Wand eine ziemlich bunte, furchterregende Maske lehnt? Und wer bitte verliert denn ein Damenkleid? Claudia Gisbertz lacht und zuckt mit den Schultern.

Gut gelaunt und bestens bei Stimme tritt Auktionator in Aktion. Er muss das Publikum nicht lange bitten, viele haben – wie Theo – eine feste Vorstellung und einen Favoriten.

Oft ist sie ganz schnell vorbei, die Versteigerung. Preis, Gebot, Zuschlag. Fahrrad um Fahrrad geht weg, auch Theo schiebt ein Fahrrad vorsichtig durch die Menge. Ein Lächeln huscht über das Gesicht des Auktionators, wenn die Bieter anfangen, sich einen „Schatz abzujagen“.

Dann ist Heinz Krämer in seinem Element. Versucht, die Regungen im Pokerface seines Publikums zu deuten, beobachtet genau, wer vor Anspannung zapplig wird, kitzelt hier und da noch einen Euro mehr heraus. Greift als letztes Mittel zum „billigen Jakob“. Und stopft in den Rucksack, den zunächst keiner haben will, allerlei Kleinteile hinein, das Damenkleid und einen wunderbaren Hut. Eine „Überraschungstüte“ für einen Euro wechselt den Besitzer.

Und die Maske? Preist Heinz Krämer als „Maske der Wahrheit“ an. „Wer seinen Finger in den großen Mund legt und gelogen hat, dem wird der Finger abgebissen.“ Dennoch – oder gerade deshalb – findet sich kein Käufer. Sie bleibt das einzige unverkaufte Teil und wandert durch ein Fenster, das sich wie von Zauberhand öffnet, zurück ins Rathaus.

125 Euro ist der höchste erzielte Einzelbetrag, ein Euro der niedrigste. Das Geld wird auf das Konto der Stadtkasse eingezahlt. Jetzt ist im Fundbüro wieder Platz für neue Fundsachen. Hauptsaison ist hier – wie könnte es in der Stadt des „Winterzaubers“ anders sein – der Winter. Wenn die Eisbahn vor dem Rathaus steht, türmen sich im Fundbüro Schals, Mützen und Handschuhe. Wer sie verloren hat, sollte sich mit der Nachfrage beeilen, rät Claudia Gisbertz. Denn die Sachen seien meist nass und wenn sie anfangen zu müffeln, werden sie entsorgt.

„Die Leute sind ehrlicher als man denkt“, sagt sie und wundert sich ein bisschen, dass viele gar nicht auf die Idee kommen, im Fundbüro nachzufragen. Kinder bringen manchmal auch kleine und wertlose Dinge ins Fundbüro. Dann scheut hier niemand die Arbeit eine ordentliche Fundsachenaufnahme mit sämtlichem Papierkram zu erstellen. „Das gebietet der Respekt vor den Kindern, die alles richtig gemacht haben.“

Eine Fundsachenversteigerung wie in Wegberg ist zur Rarität geworden. Viele Kommunen sind längst auf die kostengünstigere Internetversteigerung umgestiegen. „Wenn der Heinz mal den Hammer an den Nagel hängt, werden wir das wohl auch machen“, sagt Claudia Gisbertz. Denn einen wie Heinz Krämer findet man nicht so leicht – nicht einmal im Fundbüro.

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