Unterbrucher wollen Grundschule noch nicht aufgeben

Von: Rainer Herwartz
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Ganz Unterbruch schien sich in die Bürgerhalle zu drängen, um die drohende Schließung der Grundschule zu verhindern. Foto: Rainer Herwartz
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Keine leichte Aufgabe. Sie stellen sich den Fragen der Bürger: Martina Zerr, Thomas Heinrichs, Christoph Esser, Friedbert Görtz, Wolfgang Dieder und Josef Hansen (v.l.)

Heinsberg-Unterbruch. „Das ist hier heute noch nicht das Ende. Die Unterbrucher haben einen langen Atem.“ Darauf solle sich Bürgermeister Wolfgang Dieder schon einmal einstellen, hieß es aus dem Bürgersaal in Unterbruch. Es schien fast so, als habe sich der ganze Stadtteil aufgemacht, um bei der über dreistündigen Informationsveranstaltung zur drohenden Schließung der Unterbrucher Grundschule Flagge zu zeigen.

Neben dem Heinsberger Verwaltungschef stellten sich auch Thomas Heinrichs, der Leiter der Sonnenscheinschule, mit seiner Stellvertreterin Martina Zerr, der Schulamtsdirektor des Kreises, Christoph Esser, der Heinsberger Schulamtsleiter Friedbert Görtz und Ortsvorsteher Josef Hansen den Fragen der Unterbrucher.

Die Gemeindeprüfungsanstalt NRW habe die Schullandschaft unter die Lupe genommen und sei zu dem Ergebnis gelangt, dass die Kreisstadt über einen flächenmäßigen Überhang von 4100 Quadratmetern verfüge, begann Dieder. Zwischen 2001 und 2012 habe sich die Zahl der Schüler um 657 verringert, was 31 Prozent entspreche. Der räumliche Überhang sei quasi deckungsgleich mit zwei kompletten Grundschulen.

Acht Grundschulen bestünden derzeit mit zwölf Standorten in der Stadt. An der ehemaligen Hauptschule an der Westpromenade stünden 34 Klassenräume zur Verfügung. Das Gebäude könne demnach eine vier- bis fünfzügige Grundschule aufnehmen. Im Gegenzug könne zum Beispiel die Grundschule in Unterbruch geschlossen werden.

Zu diesem Vorschlagsszenario der Gemeindeprüfungsanstalt gesellten sich noch hohe Defizite im Haushalt der Stadt, die zum Handeln drängten, erläuterte Dieder weiter. Der Landrat habe die Stadt aufgefordert, Konsolidierungsmaßnahmen durchzuführen, und auch die im Rat verabschiedete Agenda 2025 zwinge zum Handeln. Dass die Stadt durch eine Schließung und einen Abriss der Grundschule in Unterbruch, in der vier Klassen unterrichtet werden, 51.000 Euro an Unterhaltungskosten im Jahr einsparen und zudem noch das Grundstück veräußern könne, überzeugte die Unterbrucher nicht von der Sinnhaftigkeit dieser Idee. Schließlich kämen ja allein 30.000 Euro an Beförderungskosten auf die Stadt zu, wenn ihre Kinder jeden Tag mit dem Bus in die Innenstadt fahren müssten, argumentierten viele Unterbrucher.

Und überhaupt, warum solle denn ausgerechnet Unterbruch dicht gemacht werden. Erst vor drei Jahren war der Standort ja durch einen Schulverbund mit der Sonnenscheinschule in der City vor dem drohenden Aus bewahrt worden? Warum treffe es denn nicht Schafhausen, fragten manche Bürger. Hier sei doch der Gebäudezustand eindeutig schlechter. Dass Schafhausen mit Grebben einen Verbund bilde, der dann aufgelöst werden müsse, sich aber aufgrund nachweislich steigender Schülerzahlen offenbar bewähre und möglicherweise Unterbruch dann wieder auf sich allein gestellt sein würde, weil ja dann quasi Schafhausen in die Rolle des Verbundpartners schlüpfe, genügte den Eltern nicht als Argument.

Denn sie setzen bei ihren Überlegungen auch darauf, dass durch ein Neubaugebiet und aus umliegenden Orten Schüler angemeldet würden. „Es geht hier nicht um die Kinder, sondern darum, den Haushalt der Stadt zu sanieren“, monierte eine Mutter. Grundsätzlich, so meinten viele, gehe es auch darum, Lebensqualität gegenüber möglichen Einsparungen zu berücksichtigen. Viele Eltern würden gerade wegen der Schule nach Unterbruch ziehen, doch das sei in Zukunft nach einer etwaigen Schließung der Schule sicher nicht mehr so, befürchteten einige.

„Befürchtungen“ spielten in der Bürgerhalle ohnehin eine erhebliche Rolle. Und genau deshalb versuchte Thomas Heinrichs, diese zu entkräften. Ein wichtiger Aspekt für die Eltern waren die Erreichbarkeit der Schule und der Transport gerade der jüngeren Kinder per Linienbus in die Innenstadt. Schon jetzt, so wurde beklagt, trauten sich viele Sextaner gar nicht in den überfüllten Bus, mit dem sie morgens das Kreisgymnasium erreichen sollen. Für noch kleinere Kinder sei dies ein Riesenproblem, glauben manche Eltern.

„Kämpfen sie für einen guten Transport“, ermunterte sie Heinrichs. Noch während der Veranstaltung hatte er errechnet, dass die Einrichtung eines Schulspezialverkehrs an 200 Schultagen im Jahr ähnliche Kosten verursachen würde wie die Jahreskarten, die die Stadt für die Unterbrucher zukünftig bezahlen müsse. Das, so versicherte Wolfgang Dieder am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung, werde nun auf seine Richtigkeit geprüft.

Auch das Thema „soziale Kontakte“ sprach Heinrichs an. „In einer großen Schule mit 360 Kindern gibt es oft weniger Konflikte als in einer Schule mit 80 Kindern“, erklärte er. In den Pausen gebe es an der Sonnenscheinschule bis zu sechs Aufsichtspersonen. Doch nicht nur in den Pausen, sondern auch während des Unterrichts sei die Betreuung am Heinsberger Standort einfach besser, sagte Heinrichs.

Auf 13 Klassen träfen hier 24 Betreuer im Gegensatz zu vier Lehrern für vier Klassen in Unterbruch. Gerade in Mathematik und Deutsch sei die Intensität der Beschulung höher. Auch gebe es hier ein intensives Programm für besonders Begabte. „Vertrauen sie uns doch weiter und geben sie uns ihre Kinder mit, wir werden das Beste daraus machen“, appellierte Heinrichs. Unterstützung erfuhr er aus dem Mund von Christoph Esser: „Es gibt in Unterbruch Kinder, die mehr benötigen, als das, was ihnen hier angeboten werden kann – spezialisierte Lehrkräfte, OGS-Kräfte oder Sozialpädagogen. Die Verlegung an den Standort in Heinsberg ist pädagogisch sinnvoll.“

Wirklich überzeugen konnte all dies jedoch die Bürger nicht. Viele misstrauten gar der ganzen Veranstaltung und glaubten, dass die Schließung der Unterbrucher Schule längst beschlossene Sache sei. Da half auch nicht, dass der Bürgermeister mehrfach betonte, dass ein Beschluss erst noch vom Rat der Stadt gefällt werden müsse.

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