VdK: Etliche Jahre alt, aber beliebter denn je

Von: Rainer Herwartz
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Ilse Kreutzer, Hans Soiron und Franz Lipperts (von links) wollen ihren VdK-Mitgliedern neben Hilfe auch Unterhaltung bieten. Foto: Herwartz

Selfkant. Der eine ist noch um rund zwei Jahrzehnte älter als der andere. Und obwohl sie in der Sache kaum Berührungspunkte miteinander haben, werden sie aufgrund ihrer Abkürzung ständig verwechselt oder in einen Topf geworfen. Die Rede ist von VDK und VdK.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) wurde am 16. Dezember 1919 gegründet und erhält und betreut unter anderem Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft im Ausland. Er pflegt die Gräber von über 2,6 Millionen Kriegstoten des Ersten und Zweiten Weltkriegs auf 832 Friedhöfen in 45 Ländern.

Der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands (VdK) hingegen, der sich mittlerweile Sozialverband VdK nennt, hat sich nach dem zweiten Weltkrieg zur Aufgabe gemacht, gegenüber der Politik und den Sozialgerichten die sozialen und politischen Interessen vor allen von Menschen mit Behinderungen, von chronisch Kranken, von Senioren und Rentnern sowie von Kriegs-, Wehrdienst- und Zivildienstopfern zu vertreten.

Obwohl der VdK oft eher ein Schattendasein in den Köpfen der Menschen führt, da der Krieg ja schließlich lange vorbei sei und meist niemand so recht weiß, womit sich der VdK denn eigentlich noch so beschäftigt, gibt es einen Ortsverband im Kreis Heinsberg, dem es gelungen ist, seine Mitgliederzahl in nur wenigen Jahren von 46 auf sage und schreibe 610 hinaufzuschrauben, Durchschnittsalter 57 Jahre.

„Vor 35 Jahren haben wir angefangen, auch andere soziale Bereiche abzudecken, als nur die der Kriegshinterbliebenen“, sagt der Vorsitzende des Ortsverbands Selfkant, Hans Soiron. Ilse Kreutzer, die Schriftführerin, nennt einige Beispiele: „Der VdK bietet Hilfestellung bei der Rentenbeantragung an. Bei einer Ablehnung gehen wir für unsere Mitglieder vor die Sozialgerichte. Wir helfen auch bei Behördengängen oder wenn jemand unerwartet in Hartz IV rutscht. Auch Behinderte unterstützen wir bei der Durchsetzung ihrer Forderungen.“ Nötigenfalls vor Gericht, ergänzt Franz Lipperts, der stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbandes, der gleichzeitig Behindertenbeauftragter des VdK-Kreisverbandes ist.

„Und das für kleines Geld“, meint er. „Wir haben hierzu eine Justiziarin im Kreisverband, Stephanie Kötting, die grundsätzlich die Mitglieder im juristischen Sinne berät. Wir vom Vorstand übernehmen eine informative und vermittelnde Tätigkeit zu den benötigten Experten. Wenn wir neue Mitglieder werben, sollten diese schon über einen längeren Zeitraum Mitglied bleiben wollen und nicht nur kurzfristig, um bestimmte Hilfen bei eigenen Problemen zu erhalten. Das spiegelt letztlich auch den sozialen Gedanken des VdK wider.“ Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und ortsansässigen Ärzten sei sehr eng.

Derzeit hat der VdK-Ortsverband Selfkant 13 Vorstandsmitglieder. Noch vor einigen Jahren hätte diese Zahl in einem eklatanten Missverhältnis zur gesamten Mitgliederzahl gestanden. Denn als der Verband im Mai 1950 gegründet wurde, vereinigten sich rund 30 Mitglieder – hauptsächlich Kriegswitwen – unter seinem Dach. Eine Zahl, die sich über ein halbes Jahrhundert lang kaum verändern sollte.

Als Hans Soiron im Jahr 2002 den Vorsitz übernahm, zählte der Ortsverband gerade einmal 46 Mitglieder. Die Beiträge der Mitglieder wurden damals noch persönlich kassiert und in beschrifteten Gläsern auf einem Regal gehortet, erinnert sich Soiron schmunzelnd. Für den gelernten Fleischermeister ein Unding. Unter seiner Führung erhielt der Ortsverband nun eine neue Struktur. Auch aus dem Ortsleben nicht mehr wegzudenkende Aktivitäten wie Grillfeste, Weihnachtsfeiern oder kleine, beliebte Urlaubsfahrten wurden aus der Taufe gehoben.

Letztlich mit durchschlagendem Erfolg, denn die Mitgliederzahl explodierte förmlich innerhalb von nur sechs Jahren auf die ungeheure Zahl von 500 (!). „Die Anerkennung in der Gemeinde nahm stetig zu“, sagt Soiron. „Meist über Mund-zu-Mund-Propaganda.“ Viele Mitglieder seien nur Unterstützer. „Der VdK war und ist mein drittes Kind“, erklärt der 73-jährige Vater zweier „richtiger“ Sprösslinge. „Wenn meine Frau nicht mitgespielt hätte, wäre der Zeitaufwand nicht möglich gewesen.“

Noch gut erinnert sich Soiron an den Tag, als das 500. Mitglied gefeiert wurde. Damals sei auch allerlei regionale Politprominenz zugegen gewesen. Einer der Politiker habe ihn schließlich bei einer Zigarette gefragt: „Sag mal Hans, wie schaffst Du das bloß, so viele Mitglieder zu gewinnen? Wenn mir das doch auch für meine Partei hier gelänge.“ „Das ist einfach“, hab ich geantwortet. „Man darf nicht lügen.“ Ob sich der Politiker dies zu Herzen genommen hat, ist nicht überliefert.

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