Verehrung für Maria in den höchsten Tönen

Von: Johannes Bindels
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Sorgten für eindrucksvolle Klänge im Selfkantdom St.-Gangolf: Organist und Kantor Thomas Frerichs und Mezzosopranistin Agnes Erkens. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Wenn die Teilnehmer im gut gefüllten Selfkantdom St.- Gangolf am Ende eines Konzerts aufstehen und sich applaudierend in Richtung Orgel wenden, dann kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass eine begeisternde Musikdarbietung stattgefunden hat.

Zu Beginn hatte Kaplan Sascha Schmitz die Zuhörer zur Reihe „Musik in St.-Gangolf“ begrüßt. In Zusammenarbeit mit Thomas Frerichs, Kantor und Kirchenmusiker an der Kartäuser- und Lutherkirche in Köln, hatte die Mezzosopranistin Agnes Erkens das Programm „Ave, maris stella (Meerstern, sei gegrüßt) 2012 entwickelt. Auch bei diesem Projekt zeigte sich ihre Vorliebe für Marienlobgesänge, mit der sich ihre Verehrung für Maria, die Mutter Gottes, ausdrücken lässt. „Ich singe, weil es ein direkter Ausdruck von Lebensfreude ist und um etwas zu schenken, auch weil sich im Singen die Schönheit des Lebens zeigt“, hatte Agnes Erkens einmal in einem Interview ihre Intention beschrieben.

Mit den Marianischen Gesängen – von a capella bis zur Orgelbegleitung durch den Kantor Frerichs – bewege sie sich im Wechsel durch unterschiedliche Zeit und Stilepochen, lautete die Ankündigung. Bei ihrem ersten Beitrag „Ave, maris stella“ – einem gregorianischen Hymnus aus dem 11. bis 12. Jahrhundert – füllte sie mit Ihrer Stimme klanglich den ganzen Kirchenraum. Mit improvisierendem Orgelspiel entspann sich ein musikalischer Dialog. Beim zweiten Beitrag „Cantus mariales iaponici – Marianische Gesänge“ von Saburo Takata (1913-2000) belegte Erkens, dass auch neue Kompositionen und Marienlobgesang kein Widerspruch bedeuten. Mit den vier Gesängen „assumpta est Maria“, „Maria mater“, „Salve mater misericordiae“ und „Tota pulchra es“ wurde die ganze Bandbreite der Marienverehrung von der Mutterrolle, dem aufgenommen sein im Himmel, der Barmherzigkeit und der Schönheit musikalisch interpretiert.

Dem Zuhörer machte Erkens es leicht, ihr in die klagenden, feststellenden oder meditativen Interpretationen zu folgen und sich einzufühlen. Beim Beitrag „Tonus peregrinus Magnificat“, einer Orgelimprovisation, ließ Kantor Thomas Frerichs sein ganzes Können einfließen. Beginnend mit einer spielerischen Leichtigkeit der Töne, eintauchend wie in eine hellleuchtende Unterwasserwelt, wurde dieses Bild abgelöst von mächtigen Tonsequenzen, einer starken Strömung gleichend.

Spanisches Mittelalter

Wie mächtigen Naturkräften ausgesetzt, wälzte sich das Orgelspiel durch den Kirchenraum, den Zuhörern gleichsam mitschleppend bis das Spiel dann wieder in ruhigere Wasser gelangend und wie schwebend mitgenommen auf den Zuhörer wirkte. Mit „Hymnus de Maria“ folgte eine Interpretation in die Zeit der Hildegard von Bingen (1098-1179), komplett a capella vorgetragen und den Zuhörer das mittelalterliche Gefühl vermittelnd, um dann mit dem Beitrag „Cantigas de Santa Maria“ das kulturelle Erbe der spanischen Marienverehrung um das 13. Jahrhundert vorzutragen. Dabei wurde besonders im zweiten Teil mit „Dized´jai, trobadores!“ eine fröhliche Tradition der Folkloredarbietung deutlich und vor dem geistigen Auge trat das Spiel der Troubadoure auf und man wähnte sich im spanischen Mittelalter.

Mit den letzten beiden Beiträgen „Santa Maria“ und „Ave Maria“ (nach Giulio Caccini 1546-1618) wurde die ganze Bandbreite der individuellen Interpretationsfähigkeit von Agnes Erkens nachvollziehbar. Fast fremd klingend, hatten die bekannten Lieder so ganz und gar nichts mit den profanen Darbietungen bekannter Provenienz zum Beispiel des „Ave Maria“ zu tun. Mit der sprichwörtlichen Verneigung vor der besonderen Leistung erhielten die beiden Musiker einen mehr als verdienten Applaus.

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