Unliebsame Geschenke: Spendentisch statt in der Schublade

Von: Helmut Wichlatz
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Gute Aktion: (v.l.) Nicolas Gaspers, Sandra Ehrmann und Mitorganisator Yannick Behrendt in der Leonhardskapelle. Foto: Helmut Wichlatz
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Auch Initiator Prasanna Varatharajan und Max Güttes waren mit Eifer bei der Sache. Foto: Helmut Wichlatz

Erkelenz. Die Idee war ganz simpel: Jedes Jahr bekommt einer Geschenke, die ihm oder ihr so gar nicht passen wollen.Aus diesem Grund richteten die Initiatoren Yannick Behrendt und Prasanna Varatharajan einen Spendentisch für Bedürftige in der Leonardskapelle ein. Das sollte sich als großer Erfolg herausstellen.

Kurz vor 14 Uhr werden Yannick Behrendt und Prasanna Varatharajan doch ein bisschen nervös. Werden wirklich Leute kommen und ihre Geschenke in der Leonhardskapelle abgeben? Oder werden sie gemeinsam mit ihrer Helferin Sophia Babmigg einen langweiligen Nachmittag verbringen und sich eingestehen müssen, dass die Idee doch nicht so gut war?

Getrommelt und geworben hatten sie genug dafür – in der Zeitung und auf Facebook. „Wir haben auch auf soziale Vernetzung gesetzt“, erklärt Behrendt.

Da macht man sich nicht einmal die Mühe, sie umzutauschen. Oder es ist zu peinlich, nach dem Kassenbon zu fragen. Auf jeden Fall haben solche Geschenke eine große Chance, auf immer und ewig in den Tiefen der Schränke oder Schubladen zu verschwinden. Mit „Heinsberg schenkt“ hat jeder die Möglichkeit, seine Geschenke loszuwerden und damit auch noch etwas Gutes zu tun.

Geboren wurde die Idee vor einem Monat. „Es soll der Auftakt sein“, erklärt Behrendt. Weil wir nicht vereinsmäßig organisiert sind, können wir schneller und auch spontaner auf Themen reagieren.“ Der Ansatz der beiden fokussiert sich nicht auf die Flüchtlingsthematik, die derzeit alles überstrahlt. „Auch Obdachlose und andere hilfsbedürftige Menschen stehen auf unserer Agenda“, sagt Varatharajan. „Wir verstehen uns als modernes Netzwerk, das Hilfsangebote verschiedener Art in Kontakt bringen will.“

Deshalb hatten die beiden im Vorfeld schon mit verschiedenen aktiven Organisationen im Kreis gesprochen, mit denen sie bei der Vergabe der Geschenke zusammenarbeiten wollen. Wenn es etwas gibt, das verteilt werden kann.

Kurz nach zwei kommt die erste Besucherin und gibt eine Tüte mit Geschenken ab. Ihren Namen möchte sie nicht nennen, sagt sie knapp und ist schon wieder verschwunden. „Na, das lässt doch hoffen“, sagt Varatharajan und verteilt die Gaben auf die entsprechenden Stapel.

Im Vorfeld hatten sie schon die Geschäfte in Erkelenz und Umgebung abgeklappert und dort um Gutscheine gebeten. „Das hat gerade bei Flüchtlingen einen zusätzlichen Aspekt“, sagt Behrendt. „Denn sie müssen mit den Geschäftsleuten kommunizieren, um es zu bekommen.“ Damit würden auch Hemmschwellen abgebaut.

Wenig später kommen Thomas Jansen und Adela Kmockova. Sie haben ein Herrenpflegeset, das auf einem fremden Gabentisch sicher eine bessere Figur macht als in der hintersten Ecke des Badezimmerschranks. „Nein, von mir hat er das Geschenk nicht“, betont Kmockova auf Nachfrage. Die Idee, unliebsamen Geschenken so eine zweite Chance zu geben, findet sie aber gut.

Nicolas Gaspers und Sandra Ehrmann haben bei Facebook von der Aktion mitbekommen. „Da waren wir gerne dabei“, sagt Gaspers. „Wir haben auch Geschenke, die zuerst für Freunde gedacht waren“, ergänzt er. „Aber dann findet man etwas Besseres, und auf einmal hat man zu viele Geschenke.“ Was liegt da näher, als sie für einen guten Zweck zu spenden?

Nun scheinen sich die Befürchtungen der beiden Initiatoren als unbegründet erwiesen zu haben. Denn der Strom der Schenker, die den Weg in die Leonhardskapelle finden, reißt nicht ab. Max Güttes hat zum Beispiel bei den Geschenken seiner Oma ausgemistet, die Sachen jahrelang aufbewahrt. Dabei hat er ungetragene Kleidung zum Vorschein gebracht, die man ohne mit der Wimper zu zucken als „neu“ bezeichnen kann.

Und so ist am Ende doch eine ganze Menge zusammengekommen, die in den nächsten Wochen an die Bedürftigen im Kreis verteilt wird. „Wir arbeiten schon an den nächsten Aktionen, mit denen wir Menschen zusammenbringen und Brücken bauen wollen“, sagt Behrendt.

Achim Kück vom frischgegründeten Flüchtlingsrat schätzt die kurzen Wege, die bei der Initiative „Heinsberg schenkt“ zwischen der Idee und der Ausführung liegen. „Bei einem Verein dauert es länger, bis er sich in Bewegung setzen kann“, weiß er. „Eine Zusammenarbeit ist sicherlich für beide Seiten fruchtbar.“

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