Verlorene Heimat: Virtuelles Museum wird nun eingerichtet

Von: Helmut Wichlatz
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Wird den ersten virtuellen Museumsraum füllen: Keyenberg, das den Braunkohlebaggern zum Opfer fallen wird.
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Engagiert: die Macher und Sponsoren des virtuellen Heimatmuseums.

Erkelenz. Der Heimatverein der Erkelenzer Lande plant ein „Virtuelles Museum der verlorenen Heimat“. Seit zwei Jahren läuft die Vorbereitungs- und Planungsphase des bislang größten Projektes der Vereinsgeschichte.

Der erste virtuelle Raum des Museums wird nun eingerichtet. Er ist dem Ort Keyenberg und den anderen Ortschaften gewidmet, die dem Tagebau weichen müssen. Nach und nach sollen zuerst die vom Tagebau betroffenen und dann auch die restlichen Erkelenzer Ortschaften in dem Museum dargestellt werden.

Die Erforschung des Museums erfolgt interaktiv. Der Besucher kann sich in dem Ort umschauen und sich auch mit Panoramaaufnahmen und steuerbaren 360-Grad-Filmen ein genaues Bild machen. Zum Beispiel von der Keyenberger Kirche, die so interaktiv erkundet werden kann. Bei interessanten Punkten sind Informationen hinterlegt, die per Klick aufgerufen werden können.

Wichtig ist den Mitarbeitern des Arbeitskreises, dass das virtuelle Museum mit allen gängigen Endgeräten betreten werden kann. Die Qualität und das Erlebnis sollen bei Tablet, PC oder Smartphone gleichermaßen gut sein, erklärt Elmar Bransch von der Heinsberger Agentur Minkenberg Medien. „Wir wollen die Besucher emotional ansprechen und sie zugleich wissenschaftlich fundiert informieren.“ Dies erfordere zwei unterschiedliche Herangehensweisen, die jedoch miteinander verzahnt werden müssen.

Die Agentur ist mit ins Boot geholt worden, damit Konzeption und Planung den Ansprüchen auch gerecht werden. Gemeinsam mit Wolfgang Lothmann, Heike Vogt und Bernd Finken erstellten die Medienprofis eine tragfähige Konzeption. Zu den Sponsoren zählt auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR), der eine Anschubfinanzierung in Höhe von 50 000 Euro leistet und die Daten auf seiner Online-Plattform kuladig.de archiviert.

In der zurückliegenden zweijährigen Konzeptionszeit sind bereits erste Inhalte entwickelt worden. Zum Jahresende hin sollen erste „Blicke durch das Schlüsselloch“ möglich sein, erklärt Günther Merkens. Der Vorsitzende des Heimatvereins ist sich der Tatsache bewusst, dass der Verein mit dem virtuellen Museum Neuland betritt. „Ein solches Projekt macht man nicht am Küchentisch“, betont er.

Umso wichtiger ist daher die wissenschaftliche Begleitung. Hier kommt wieder der Mannheimer Historiker Prof. Dr. Hiram Kümper ins Spiel, der bereits maßgeblich an der Neuübersetzung und Veröffentlichung der Bauxchronik beteiligt war. Er sieht in dem Projekt auch eine nachhaltige Form der Archivierung für die Nachwelt. „Das Projekt hat Vorbildcharakter für andere“, ist er sich sicher. „Das Konzept basiert auf der Idee, dass die Besucher auch abseits der vorgegebenen inhaltlichen Stränge Geschichten und Geschichte entdecken können.“

Ein wichtiger Bestandteil sind die Aussagen und Erinnerungen von Zeitzeugen. Diese werden von Kümper und seinem studentischen Team sowie Mitgliedern des Arbeitskreises befragt. Zu den Unterstützern des Projektes gehört auch die Kreissparkasse. Der scheidende Vorstandsvorsitzende Thomas Pennartz räumt anfängliche Skepsis ein, als Merkens mit der Idee des Museums bei ihm vorstellig wurde. „Das virtuelle Museum ist eine innovative und nachhaltige Lösung mit überschaubaren Folgekosten“, betont er. Die Sparkasse ist zuerst mit einem fünfstelligen Betrag dabei und wirbt auch bei ihren Unternehmenskunden für die Museumsidee.

Billig wird es nicht, bevor der erste virtuelle Rundgang beginnen kann. Mit rund 250.000 Euro Kosten wird gerechnet. Elmar Knieps vom Landschaftsverband sieht in dem Projekt eine große Chance und zugleich Herausforderung für den Heimatverein. „Derzeit wird analoges Wissen zunehmend digitalisiert, um es für die Nachwelt zu erhalten“, erläutert er. Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor rund zehn Jahren sei „die Initialzündung für die umfassende Bestandsaufnahme und Digitalisierung“ gewesen. Dabei soll diese dem herkömmlichen Museum jedoch keine Konkurrenz machen.

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