Tagebau: Venrath und Kaulhausen denken über Zukunft nach

Venrath und Kaulhausen: Viele Ideen am Tagebaurand

Von: Helmut Wichlatz
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Bis hierher kommen einmal die Braunkohlebagger: der Wall bei Kaulhausen. Foto: Stefan Klassen

Erkelenz-Venrath. Der Saal Lanfermann-Oellers war karnevalistisch geschmückt. Das Thema hatte aber weitreichende Folgen über den kommenden Aschermittwoch hinaus. Denn es ging um nicht weniger als die Zukunft der beiden Orte Venrath und Kaulhausen.

Beide werden in den kommenden Jahren vom heranrückenden Tagebau auf eine harte Probe gestellt. Denn wenn die Kohleförderung endet, liegen beide Ortschaften direkt am Loch. Daher haben sich Bürger auf den Weg gemacht und in den vergangenen 18 Monaten Konzepte entwickelt, wie ihr Ort auch am Rande des Nichts eine Zukunft haben kann.

Was auf sie zukommt, kann man schon jetzt sehen. Ein Wall ist am Ortsrand aufgeworfen worden, der die Bewohner vor Lärm und Schmutz schützen soll. Was aus dem Wall wird, wenn anstelle des Lochs einmal ein See entstanden ist, darüber herrscht ebenso Unklarheit wie darüber, mit was der Wall aufgeschüttet wurde. Den Bürgern standen Aachener Stadtplaner zur Seite, die auch schon in die Planung der Umsiedlungsstandorte involviert waren. Auch die Stadt selbst spielt keine unwichtige Rolle, denn sie muss das Konzept politisch diskutieren, bevor sie den Antrag auf Fördermittel bei der Landesregierung stellt. Deshalb muss das Konzept auch mittelfristig angelegt sein.

„Die meisten von uns werden den Zeitpunkt nicht mehr erleben, wenn der See fertig ist“, betonte der Aachener Professor Rolf Westerheide. Er hatte mit seinem Team den Prozess begleitet. „Es wird ein steiniger Weg“, erklärte er. Umso wichtiger sei es, dass das rund 150-seitige „Konzept zur Dorfinnenentwicklung“ von einer breiten Mehrheit getragen werde, bevor aus ihm einzelne Projekte abgeleitet werden.

Infrastruktur verbessern

Beide Dörfer haben sich intensiv mit ihrer Zukunft beschäftigt, erklärte Peter-Josef Gormanns von der Venrather Dorfgemeinschaft. Dabei waren auch neue Wohnformen diskutiert worden, die dem demografischen Wandel in den Ortschaften gerecht werden. Die Ortsmittelpunkte sollen gestärkt und eine Infrastruktur geschaffen werden, die Wohnen und Arbeiten gleichermaßen ermöglicht. Neu gebaut werden soll nicht nur an den Ortsrändern sondern auch im Dorfinneren. Lastwagen sollen aus den Orten herausgehalten werden, Pkw schon frühzeitig abgebremst werden.

Ein Wochenmarkt wäre ebenso denkbar wie eine interessante Gestaltung und Einbindung des Walls und Pumpenfeldes in die Freizeitangebote vor Ort. Kultur und Dorfleben, Wohn- und Standortqualität, Baukultur und Gestaltung sowie Landschaft und Ökologie sind die Kernbereiche der Überlegungen. Zu den Maßnahmen gehören aber auch eine energetische Bestandaufnahme und eine Beratung über mögliche Fördermittel bei der Sanierung von Gebäuden. Bei einem Dorfforum soll der Fokus auch auf der fehlenden Anbindung an eine Gasversorgung liegen.

Nun liegt noch eine Menge Arbeit vor den Teilnehmern. Deshalb warb Gormanns für eine größere Beteiligung in den Arbeitsgruppen. Michael Königs aus Kaulhausen brachte noch einmal die geforderte Erweiterung des Abstandes zum Loch auf 500 Meter ins Spiel.

Der Vision Westerheides, dass beide Orte zusammenwachsen könnten, erteilten die Bewohner früh eine Absage. Trotz gleicher Probleme und geplanter gemeinsamer Initiativen wolle man als Orte lieber unter sich bleiben.

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