Unfallstatistik: 201 Unfälle, zwei Tote, 198 Verletzte

Von: Daniel Gerhards
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Die Übersicht behalten: An der Kreuzung Liecker Straße/Apfelstraße und Auf dem Brand können sich Fahrräder und Autos leicht ins Gehege kommen. Außerdem sind die Radwege schmal. Foto: Daniel Gerhards
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An der Kreuzung vor dem Real-Markt (Wassenberger Straße) kommt es häufig zu Unfällen. Radfahrer und Autos kommen sich auf den Abbiegerstreifen in die Quere. Dort sollen demnächst Ampeln mit Tastern für die Radfahrer aufgestellt werden. Das kann bis zu sechs Monate dauern, weil die Ampelschaltungen synchronisiert werden müssen.

Heinsberg. Es ist gerade einmal eine Woche her: Ein elfjähriges Mädchen wurde bei einem Unfall mit einem Lkw verletzt. Es war mit dem Fahrrad unterwegs. Zum Glück waren die Verletzungen des Mädchens nur leicht. Allerdings sind Fahrradunfälle in Heinsberg keine Seltenheit.

Im Schnitt gibt es in der Stadt Heinsberg im Jahr 67 Unfälle mit Radfahrern. In den vergangenen drei Jahren kamen zwei Radfahrer im Stadtgebiet ums Leben, 33 verletzten sich schwer, 165 leicht.

Damit ist Heinsberg die Stadt im Kreis mit den meisten Fahrradunfällen. Heinsberg ist also ein Gefährliches Pflaster für Radfahrer? Diese Aussage muss man relativieren. Heinsberg ist die größte Stadt im Kreis, dort sind die meisten Radfahrer und die meisten Autos auf den Straßen. Deshalb kracht es häufiger. Das zeigt auch die polizeiliche Unfallstatistik: 80 Prozent der Unfälle, bei denen Radfahrer beteiligt sind, ereignen sich auf innerörtlichen Straßen.

Die Realkreuzung im Blick

Aktuell haben die Polizei und das städtische Ordnungsamt eine Stelle besonders im Blick: die Realkreuzung, an der Unterbrucher, Wassenberger, Karl-Arnold-Straße und Nordtangente aufeinander stoßen. Dort gab es zuletzt fünf Unfälle mit Radfahrern, alle trugen leichte Verletzungen davon. Für die Behörden ist die Kreuzung daher eine „Unfallhäufungsstelle“. „Das ist im Moment eine ganz gefährliche Stelle“, sagt Michael Okuhn von der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde Heinsberg. Alle Unfälle ereigneten sich, als Radfahrer die Abbiegerspur überqueren wollten, um auf eine Verkehrsinsel zu kommen. Die beteiligten Behörden einigten sich darauf, dort zwei Ampeln mit Taster für Radfahrer aufzustellen. Die müssen mit den großen Ampeln synchronisiert werden. „Das ist sehr aufwendig“, sagt Wolfgang Paulus, Heinsbergs Ordnungs- und Sozialamtsleiter. Bis die Ampeln da sind, könne es deshalb bis zu sechs Monate dauern, sagt er. Schon jetzt gibt es Warnzeichen, die Autofahrer auf kreuzende Radfahrer aufmerksam machen sollen.

Manchmal helfen nur drastische Schritte, um die Straßen für Radfahrer sicherer zur machen. An der Ecke Hochstraße/Gaswerkstraße gab es über Jahre immer wieder viele Unfälle. Von 2003 bis 2009 gab es 19 Zusammenstöße von Autos, die aus der Gaswerkstraße herausfuhren, mit Radfahrern. „Nachdem eine Vielzahl von Maßnahmen keine Wirkung zeigte, wurde die Ausfahrt aus der Gaswerkstraße für Autos und Lkw verboten“, sagt Günter Reischert von der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde.

Experten sind uneinig

Beide Unfallhäufungsstellen zeigen, dass Radfahrer auch auf dem Radweg nicht immer sicher sind. Manche Experten sind der Ansicht, dass man den Radverkehr komplett auf die Straße holen sollte – am besten auf einem Schutzstreifen auf der Fahrbahn. Denn wenn Radfahrer auf dem Radweg eine Einmündung kreuzen, dann rechnen abbiegende Autofahrer oft nicht mit ihnen. Das Rad taucht dann plötzlich hinter parkenden Autos, Büschen oder einer Häuserecke auf. Fährt ein Radfahrer auf der Straße, befindet er sich viel mehr im Blickfeld der Autofahrer.

Welche der beiden Lösungen nun die bessere ist, kann Michael Okuhn auch nicht abschließend beantworten. „Es gibt einen immerwährenden Streit um die Frage, ob man den Radverkehr separieren soll oder ob der Mischverkehr sicherer ist“, sagt er. Fahren Radfahrer auf der Straße, komme es auch zu Problemen, sagt Okuhn: Autofahrer hielten beim Überholen nicht genügend Abstand, Radfahrer scheren wegen Hindernissen aus und die Geschwindigkeitsdifferenz von Rad und Auto kann groß sein.

An manchen Stellen ist der Platz, den sich Fußgänger, Radfahrer und Pkw teilen müssen, schlicht zu eng. Zum Beispiel an der Ecke Auf dem Brand/Liecker Straße. Dort gibt es einen schmalen, in beide Richtungen befahrbaren Radweg, der am Krankenhaus vorbeiführt. Daneben gibt es an der genannten Straßenkreuzung dicke Pfeiler und einen schmalen Fußweg. Das ist unübersichtlich. Es gebe eben gewachsene Strukturen, die man nur schwer verändern könne, sagt Wolfgang Paulus. „Da ist gegenseitige Rücksichtsnahme gefragt“, sagt er.

Rücksicht erwarten Radfahrer auch von Autofahrern. Wer ein paar Runden mit dem Rad über die Hochstraße dreht, stellt schnell fest, dass die Autofahrer dort dicht auffahren und mit wenig Sicherheitsabstand überholen. Und das, obwohl der Fahrradtachometer schon 14 Kilometer pro Stunde anzeigt – und das im verkehrsberuhigten Bereich.

Autofahrer nicht immer schuld

Aber Michael Okuhn meint, dass man den Autofahrern nicht die ganze Schuld zuschieben dürfe: „Die Radfahrer sind oft selber schuld an ihrem Unfall. Wir stellen fest, dass Regeln und Normen immer weniger eingehalten werden – auch von Radfahrern“, sagt er. Sie fahren über Gehwege, gegen die Einbahnstraße, diagonal über die Kreuzung, durch die Fußgängerzone und halten an der Ampel nicht an. All das sei gefährlich.

Trotz aller Schwierigkeiten ist Heinsberg für Radfahrer attraktiv. Es gibt viele Radwege und es fällt auf, dass viele Heinsberger mit dem Rad in der Stadt unterwegs sind.

Und die Verwaltung tue auch einiges dafür, dass Heinsberg fahrradfreundlich ist. Wolfgang Paulus kann vieles aufzählen: Bei Straßenbaumaßnahmen werde die Radmobilität immer berücksichtigt. „Vorbildlich“ seien die Hochborde für Radfahrer an der Industriestraße. Man habe zudem Erweiterungen für Radfahrer an der Kreuzung Hochstraße/Industriestraße und Kempener Straße geschaffen. Zudem gebe es Ladestationen für E-Bikes und geschützte Abstellmöglichkeiten für den Umstieg zum ÖPNV.

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