Umfrage: Einzelhandel lebenswichtig für die Stadt

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
9927405.jpg
Die Heinsberger Innenstadt ist durch ihre Vielfalt stets ein Anziehungspunkt für Kunden auch über die Region hinaus. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Noch bevor unsere Leserinnen und Leser am Samstag die ersten Kreuzchen auf unseren Fragebogen setzen, ist die Redaktion sehr gespannt auf das Resultat. Gleich die erste Frage lautet „Wie bewerten Sie die Einkaufsmöglichkeiten in Ihrem Ort?“ Das Ergebnis sollte auch und gerade den Einzelhandel brennend interessieren.

Deshalb haben wir schon einmal im Vorfeld dem Vorsitzenden des Heinsberger Gewerbe- und Verkehrsvereins, Peter Gering, und seinem Stellvertreter Peter Heinrichs auf den Zahn gefühlt. Was glauben Sie wohl, wie das Ergebnis ausfällt und vor allem, was unseren Leserinnen und Lesern, also ihren Kunden, wichtig ist?

„Ich denke die Kunden erwarten von ihrem stationären Einzelhandel eine kompetente Vorauswahl bei der Sortimentsbildung“, glaubt Heinrichs. „Das beinhaltet, dass man innerhalb von Warengruppen ausschließlich schöne Ware anbietet mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und dabei die Emotionen des Kunden anspricht.“ Auch Gering sieht das so. „Der Kunde möchte seine Sinne angesprochen fühlen. Das kann er im Internet nicht in diesem Maße erleben. Das Fühlen gehört bei mir dazu.“ Gerade im Textilbereich spreche man von Feel- and Touch-Produkten, ergänzt Heinrichs.

Grundsätzlich erwarte der Kunde eine freundliche, verbindliche und kompetente Beratung. Da ist Gering sicher. „Auch ein Schaufenster muss ich immer wieder neu gestalten, so dass der Gewöhnungseffekt erst gar nicht auftritt.“ Der Kunde suche neben der Vielfalt an Einkaufsmöglichkeiten auch Einkehrmöglichkeiten, sagt Heinrichs. „Wir sehen uns da nicht als einzeln agierenden Einzelhändler, sondern als Gemeinschaft. Wenn keine attraktive Gastronomie in Heinsberg vorhanden wäre, dann würden auch die übrigen Geschäftsbetriebe darunter leiden.“

Heinsberg sei „von der Innenstadt her nicht so austauschbar wie das in anderen Städten der Fall ist“, schiebt Gering nach. „Ein wesentlicher Grund hierfür ist die große Zahl an Inhaber geführten Geschäften.“ Hier sei die Verbindlichkeit des Angebotes maximal, weil der Kunde nicht auf Entscheidungen warten müsse, sagt Heinrichs, sondern sofort eine Antwort auf seine Fragen erhalte.

Gering und Heinrichs sehen da die Heinsberger Einzelhändler auch ein wenig in der Pflicht. „Ich würde mir wünschen“, so Heinrichs, „dass der Einzelhändler in der Stadt Höchstleistung erbringt. Je besser alle Anbieter sind, desto besser ist die gesamte Marktleistung in einer Stadt. Wenn jeder seine Aufgaben macht und keine offenen Flanken hat.“

Wie schon so oft, wirbt Gering in diesem Zusammenhang wieder für ein größeres Engagement im Gewerbe- und Verkehrsverein. „Es wäre uns wichtig, dass mehr Leute im G & V mitarbeiten würden, um noch mehr kreative Impulse zu erhalten.“

Dass es nicht immer leicht ist, die Heinsberger Einzelhändler in ein Boot zu bekommen, zeigt Peter Heinrichs an einem Beispiel auf. „Wir würden uns wünschen, dass sich jeder an die Kernöffnungszeiten hält, damit man als Standort eine klare Aussage in Richtung des Kunden treffen kann.“ Eine Mittagspause „sollte es in einer Stadt mit unserem Anspruch nicht geben“, geht Gering sogar noch einen Schritt weiter. „Und samstags sollte 16 Uhr plus als Ladenschlusszeit obligatorisch sein.“

Eine Untersuchung in der Heinsberger Innenstadt, die noch unter einem von Gerings Vorgängern in Auftrag gegeben wurde, hatte vor einigen Jahren sage und schreibe 35 verschiedene Öffnungszeiten zutage geführt. Mittlerweile habe es da schon eine Verbesserung gegeben, meint Heinrichs.

Für besseres Verständnis

Zu einer Verbesserung des Verständnisses zwischen Einzelhändlern und Kunden dürfte auch die ungewohnte Frage beitragen, was denn eigentlich der stationäre Handel von den potenziellen Kunden erwarte? Aus ihrem Selbstverständnis heraus, dass der Händler stets den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden folgt, blicken sich Gering und Heinrichs an. Wäre es nicht fast schon unverschämt, hier Erwartungen zu äußern? – Wäre es nicht, denn auch die Bedürfnisse und die Bedeutung des Einzelhandels für eine Stadt sollten den Kunden durchaus klar gemacht werden.

„Ich würde mir wünschen“, beginnt Gering, „dass der Kunde uns die Chance gibt, die Arbeit, die wir gerne tun, auch für ihn machen zu dürfen. Es wäre schön, wenn der Buy-local-Gedanke sich in den Köpfen der Menschen noch stärker verankert. Der stationäre Einzelhandel ist für den natürlichen Kreislauf in einer Stadt lebenswichtig. Der Kunde kauft ein, wir zahlen Gewerbesteuer und die Stadt erfüllt dadurch Aufgaben für das Allgemeinwohl. Sie baut zum Beispiel Kindergärten oder Schulen. Zalando und Amazon bauen hier keine Schulen.“

Auch auf ein ehrliches Feedback hofft Heinrichs. „Wenn der Kunde Anregungen hat, die er gerne umgesetzt sehen würde, sollte er dies mitteilen. Der große Service Check, den wir gerade mit der Heinsberger Zeitung durchführen, geht genau in diese Richtung und soll es den Kunden erleichtern, uns auf dem Weg, die Qualität von Service und Produkten ständig zu steigern, zu unterstützen.“

Der Kunde erwarte vom Handel zudem, so Heinrichs weiter, dass er die Optik der Innenstadt aktiv und attraktiv gestalte, dafür sei natürlich eine Vielzahl von Kunden erforderlich, die ihr Geld in die Stadt trügen, um diese permanente Attraktivierung letztlich zu gewährleisten. „In den letzten Jahren hat sich Heinsberg sehr positiv entwickelt, was jeder Kunde anhand der Lebendigkeit in der Innenstadt Tag für Tag erleben kann. In Heinsberg werden unsere Kunden als Menschen willkommen geheißen, was sicherlich eine größere Freude ist als die Anonymität beim Kauf im Netz.“

Um denn auch als „Mensch“ noch in wenig entspannter sein zu können beim Shoppen, rät Heinrichs augenzwinkernd dazu, vielleicht zu Beginn schon die Parkuhr ein wenig mehr zu füttern. Ach ja, zum Thema Parken gäbe es wohl auch noch das eine oder andere zu sagen, aber das würde hier wohl den Rahmen sprengen . . .

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert