Erkelenz-Houverath/Hückelhoven-Doveren - Uhu verschwunden: Die Suche nach dem vermissten Vogel

Uhu verschwunden: Die Suche nach dem vermissten Vogel

Von: Daniel Gerhards
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Wo ist der Uhu aus der Kiesgrube zwischen Hückelhoven-Doveren und Erkelenz-Houverath? Bislang ist die Suche nach dem Vogel erfolglos. Vieles deutet darauf hin, dass das Tier eingefangen wurde, um es zu Geld zu machen. Foto: stock/blickwinkel, dpa, Daniel Gerhards

Erkelenz-Houverath/Hückelhoven-Doveren. So ganz genau weiß man noch nicht, was mit dem Uhu passiert ist. Bis letzte Woche brütete der große Vogel auf einem Vorsprung einer steilen Wand in der Kiesgrube zwischen Hückelhoven-Doveren und Erkelenz-Houverath. Von einem Tag auf den anderen war er weg. Der Verdacht von Kiesgrubenbetreiber Helmut Zurkaulen: Jemand hat den Vogel gefangen, um ihn zu Geld zu machen.

Die Geschichte der Reihe nach: Mitte März entdeckte Zurkaulen das Tier mit samt seinem Gelege. Das meldete er den zuständigen Behörden. Dann lief erstmal alles glatt. Der Vogel und die Arbeiter in der Kiesgrube ließen sich gegenseitig gewähren.

Und dann passierte etwas, wofür Helmut Zurkaulen bis heute jedes Verständnis fehlt. Jemand muss den Uhu eingefangen und mitgenommen haben. Am Nachmittag des 27. April waren noch bis 17 Uhr Lkw-Fahrer auf dem Gelände, die bezeugen, dass der Uhu noch da war. Um 18.30 Uhr kam Jäger Adolf Putzki vorbei, um – wie sehr häufig in den vergangenen Wochen – nach dem Tier zu schauen. Und er sah keinen Uhu mehr. Das einzige, was zu finden war, waren Pkw-Spuren in der Kiesgrube und Spuren, die darauf hindeuten, dass jemand an der Wand zum Uhu-Nest hinaufgeklettert ist.

DNA-Probe

Zunächst seien das Nest mit einem bereits geschlüpften Jungen und zwei Eiern noch da gewesen. Am nächsten Morgen war das Gelege aber ebenfalls verschwunden. „Als ich gesehen habe, dass der Uhu nicht mehr da ist, habe ich mich richtig erschrocken. Das ist sehr, sehr traurig“, sagt Zurkaulen.

Und wieder informierte Zurkaulen die Behörden. Er erstattete Anzeige bei der Polizei und meldete den Vorfall bei der Unteren Landschaftsbehörde. Letztere nahm eine DNA-Probe von den Überbleibseln des Uhu-Nestes. Damit solle ein möglicher Täter überführt werden, falls er das Tier zum Beispiel für eine Falknerei beim Kreis anmeldet.

Auch die Polizei geht derzeit davon aus, dass es einen Täter gibt, der den Vogel einfach eingefangen und mitgenommen hat. Dass in freier Wildbahn lebende Tiere gefangen und verkauft werden, kommt laut Kreis Heinsberg zwar ab und an vor – zum Beispiel bei bestimmten Froscharten. An einen Fall, der mit dem des verschwundenen Uhus zu vergleichen ist, kann sich Polizeisprecher Karl-Heinz Frenken allerdings nicht erinnern.

Für die Polizei ist das demnach zwar ungewöhnlich aber längst kein Kavaliersdelikt. Wenn sich herausstellt, dass der Vogel wirklich eingefangen wurde, dann ist das ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz und das Tierschutzgesetz. Es drohen hohe Geldstrafen und Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren, sagt Frenken. Denn Uhus zählen zu den streng geschützten Tierarten. Im gesamten Kreis Heinsberg gibt es laut Kreisverwaltung vier bis fünf Uhu-Pärchen. Und das sei für ein Gebiet der Größe des Kreises schon sehr viel, sagt Pressesprecher Ulrich Hollwitz. Denn Uhus hätten ein etwa zehn bis 20 Quadratkilometer großes Revier. Und darin duldet ein Uhu-Pärchen normalerweise keine Artgenossen. Wo die Vögel genau leben, möchte Hollwitz wegen des jüngsten Vorfalls nicht sagen.

Dass der Vogel sehr selten ist, kann auch Putzki bestätigen. „Ich gehe seit 50 Jahren zur Jagd, aber einen Uhu hatte ich hier vorher noch nie gesehen“, sagt er. Deshalb habe er den Uhu fast jeden Tag mit seinem Fernglas beobachtet. „Und dann sowas. Wer macht sowas“, sagt Putzki. Er und Zurkaulen sind mächtig sauer, dass sich jemand an dem Tier zu schaffen gemacht hat.

Zurkaulen vermutet, dass der Uhu mit einem großen Köcher gefangen wurde. Denn die Spuren reichen nur bis etwa zwei Meter unter die Brutstätte des Uhu. Aber das könnte wohl nur ein Profi gemacht haben. Denn der Uhu kann bis zu 75 Zentimeter groß werden. So ein Vogel kann sich wehren – auch mit spitzem Schnabel und Krallen.

Aber welcher Vogeldieb hätte auf das Gelände der Kiesgrube kommen können? „Es muss jemand gewesen sein, der einen Schlüssel hatte“, sagt Zurkaulen. Das schränkt den Kreis der Verdächtigen zwar ein, er bleibt aber trotzdem recht groß. Denn Zurkaulen hatte auch mehreren Kunden Schlüssel gegeben, damit sie abends oder am Wochenende in die Kiesgrube können. „Vielleicht war es ein Lkw-Fahrer. Oder einer der Fahrer hat den Schlüssel weitergegeben“, sagt er. Denn dass der Uhu an der Wand in der Kiesgrube lebt, hatte sich herumgesprochen. „Das wussten schon viele Leute“, sagt Zurkaulen. Mittlerweile hat er die Schlösser ausgetauscht.

300 Euro Belohnung für Hinweise

Dass so ein Tier Kriminelle anlocken kann, konnte sich Zurkaulen zunächst auch nicht vorstellen. Aber er habe nun gerüchteweise gehört, dass ein Uhu auf dem Schwarzmarkt bis zu 10 000 Euro wert sei. Das haben seine Recherchen im Internet zwar nicht bestätigt. Aber: „Da hat jemand einen Uhu aus der Ukraine für 400 Euro angeboten“, sagt Zukaulen.

Er hofft nun, dass die Polizei den Täter fasst. Weil er unbedingt will, dass der Übeltäter gefasst wird, hat Zurkaulen eine Belohnung in Höhe von 300 Euro für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ausgesetzt. Hinweise nimmt die Kriminalpolizei in Hückelhoven, Telefon 02452 9200, entgegen.

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