Unterwegs auf Schwester Emilies Spuren

Von: Mirja Ibsen
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Mit zwei Bussen kamen die Schwestern vom Orden Töchter vom Heiligen Kreuz nach Haaren, um die Orte zu besuchen, an denen Schwester Emilie Schneider geboren und getauft wurde und an denen heute ihrer gedacht wird. Thomas Schröder erläuterte Historisches zur ehemaligen Taufkirche St. Jans-Klus, die heute das Café Zur Klus beherbergt, während einige Spielleute des Musikvereins Haaren für die klangliche Kulisse sorgten.

Waldfeucht. Die Schwestern lächeln. Angekommen. Glieder werden dezent gestreckt, Tücher geschickt gesteckt, Mäntel schnell geschlossen. Kalt ist es in Haaren in Waldfeucht. Besonders, wenn man sonst sonnigere Gefilde gewohnt ist, wie Flipflops an den Füßen und leichte Stoffe unter den Mänteln vermuten lassen.

Aus zwei Bussen steigen Damen, die der Ordensgemeinschaft Töchter vom Heiligen Kreuz angehören. Sie lächeln. Sie sehen sich um. Ah, die Kirche. Unübersehbar. Eine Skulptur. Nein, nicht von Emilie Schneider, auf deren Spuren sie unterwegs sind, sondern die der Kluser Pappmule, dem Karnevalsverein des Ortes.

Und auch die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, in der kurz vorher noch für ihre sichere Ankunft gebetet wurde, stand noch nicht, als ihre Ordensschwester Emilie 1820 als viertes von zehn Kindern des Grenzbeamten August Friedrich Schneider und seiner Frau Elisabeth geboren wurde.

Die heilige Messe haben sie verpasst. Als sie begann, waren sie in Haaren – bei Aachen. Da war es auch kalt, aber dort wollten sie gar nicht hin. Fünf Orte namens Haaren gebe es in Deutschland, sagt einer der belgischen Busfahrer, hebt entschuldigend die Schultern und lächelt schief. Tatsächlich gibt es sogar sechs Orte in Deutschland, einen in den Niederlanden und einen Fluss, die diesen Namen tragen, aber nur in Haaren bei Waldfeucht wird Schwester Emilie Schneider so intensiv verehrt.

Die tiefgläubige Ordensfrau hatte sich hingebungsvoll den Armen, Alten und Kranken gewidmet. Schon zu Lebzeiten nannten sie die Bedürftigen „eine Heilige“. Das Seligsprechungsverfahren wurde im Jahr 1926 eröffnet. Doch noch fehlt ein Wunder, das vor der Kongregation des Heiligen Stuhls in Rom bestand hat. Noch.

Die Ordensgründerin Mutter Maria Theresia ist bereits seliggesprochen worden. Der Umbettung ihrer Gebeine vom ehemaligen Mutterhaus in die Lütticher St.-Paul-Kathedrale haben die Ordensschwestern zwei Tage zuvor beigewohnt. „Es war eine sehr emotionale Zeremonie“, sagt Hans Schröder.

Er war auch dabei, als die Nonnen, die aus all den Ländern, in denen der Orden angesiedelt ist, angereist waren, nach Düsseldorf und zum Haus Aspel in Rees im Kreis Kleve fuhren. Sie reisten so auch auf den Spuren der Emilie Schneider.

Als junges Mädchen arbeitete die Haarenerin einige Zeit in Lüttich als Erzieherin. Damals hieß sie noch Juliana, wurde aber meist Julie genannt. In Lüttich trat sie 1845 in die Glaubensgemeinschaft Töchter vom Heiligen Kreuz ein, die sich um die Ärmsten der Armen kümmerte.

Im Haus Aspel arbeitete sie ein Jahr als Novizenmeisterin, bevor sie als Oberin nach Düsseldorf geschickt wurde, um das Theresien-Hospital in der Altstadt neu zu strukturieren. Dort starb sie 1859 im Alter von 38 Jahren.

Sie war an Thypus erkrankt, gegen den es erst im Jahr 1897 eine Impfung gab, und litt an starken Kopfschmerzen. Ihrem Beichtvater berichtete sie in Briefen von Visionen. Erst nach ihrem Tod wurden diese Texte veröffentlicht. In der römisch-katholischen Kirche gilt sie seither als Mystikerin.

Im Waldfeuchter Haaren, wo Emilie getauft wurde und ihre Kindheit verbrachte, kommen die Nonnen zwar verspätet, aber nicht verstimmt an. Zwar interessiert sie zunächst am dringendsten ein bestimmtes Örtchen, das mit WC und Waschbecken ausgestattet ist, aber dann steigen sie – ausgestattet mit einem Segen des Pastors und den Grußworten des Bürgermeisters – wieder lächelnd und neugierig in den Bus ein.

Die Fahrt zur ehemaligen Stiftskirche St. Jans-Klus dauert nicht lange. Zu Fuß ist der Weg von der Kirche aus in gemütlichen zehn Minuten zu schaffen. Hans Schröder und sein Sohn Thomas, die gemeinsam mit den Haarener Emilienfreunden den Besuch der Schwestern organisiert haben, lotsen die Busse allerdings vorher vorbei an dem Findling, der den Ort ihres Geburtshauses markiert, und durch die Emilie-Schneider-Straße und plaudern dabei kenntnisreich über die Historie.

Am Café Zur Klus gibt es weitere Erklärungen, die Nonnen ziehen Handys hervor, machen Fotos. Nicht nur von der Kapelle, in der ein Bild Emilies hängt, auch von der idyllischen Landschaft, in der stämmige Kutschpferde malerisch Model stehen.

Am Emilie-Schneider-Platz, an dem auch junge Mütter gerne mit ihren Kinderwagen Halt machen, tippen wenige Minuten später noch einmal flinke Finger auf Auslöser. Schwestern aus Indien machen Selfies mit der Bronzebüste Emilie Schneiders. Eine Hand streichelt sanft den Schleier aus Metall. Kurzes Innehalten. Doch der Motor des Busses läuft schon wieder. In der Selfkanthalle wartet eine liebevoll vorbereitete Kaffee-und-Kuchentafel auf die weit gereisten Schwestern.

Die lächeln noch darüber, dass es mehr als ein Haaren gibt. Wenn ihre Ordensschwester Emilie selig gesprochen wird, wird der Ort wohl nicht mehr so schnell verwechselt.

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