Vermisste Dorota: Fall soll nicht in Schublade verschwinden

Von: Daniel Gerhards
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Seit Oktober wird Dorota Galuszka-Granieczny vermisst. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen auf Eis gelegt. Aber es gibt Menschen, die der Fall nicht loslässt. Sie veranstalten ein Benefizkonzert. Foto: Gerhards

Selfkant/Heinsberg. Was am Abend des 18. Oktober 2016 geschah, ist immer noch vollkommen offen. Wurde in Süsterseel ein Mord verübt, oder hat Dorota Galuszka-Granieczny, damals 29 Jahre alt, alle Zelte abgebrochen und ist einfach gegangen?

Eines ist klar: Bis heute fehlt jede Spur von der Frau. Alle Versuche der Polizei, sie tot oder lebendig zu finden, sind fehlgeschlagen. Im März schloss die Staatsanwaltschaft die Akten – zumindest so lange keine neuen Hinweise kommen. Die Mordkommission wurde aufgelöst.

Es gibt aber Menschen, die der Fall Dorota nicht loslässt. Einer von ihnen ist Johanna Balla. Sie will, dass die Suche nach Dorota Galuszka-Granieczny weitergeht. Deshalb hat sie mit einer Gruppe von rund zehn Leuten, die genau wie Dorota alle polnische Wurzeln haben, ein Konzert organisiert. Der Erlös soll an die Familie der Vermissten gehen, damit sie die weitere Suche finanzieren kann.

Dabei sind bereits viele Versuche unternommen worden, Dorota – oder ihre Leiche – zu finden. Im November durchkämmte die Polizei mit einem Großaufgebot ein Waldstück zwischen Tüddern und Süsterseel, die Ermittler setzten auch Taucher ein und ließen Spürhunde auf einem Boot über die Seen in diesem Waldstück fahren.

Einige Wochen später verlagerten die Behörden ihre Suche in die nahen Niederlande. Auch in einem Kalksteinwerk, das in einem Waldstück bei Koningsbosch liegt, fanden die Beamten nichts. Weil die Ermittler auch nach Monaten keine Spur hatten, kamen die Ermittlungen zum Stillstand.

Johanna Balla und ihre polnischen Bekannten suchten auch auf eigene Faust. Sie riefen zum Beispiel dazu auf, das Unterholz mehrerer Waldstücke bei Süsterseel zu durchkämmen. Anfangs noch mit der Hoffnung, sie lebend zu finden. Aber der Glaube daran, dass sie noch lebt, schwand immer mehr. „Lebendig finden wir sie bestimmt nicht mehr. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Johanna Balla, die in Waldfeucht-Haaren lebt.

In diesem Fall ist bereits ein Privatdetektiv eingeschaltet worden. Mehrere Hellseher versuchten, Licht ins Dunkel zu bringen. Einer erklärte einem Privatsender, dass er ziemlich genau wisse, wo sich die Leiche der Frau befinde. „Im Wegberger Wald“, sagte er mit Überzeugung in die TV-Kamera. Diesen Hinweis griffen die Ermittlungsbehörden übrigens nicht auf.

Bemerkenswert ist, dass sehr rasch nach dem Verschwinden der Frau eine Mordkommission eingerichtet wurde. Öffentlich bekannt war zu dieser Zeit nur die Version des Ehemannes: Dorota Galuszka-Granieczny habe das Haus, in dem sie mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn wohnte, am 18. Oktober um 23 Uhr verlassen. An dem Abend soll sie hochhackige Schuhe und eine Lederjacke getragen haben. Kind und Handy habe sie zurückgelassen.

Wenige Tage später nahm die Mordkommission die Arbeit auf. Die Ermittler hatten den Ehemann als Hauptverdächtigen im Visier. Nachweisen konnten sie ihm nichts. Vielleicht waren sie aber auch von Anfang an auf der völlig falschen Spur. Auch das ist vollkommen offen.

Beinahe sieben Monate nach diesem Abend, um den sich alle Ermittlungen und Spekulationen drehten, sagt Johanna Balla, dass sie noch immer fest daran glaube, dass Dorota umgebracht wurde. „So ein junger Mensch verschwindet nicht einfach so. Sie geht nicht einfach weg und lässt ihr Kind zurück“, sagt sie. Gekannt habe sie Dorota Galuszka-Granieczny übrigens nicht. Auch die anderen Leute aus der Gruppe, die nach der Leiche suchte, habe keinen Kontakt zu ihr gehabt.

Aber man wolle trotzdem helfen. Dorotas Familie lebe zu weit weg. Die Schwester in Bayern, der Rest in Polen. Der Vater sei kürzlich gestorben. „Wir müssen etwas machen“, sagt Johanna Balla, die in engem Kontakt zur Familie von Dorota stehe.

Wofür das Geld, das bei dem Benefizkonzert herumkommen soll, genau eingesetzt werden soll, möchte Balla nicht sagen. Bei der Polizei würde man sagen, dass sie aus ermittlungstaktischen Gründen schweigt. Aber sie verspricht, dass es für die Suche eingesetzt werden soll. „Die Polizei hat aufgehört zu ermitteln. Aber wir wollen es weiter versuchen. Wir wollen nicht, dass die Sache in irgendeiner Schublade verschwindet“, sagt Johanna Balla.

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