Vereinsgründung im Weltkrieg: 1916 kickten die Effelder trotz Verbots

Von: Anna Petra Thomas
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1921 hatte der SV Adler 1916 Effeld bereits zwei Mannschaften. Im selben Jahr schloss sich der Fußballverein dem Westdeutschen Spielverband an und trug innerhalb des heutigen Sportkreises Heinsberg Meisterschaftsspiele aus. Repro: Anna Petra Thomas

Wassenberg-Effeld. „Stellen Sie sich das mal vor, das war mitten im Ersten Weltkrieg!“ Erstaunlich ist das Gründungsjahr heute nicht nur für Erwin Staas, Schirmherr der Jubiläumsfeierlichkeiten, anlässlich des 100-jährigen Bestehens des im Fußball aktiven Sportvereins (SV) Adler Effeld. Während andernorts bereits in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts Fußballvereine gegründet worden waren, sollten in Effeld bis 1916 noch einige Jahre ins Land gehen.

„Effeld, dessen Einwohner wohl hauptsächlich infolge der Weltabgeschiedenheit ihres Ortes allem Neuen gegenüber äußerst konservativ eingestellt waren“, begründet der Chronist die späte Vereinsgründung in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen im Jahre 1966. Weiter schreibt er: „Einige Jugendliche hatten jedoch bereits einen solchen Gefallen an dem neuen Spiel gefunden, dass sie, elterlichem und schulischem Verbot zum Trotz, in abgelegenen Winkeln ihrer jüngsten Leidenschaft frönten.“ Elternschaft, Kirche und Schule seien sich darin einig gewesen, dass Fußballspielen eine rohe Sportart sei und daher verboten werden müsse.

Einen richtigen Fußball kannten diese Jugendlichen vor 100 Jahren nur vom Hörensagen. Besorgte Mütter hätten ihnen jedoch Stoffbälle genäht in Sorge um Schuhe und Klompen, die von Konservendosen und Steinen doch zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden. Aber dann wollte die Effelder Jugend, die schon häufiger bei Spielen in Birgelen und Wassenberg zugeschaut hatte, auch einen eigenen Verein.

So war es Johann Cremers, damals „Heävische Schäng“ genannt, der seine Fußballfreunde auf dem Feld zusammentrommelte. Der Vereinsname „Adler“ soll in Anlehnung an den Namen eines damals bekannten Radsportvereins aus Neuwerk entstanden sein, so die Vermutung des Chronisten. Erster Vorsitzender wurde Johann Ramakers. Gleich im ersten Spiel gegen Birgelen, bei dem der Vorsitzende das Tor hütete, bezwangen die Effelder ihren Gegner, obwohl diese selbst einen Ball hatten mitbringen müssen, „da in Effeld noch kein Exemplar vorhanden war“.

In der Rückschau sieht Staas heute als größten Erfolg des Vereins, dass er sich 30 Jahre lang in der Bezirksklasse behaupten konnte, „inklusive Meisterschaft, Aufstieg und einem Jahr sogar in der Landesliga“. Zwei Mal waren die Effelder sogar Kreispokalsieger, darüber hinaus mehrfacher Stadtmeister auf dem großen Spielfeld und in der Halle. Die Mannen von Adler Effeld waren Initiatoren und Mitbegründer des Stadtsportbundes. Sie riefen ebenso die Stadtmeisterschaften ins Leben und waren Ideengeber und mehrfacher Veranstalter der Hallenkreismeisterschaften des politischen Kreises Heinsberg.

Darüber hinaus würdigt der Schirmherr an Beispielen das gesellschaftliche Engagement des Vereins. 20 Jahre lang veranstaltete er einen Tanz in den Mai mit großer Verlosung. Zusammen mit der Interessengemeinschaft Effelder Vereine war er Initiator, Namensgeber und Hauptorganisator des ersten Spargelfestes. Gemeinsam mit dem Trommler- und Pfeiferkorps ist der SV heute dessen Veranstalter. Aber auch an die Jubiläums- und Aufstiegsfeiern erinnern sich Erwin Staas als Schirmherr und Dirk Schmitz als aktueller Vorsitzender gerne zurück. Toni Turek, legendärer Torwart der Weltmeister-Mannschaft von 1954, war in Effeld ebenso zu Gast wie Horst-Dieter Höttges und Albert Brülls, die Vize-Weltmeister von 1966. Sie kamen bereits eine Woche später zum 50-Jährigen des SV.

Nicht vergessen ist in Effeld auch die Integration vieler ausländischer Spieler in den Verein bereits ab Anfang der 1960er Jahre. „Schätzungsweise 50 englische Soldaten spielten teilweise über Jahre in den Mannschaften des SV Adler“, sagt Staas. „Trotz der sprachlichen Schwierigkeiten wurden aus den sportlichen Absichten enge menschliche Beziehungen und Freundschaften.“

Heute spielt der SV Adler in der dritten Kreisklasse. Er zählt rund 230 Mitglieder, davon allein 100 in der Jugendabteilung. Auf seine intensive Jugendarbeit ist der Verein besonders stolz.

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