Umgeben von den Ideen der Vergangenheit

Von: Johannes Bindels
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Richard Theißen sitzt vor einer alten Flurkarte von Myhl und weist auf Veränderungen hin. Foto: Johannes Bindels
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Aus der Hauptstraße wurde die St. Johannes-Straße, der Wandel ist nachvollziehbar an den Fotos von 1930, ... Foto: Johannes Bindels
Myhl 1967
...1967... Foto: Johannes Bindels
Myhl 2013
und 2013. Foto: Johannes Bindels

Wassenberg-Myhl. „Woher willst Du wissen, wohin Du gehst, wenn Du nicht weißt, woher Du kommst?“ In vielen Alltagsgesprächen kann der Mensch auf Beispiele zurückgreifen, in dem ein Thema, manchmal auch ein Streitthema, behandelt wird und Argumente eingebracht werden, die klingen wie: „früher war es besser“ oder „bleib mir mit Geschichte vom Hals“.

Die einen greifen auf Wissen über Vergangenes zurück, die anderen wollen davon unbeeinflusst nur nach vorne schauen. Geschichte hängt von uns allen ab. Denn was die eine Generation an Fortschritt gewann, kann von der nachfolgenden wieder aufs Spiel gesetzt werden.

Wichtig im Umgang mit der Vergangenheit ist vielmehr, wie wir gemeinsam damit umgehen. Wir sind von den Ergebnissen der Ideen früherer Menschen umgeben, sei es in Form von Gebäuden, Denkmälern, Landkarten oder in Form von Gesetzen und Regelungen.

Wir stecken heute also mittendrin im Früher. Was liegt da näher, als auf das Wissen der Zeitzeugen zurückzugreifen und diesen Schatz solange zu heben, wie er zur Verfügung steht. In einer losen Serie mit dem Titel „Früher versus heute“ soll dies ein wenig geschehen.

Für den Ort Myhl standen mit Richard Theißen und Josef Schmalen zwei Zeitzeugen zur Verfügung, die ihr Wissen, ihre persönlichen Sammlungen, Daten und Fakten zur Verfügung stellten.

„Die erste Erwähnung Myhls stammt aus dem Jahre 1269“, beginnt Franz Theißen ein unterhaltsames Treffen. „Der Name Myhl für unsere Ortsteile Altmyhl am Floßbach und Myhl am Klingelbach ist in der am weitest verbreiteten Deutung von Professor Florax schon 1925 erarbeitet worden und soll wasserreicher, sumpfiger Wald heißen“, ergänzt er sachkundig und verdeutlicht die Bachläufe an einer alten Flurkarte.

Alte Straßenverläufe sind Belege einerseits für die lange Geschichte des Ortes Myhl und andererseits für den Wandel, den alte Ortschaften im Laufe der Jahrhunderte mitmachten. Aus der ehemaligen Hauptstraße wurde zum Beispiel die St. Johannes-Straße. „Früher waren viele der Häuser ohne festen Fußboden gebaut.

Der festgestampfte Lehmboden wurde gekehrt und dann mit Sand bestreut“, weiß Theißen auf die Bedeutung des „Sankhas“ zu verweisen, wie die Männer genannt wurden, die mit einem Karren von Haus zu Haus zogen, um sich mit dem Sand ein Zubrot zu verdienen. Der in Myhl gefundene Sand diente in alten Zeiten als Stubensand in Dielen und Wirtschaftsräumen.

Einer der aktiv als Kommunalpolitiker und Ortsvorsteher am Wandel und Erhalt der Ortschaft Myhl mitgearbeitet hat, ist Josef Schmalen. Am Beispiel der „Alten Schule“ weiß er zu berichten, wie mühselig es oft ist, alte Gebäude zu erhalten und in neue Funktionen zu überführen. Das äußere Bild der „Alten Schule“ blieb erhalten.

„Lange Jahre wurde das Gebäude vernachlässigt, so dass die Substanz einen erheblichen Renovierungsbedarf hatte. Es gab in den Jahren 1997/1998 intensive Diskussionen zwischen den verschiedenen Ratsparteien.

Und nur durch die tatkräftige, freiwillige Unterstützung der Myhler Feuerwehr konnten die notwendigen Arbeiten am Dachstuhl und im Keller den Erhalt des Gebäudes sichern“, berichtet Schmalen leidenschaftlich von den damaligen Schwierigkeiten.

Erst 2004 war es dann soweit, dass nach vielen Gesprächen, Lösungen der finanziellen Notwendigkeiten und durch das solidarische Miteinander der Betroffenen der Umbau gelungen war.

„Heute hat die Kindergartentagestätte Rosengarten ihre Räumlichkeiten im alten Gebäude, ebenso wie die Myhler Vereine und das kleine Heimatmuseum“, ergänzt Schmalen. Ein wenig schwingt der Stolz auf das Erreichte vernehmbar mit. Tradition und Fortschritt sind dank des Verständnisses für Geschichte eine Symbiose eingegangen zum Wohle der Bürger in Myhl.

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