Heinsberg/Selfkant - Urteil: Unfallfahrer lädt „schwere Schuld“ auf sich

Urteil: Unfallfahrer lädt „schwere Schuld“ auf sich

Von: Anna Petra Thomas
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Nach der Gerichtsverhandlung gaben Martin, Dagmar und Lukas F. noch ein Interview fürs Fernsehen, bevor sie sich auf den Weg machten zum Grab ihres bei einem Verkehrsunfall getöteten Sohnes Max. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg/Selfkant. Zwei Jahre auf Bewährung und acht weitere Monate ohne Führerschein: So lautete das Urteil gegen einen jungen Mann aus Süsterseel, das das Jugendschöffengericht mit Richterin Corinna Waßmuth am Montagnachmittag in Heinsberg fällte. Damit ging das Gericht noch über den Antrag der Staatsanwältin hinaus, die zusätzlich zur Strafe sechs weitere Monate Führerscheinentzug gefordert hatte.

Angeklagt worden war der 20-Jährige wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs Mitte Mai vergangenen Jahres. Damals war er auf einer Fahrt mit dem Porsche Cabriolet seines Vaters auf der L 228 von Saeffelen Richtung Selsten in einer leichten Kurve ins Schleudern geraten. Der Wagen war von der Fahrbahn abgekommen und hatte sich mehrfach überschlagen, bevor er etwa 100 Meter weiter im Feld landete. Der Fahrer wurde verletzt, sein Beifahrer Max F., damals 20 Jahre alt, überlebte den Unfall nicht.

Die dem Urteil vorangegangene Beweisaufnahme stütze sich vor allem auf zwei Gutachten. So war im Rahmen einer Rekonstruktion des Unfallgeschehens errechnet worden, dass das Fahrzeug unmittelbar vor dem Unfall mit mindestens 146 km/h unterwegs gewesen sein musste. 100 km/h wären dort zulässig gewesen. Darüber hinaus hatte die Untersuchung einer Blutprobe noch vom Unfallort ergeben, dass der Fahrer aufgrund des damit nachgewiesenen Cannabis-Konsums gar nicht fahrtüchtig gewesen wäre.

Daher zog das Gericht dann im Rahmen der ausgesprochenen Bewährungsstrafe noch weitere Register und verhängte diverse Auflagen. So muss sich der Unfallfahrer einem Intensivkurs in Erster Hilfe unterziehen, nach Wiedererlangung des Führerscheins ein Fahrsicherheitstraining absolvieren, seinem Bewährungshelfer im April, Juni und August dieses Jahres das Ergebnis eines Drogentests vorlegen. Zudem darf er nach Wiedererlangung des Führerscheins für ein Jahr kein Fahrzeug führen, das mehr als 80 PS hat.

Bezogen auf diese letzte Auflage hatte die Richterin während der ganzen Verhandlung nicht an Kritik gespart, auch nicht mit Kritik an den bei der Verhandlung nicht anwesenden Eltern des Fahrers im Hinblick darauf, ihrem Sohn kein seinem Alter und seiner Fahrpraxis angemessenes Fahrzeug zur Verfügung gestellt zu haben. Unverständlich war der Richterin auch, warum der Unfallfahrer nicht einmal zur Beerdigung seines Freundes gegangen war. „Diesen Canossa-Gang muss man auf sich nehmen, wenn man vorher schwere Schuld auf sich geladen hatte“, betonte sie. Wenn er angebliche Briefe an die Eltern des getöteten Freundes aus Angst vor deren Reaktion auch nicht abgeschickt habe, so hätte er sie im Laufe des Verfahrens den Anwälten der Eltern oder auch dem Vertreter der Gerichtshilfe zukommen lassen können, so die Richterin weiter.

Ein „deutlich erkennbares Reueverhalten“ sah die Richterin nicht. Dem Angeklagten sei es erst bei seinem letzen Wort vor der Urteilsverkündung ein einziges Mal gelungen, die im Verfahren als Nebenkläger auftretenden Eltern des toten Freundes anzuschauen.

„Ich hoffe, du lernst für dein Leben daraus!“, sagte ihm der Vater von Max. Noch einmal traten die Eltern nach der Verhandlung vor die Fernsehkameras, bevor sie sich dann mit ihrem zweiten Sohn Lukas auf den Weg zum Grab ihres Sohnes Max machten.

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