Mönchengladbach/Erkelenz - Vergewaltigungsvorwurf nach Disco-Besuch in Erkelenz

Vergewaltigungsvorwurf nach Disco-Besuch in Erkelenz

Von: dmd
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Said C. muss sich wegen Vergewaltigung verantworten.

Mönchengladbach/Erkelenz. Einem Asylbewerber marokkanischer Abstammung werden vor dem Mönchengladbacher Amtsgericht Vergewaltigung, Diebstahl und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Der Tatort ist Erkelenz, der Tatzeitpunkt der 21. November letzten Jahres.

Said C. sitzt mit der Kapuze tief ins Gesicht gezogen im Gerichtssaal. Er trägt einen Parka. Eine Dolmetscherin übersetzt ihm den Prozessverlauf. Er sei von einem einvernehmlichen Akt ausgegangen, gibt seine Verteidigerin kund.

Der Fall wirft im Verlauf des Prozesses Fragen auf: Erinnerungslücken des Opfers und starker Alkoholkonsum am besagten Abend erschweren die Rekonstruktion des Tathergangs, Videoaufzeichnungen, die Aufschluss über die Begegnung zwischen Täter und Opfer an der Disco geben könnten, sind nicht greifbar, da zum Tatzeitpunkt die Festplatte defekt war.

Said C., 31 Jahre alt, befindet sich derzeit in Haft, er lebte zum Tatzeitpunkt in einer Flüchtlingsunterkunft in Lövenich. Die Anwältin verliest eine Stellungnahme: Er habe Claudia S. – der Name ist von der Redaktion geändert – in der Nacht vom 20. auf den 21. November 2015 in der Diskothek Auditorium kennengelernt. Sie habe ihm ein Getränk ausgegeben, er ihr angeboten, sie nach Hause zu begleiten.

Auf dem Fußweg habe sie ihm ihre Geldbörse und ihr Handy gegeben und ihm Avancen gemacht. Er sei davon ausgegangen, dass der folgende Sexualakt einvernehmlich war. Im Rahmen der Polizeivernehmung habe er sich vollkommen ungerechtfertigt behandelt gefühlt, es könne sein, dass er die Hand erhoben habe, wollte aber angeblich keine Gewalt gegen einen Beamten ausüben.

Die Polizei stellte in der Vernehmung 0,2 Gramm Marihuana sicher. Der Angeklagte räumt ein, eine große Menge Medikamente zu sich zu nehmen, aber nicht süchtig zu sein.

Claudia S. kann sich nicht an den Mann in der Diskothek erinnern. Sie hatte sich an diesem Abend mit Freunden getroffen und war mit diesen schließlich im Auditorium gelandet. Wann sie nach Hause aufbrach, weiß sie nicht mehr. Die Erinnerungen an den Abend setzen offenbar erst wieder mit der Tat ein. Claudia S. hatte erhebliche Mengen Alkohol getrunken – Stunden nach den Geschehnissen wird ein Promillewert von 1,8 gemessen.

Auf dem Nachhauseweg fühlte sie sich verfolgt, als plötzlich jemand von hinten ihren linken Arm ergriffen, sie fixiert und sexuelle Handlungen verübt habe. Sie habe sich gewehrt, in dem Gerangel seien ihr die Geldbörse und das Handy entwendet worden. Die Insassen eines vorbeifahrenden Autos wurden auf die Situation aufmerksam. Said C. sei geflohen. Zwei Männer riefen die Polizei und begleiteten Claudia S. auf die Wache.

Auf die Frage der Richterin, wie es ihr jetzt gehe, erklärt sie, sie nehme Antidepressiva und angstlösende Medikamente, habe Angst vor Menschenansammlungen, ihre leitende berufliche Tätigkeit musste sie abgeben, sie mache eine Psychotherapie. In sich gesunken sitzt sie auf dem Zeugenstuhl, hält ein kleines Stofftier fest in der Hand, bricht wiederholt in Tränen aus.

Noch in der besagten Nacht griff ein Polizeibeamter Said C. an der Bahnunterführung Mühlenstraße auf. Der Polizist führte einen Spürhund mit sich, der die Geldbörse und das Mobiltelefon in der näheren Umgebung fand.

Zwei Zeugen aus dem Umfeld der Diskothek sagen aus, Claudia S. und Said C. an dem Abend gesehen zu haben. Beide gehören einem Sicherheitsdienst an, arbeiten im Auditorium als Türsteher. Said C. habe die junge Frau belästigt, sei ihr hinterhergelaufen, der Türsteher habe den Angeklagten verwarnt. Ein zweiter Türsteher sagt aus, dass die junge Frau auf dem Parkplatz von Said C. bedrängt worden sei.

Auf Nachfrage, ob sie Hilfe benötige, habe sie dies jedoch verneint. Claudia S. sei darauf alleine weggegangen. Die Diskothek habe zu diesem Zeitpunkt geschlossen. Dieser Punkt wirft bei der Verteidigung Fragen auf, da die Diskothek nach vorheriger Zeugenaussage gewöhnlich zwischen vier und fünf Uhr schließe, der Tatzeitpunkt aber zwei Stunden vorher lag.

Die wichtigsten Zeugen, die Claudia S. in der Nacht zu Hilfe gekommen sind, fehlen. Der Fall wird weiter verhandelt.

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