Unternehmerforum: „Die Welt wird sich noch schneller drehen“

Von: Daniel Gerhards
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Diskussionsrunde: Über das Thema Coworking Space in Heinsberg sprachen Louisa Classen, Moderator Thomas Thelen, Thomas Pennartz, Ulrich Schirowski und Thomas Schulz beim Unternehmerforum Kreis Heinsberg. Fotos: Daniel Gerhards Foto: Daniel Gerhards
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Hohe Ziele, hohes Risiko: Thomas Schulz vom „Spiegel“ spricht über das Silicon Valley.

Heinsberg. Die Arbeitswelt wandelt sich immer mehr, immer schneller. Sie wird immer digitaler. Und diese digitale Revolution nimmt immer mehr Fahrt auf. Das ist ein Fazit des Vortrags von Thomas Schulz, Wirtschaftskorrespondent des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ in San Francisco.

Beim Unternehmerforum Kreis Heinsberg, zu dem Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Kreissparkasse eingeladen hatten, sprach er über die Leitkultur und den Gründergeist des Silicon Valley. „Die Welt wird sich noch schneller drehen“, sagte Schulz.

In einer Diskussionsrunde, die Thomas Thelen, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, moderierte, ging es um innovative Arbeitsformen in Heinsberg. Die Kreissparkasse plant, einen sogenannten Coworking Space mit dem Titel „Werkbank“ in ihrem Gebäude in der Heinsberger Innenstadt anzubieten.

Schnelligkeitsmaschinen

Gründergeist und Offenheit, unorthodoxes Arbeiten und die rasend schnelle Entwicklung – wegen solcher Attribute scheint das Silicon Valley in Kalifornien derzeit Sehnsuchtsort für die Mächtigen in Europa zu sein: Wirtschaftsbosse, Minister und Kardinäle kämen für ein paar Wochen, um von den Menschen, die dort arbeiten, zu lernen, sagte Schulz. Und er betonte, dass in den dort ansässigen Unternehmen alles darauf ausgerichtet sei, immer schneller neue, bessere Produkte auf den Markt zu werfen.

„Die Manager sagen, dass sie sich nicht den Großteil der Zeit mit ihrem Produkt beschäftigen, sondern mit der Struktur ihres Unternehmens“, sagte Schulz. Es gehe nicht darum, ein Produkt zu entwickeln und damit möglichst lange Geld zu verdienen. „Es geht darum, das Unternehmen zu einer Schnelligkeitsmaschine zu machen, die immer wieder neue Produkte ausspuckt“, sagte Schulz. Dabei gehe es nie darum, begrenzte Zielgruppen in irgendeiner Region eines Landes zu erreichen. Es gehe immer gleich um die ganze Welt, immer darum, drei Milliarden Menschen zu erreichen.

Hohe Ziele seien auch ein Grund dafür, warum die Risikobereitschaft in diesen Unternehmen so groß sei: Neue Dinge sollen zehn Mal besser sein, nicht zehn Prozent besser. Um das zu erreichen, müsse man Risiko eingehen. Da ist Scheitern etwas völlig Normales. Es bedeutet keinen Karriereknick.

Einen Hauch dieser Unternehmenskultur und dieses Geistes will die Kreissparkasse nun auch nach Heinsberg bringen. Auf 600 Quadratmetern in der zweiten Etage des Kreissparkassengebäudes in Heinsberg soll ein Coworking Space entstehen. Dort sollen vor allem Gründer, die im digitalen Umfeld arbeiten, Raum finden. „Es geht dabei um Vernetzung und andere Arbeitsformen“, sagte Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse.

„Wir vermieten unsere Immobilie nicht mit einem Fünf- oder Zehnjahresvertrag, sondern in diesem Fall für eine Woche oder einen Monat“, sagte er. Das sei eine neue Form der Wirtschaftsförderung der Kreissparkasse. Und das wolle man nun in Heinsberg, im ländlichen Raum ausprobieren. „In der Großstadt funktioniert das schon. Und wir versuchen das jetzt mit der ‚Werkbanke_SSLq auch mal“, sagte Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg. „Wir können nicht darauf warten, dass irgendwann die Innovationen aus Aachen zu uns rüber kommen. Wir müssen selber etwas tun“, sagte er.

Thomas Schulz gab den Hinweis, dass man gerade im ländlichen Raum die lokale Vernetzung in der Vordergrund stellen sollte. „Man darf nicht versuchen, Berlin oder das Silicon Valley zu imitieren. Das funktioniert nicht“, sagte er. In der zweiten Jahreshälfte könne es dann in Heinsberg losgehen, sagte Pennartz.

Beispielhaft sprach Louisa Classen, Mitglied der Geschäftsführung von Fliesenmax, darüber, wie sie ihr Unternehmen in die digitale Welt brachte. Onlineshop, Beratung per Whats-App oder Video-Chat seien dabei nur einige Bausteine gewesen. Sie habe dazu viele Gespräche mit Mitarbeitern geführt, die den digitalen Wandel im Unternehmen meist auch bereitwillig mitmachten.

„Man muss den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich an die digitale Welt anzupassen. Wenn mir aber ein Mitarbeiter sagt, ‚Ich habe das seit 20 Jahren so gemacht und ändere meine Einstellung nicht', dann hat er irgendwann auch Pech gehabt“, sagte sie.

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