Versorger wehren sich: Trinkwasser in „perfektem“ Zustand

Von: Rainer Herwartz
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Vertreter der Wasserwerke und der Landwirtschaftskammer behaupten, die Bürger würden unnötig verunsichert. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Es müsse endlich einmal mit der Verunsicherung der Bevölkerung ein Ende haben. Darin sind sich die Wasserversorger im Kreis Heinsberg und der Vertreter der Landwirtschaftskammer NRW im exklusiven Gespräch mit unserer Zeitung einig.

Mehrfach im Jahr gebe es Publikationen, die den Eindruck erweckten, dass der Nitratgehalt im Grundwasser des Kreises Heinsberg den zulässigen Höchstwert teilweise deutlich übersteige, sagt Jakob Gerards, Chef der Stadtwerke Heinsberg. Erst kürzlich habe ein Wert von 235 Milligramm pro Liter die Runde gemacht, der aus einer Veröffentlichung des Umweltministeriums NRW aus dem Jahr 2014 stammte.

„Wenn auch das Ministerium einräumt, dass es sich dabei nicht um einen errechneten Jahresdurchschnitt an Nitratbelastung handelt, sondern um gemessene Spitzenwerte im Kreis Heinsberg, so sind diese Informationen doch geeignet, zu einer unnötigen Verunsicherung der Bevölkerung beizutragen.“

Ebenso trage das Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz nicht gerade zur Beruhigung der Verbraucher bei. In Heinsberg sei im Erhebungszeitraum von 2010 bis 2013 an 86 von 192 Stationen (44,8 Prozent) ein guter Nitratwert von unter 25 Milligramm pro Liter festgestellt, an mehr als einem Drittel der Prüfstellen aber die Obergrenze von 50 Milligramm pro Liter überschritten worden. Trotz dieser Zahlen macht Gerards unmissverständlich klar: „Unser Trinkwasser ist, was das Nitrat angeht, perfekt.“ Und das gelte auch für die übrigen Kommunen im Kreis.

„50 Milligramm pro Liter ist der gesetzlich festgelegte Grenzwert für Trinkwasser. Wir liegen hier in Heinsberg bei 3 Milligramm“, sagt Gerards. Damit sei das Trinkwasser auch für Säuglinge, deren Wasser nicht mehr als 10 Milligramm pro Liter aufweisen soll, bestens geeignet. Für pflanzliche Erzeugnisse existieren abgesehen von Säuglings- oder Diätnahrung mit 250 Milligramm pro Kilo nur für zwei Gemüsearten verbindliche Höchstwerte: Kopfsalat mit 2500 bis 4500 Milligramm pro Kilo und Spinat mit 2000 bis 2500 Milligramm pro Kilo.

„Wir versuchen in der Region, immer das Wasser mit der besten Qualität zu fördern“, erklärt Michael Leonards, Geschäftsführer des Kreiswasserwerks Heinsberg. „Das finden wir meistens in tieferen Lagen. Diese können je nach geologischen Voraussetzungen schon bei 60 Metern beginnen oder erst bei 120 Metern.“

Alle im Kreisgebiet ansässigen Wasserversorger förderten das kühle Nass aus Brunnen. Die unterschiedlichen Nitratkonzentrationen würden gemischt. Durch das Verbandswasserwerk Gangelt würden demnach 3,5 Millionen Liter Wasser im Jahr gefördert, in Heinsberg 2,2 Millionen, in Waldfeucht 0,5 Millionen und das Kreiswasserwerk bringe 6 Millionen Liter Wasser ans Licht.

Verharmlosen möchte Leonards die Sache mit dem Nitrat dennoch nicht. Auch die übrigen Wasserversorger können die Besorgnis in der Bevölkerung verstehen. „Nitrat kann sich unter bestimmten Einflüssen, zum Beispiel durch Bakterien, in Nitrosamine umwandeln, und der Stoff steht im Verdacht, krebserregend zu sein.“

Für nicht wenige Menschen wird es in diesem Zusammenhang geradezu ein Kuriosum sein, was da Hans-Josef Rulands, der Geschäftsführer des Verbandswasserwerks Gangelt in die Diskussion einbringt. Unsere Brunnen in waldreichen Gegenden weisen einen höheren Nitratgehalt auf als solche, die in landwirtschaftlichen Zonen liegen.“

Theo Lemm von der Landwirtschaftskammer NRW hat da auch schon eine Erklärung parat. „Nitrat wird dort durch die Humusbildung freigesetzt. Es wird ja hier nicht geerntet. Laub fällt und dringt in den Boden ein.“ Und Leonards ergänzt: „Es ist ein Irrglauben zu denken, wenn ich die Landwirtschaft einstelle, habe ich in zehn Jahren kein Nitrat mehr.“

Es gehe vielmehr darum, durch den Anbau von Zwischenfrüchten eine möglichst lange Vegetationsphase auch über Winter zu erreichen, um Auswaschungen zu vermeiden, erläutert Lemm. Durch Senf, Ölrettich oder Facelia werde dem Boden so zum Beispiel Nitrat entzogen. „Wir haben hier einen Hochertragsstandort für Zuckerrüben, Getreide und Mais.“

Tiefwurzeler wie Zuckerrüben entzögen dem Boden viel Nitrat, bräuchten jedoch umgekehrt auch mehr Düngung. „Aber zu viel gedüngt bedeutet zu viel Nitrat im Zucker, was der Konsument nicht will und die Zuckerfabrik tadelt.“ In Form von ausbleibender Bonuszahlungen. Deshalb liege es schon im eigenen Interesse der Landwirte, hier umweltbewusst zu agieren. 330 Betriebe würden im Kreis mit den Wasserversorgern kooperieren. „Alleine im Herbst werden da 500 Proben gezogen, die bis auf 90 cm in den Boden hineingehen, um den Reststickstoff zu ermitteln.“

Leonards bewertet die Zusammenarbeit mit den Landwirten als sehr gut. Und als Beispiel erwähnt er noch: „Durch vertrauensbildende Maßnahmen wird zu rund 90 Prozent jetzt im Frühjahr statt im Herbst gepflügt oder gleich ganz darauf verzichtet, um eine Freisetzung von Stickstoff und ein Auswaschen zu verhindern.“

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