Verkaufsoffene Sonntage sind Erlebnis und Kulturersatz

Von: Rainer Herwartz
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Der Heinsberger Buuremaat hat sich passend zum verkaufsoffenen Sonntag als Publikumsmagnet erwiesen und wurde daher bereits mehrfach wiederholt. Foto: Anna Petra Thomas
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Guenter Kleinen organisiert auch den thematische Rahmen der verkaufsoffenen Sonntage in Heinsberg. Foto: Herwartz

Heinsberg. Haben es die Heinsberger schon geahnt? Das Bundesverwaltungsgericht stellt die verkaufsoffenen Sonntage auf den Prüfstand. An vier Sonntagen im Jahr dürfen laut Regelwerk die Geschäfte geöffnet werden. Nicht jedoch ohne konkreten Anlass wie einen Markt, Messen oder Stadtfeste.

Das Gericht hat zudem erklärt, dass der Besucherstrom zu diesem jeweiligen Anlass für sich genommen schon so groß sein muss, dass er „die zu erwartende Zahl der Ladenbesucher übersteigt“. Eine Gewerkschaft in Bayern war zur Klarstellung vor den Kadi gezogen. Könnte das denn nun auch die Heinsberger Gewerbetreibenden in Bedrängnis bringen?

„Das sehe ich nicht, da wir uns schon seit Jahren auch auf Geheiß der Stadt mit den verkaufsoffenen Sonntagen an thematisch fixierte Anlässe binden“, sagt Guenter Kleinen, seit 2002 Beauftragter des Gewerbe- und Verkehrsvereins für Stadtmarketing. Die notwendige Besucherzahl werde definitiv erreicht, meint Kleinen. „Das ist der Fall, weil wir den Event-Charakter auf die Innenstadt ausweiten. Wenn wir also vom Sommerboulevard oder Buuremaat sprechen, sind die kulturellen Highlights der Anziehungsfaktor für sich. Aus der Erfahrung heraus wissen wir aber, dass die Besucher, die in die Stadt kommen, gerne die Gelegenheit nutzen zu einem entspannten Einkauf. Schon vor rund zehn Jahren haben wir auch die beiden sogenannten stillen verkaufsoffenen Sonntage im Frühjahr und im Winter auf Bitten der Stadt Heinsberg, die hier wohl die Tendenz der Entwicklung abgesehen hat, mit attraktiven Themen und Inhalten versehen.“

Das Prozedere laufe stets nach dem selben Muster ab, so Kleinen. „Die Themen, die vom Stadtmarketing vorgelegt werden und teilweise auch vom Vorstand des Gewerbe- und Verkehrsvereins kommen, werden in der für Mitglieder offenen Jourfix-Runde besprochen und abgesegnet.“ Im Laufe der Jahre sei auf diese Weise rund ein Dutzend unterschiedlicher Veranstaltungskonzepte zusammengekommen. „Einige von ihnen bewährten sich derart, dass sie häufiger wiederholt wurden wie zum Beispiel besagter Buuremaat oder City-Confetti.“

Die Arbeit für den Stadtmarketingbeauftragten und Eventorganisator Kleinen ist jedoch nicht einfacher geworden. „Während die Besucherresonanz eindeutig ist und immer noch zunimmt, wird es auf der anderen Seite immer schwieriger, größere Unternehmen des Mittelstands zu gewinnen, um mit einem Sponsoring eine wirkungsvolle Außendarstellung und entsprechende Programminhalte auf den Weg zu bringen.“ An den Stadtfestwochenenden besuchten in der Regel über 30 000 Gäste die Stadt, sagt Kleinen. „Sie kommen auch aus dem Kreis Düren und der Städteregion Aachen oder vom Niederrhein, abgesehen natürlich von unseren holländischen und belgischen Besuchern.“

Alle dürfen sich schon auf das nächste Jahr freuen. „Highlight wird dann das große Stadtfest im September sein“, verspricht Kleinen, „bei dem wir die Lebenshilfe zu ihrem 50-jährigen Jubiläum, und damit die Inklusion mit ins Boot holen. Das Lebenshilfejubiläum wird das dreitägige Festprogramm zwischen Marktplatz und Oberstadt prägen.“

Bei der Begeisterung, die Organisator Kleinen auch nach den vielen Jahren noch an den Tag legt, drängt sich beinahe schon die Frage auf, ob es seiner Ansicht nach nicht vielleicht noch mehr verkaufsoffene Sonntage mit ähnlichem Konzept geben sollte. „Shopping ist heute vielfach Kulturersatz“, sagt Guenter Kleinen, „das heißt, man verbindet es mit einem Erlebnischarakter. Von daher käme es sicher Vielen entgegen, wenn die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage ausgeweitet würde. Das sieht man unter anderem an unserer Nachbarstadt Brüggen, die jeden Sonntag geöffnet hat.“

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