Überraschend wenig Fälle von Hitzeschlag

Von: Rainer Herwartz
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Prösterchen: Dr. Jürgen Minartz, Chefarzt am Krankenhaus in Heinsberg, rät dazu, an heißen Tagen mindestens einen Liter Flüssigkeit mehr als sonst üblich zu trinken. Foto: Rainer Herwartz
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Eine kühlende Idee: Der kleine mobiler Eiswagen bringt den Patienten des Heinsberger Krankenhauses kostenlos eine leckere Abwechslung.

Heinsberg. Erst einmal soll sie ja nun vorbei sein, die Bullenhitze, die in der letzten Woche und auch noch am Wochenende die Repu-blik fest umklammert hatte. Gerade ältere oder kranke Menschen dürften aufatmen. Über einen sonnig-warmen Sommer freut sich wohl jeder, doch diese Kletterrekorde des Thermometers waren zweifellos ein wenig zu viel des Guten.

Das meint auch Dr. Jürgen Minartz, der Internist und Chefarzt am Städtischen Krankenhaus in Heinsberg, zog für unsere Zeitung eine kleine Bilanz der heißen Tage und gibt wichtige Tipps für die nächste Hitzewelle, denn die kommt bestimmt. Garantiert.

„Es gab in den letzten Tagen überraschend wenig so genannte Hitzeschläge zu verzeichnen“, sagt Minartz. „Betroffen war nur ein Bauarbeiter, der typische Symptome zeigte, Kopfschmerzen und Benommenheit. Man kann sich das so vorstellen wie eine Hirnhautentzündung. Wir hatten da mit sehr vielen Fällen gerechnet. Dass es nur einer war, spricht dafür, dass die Menschen offenbar schon Vorsorge getroffen haben. Sie trugen Kopfbedeckungen oder haben den Aufenthalt in der prallen Sonne gemieden.“

Dennoch, gibt Minartz auch die Einschätzung seiner Kollegen wieder, seien Fälle von Nierenversagen deutlich häufiger aufgetreten. „Vor allen bei Patienten, die zum Beispiel wegen zu hohen Blutdrucks entwässernde Medikamente nehmen.“ Die stark erhöhten Nierenwerte stellten sich meist jedoch erst durch die routinemäßigen Laboruntersuchungen heraus. Die Patienten selbst merkten davon zunächst nichts. Auch Menschen mit einer Herzschwäche machte das Wetter zu schaffen. „Alte Menschen sind natürlich immer gefährdet, weil sie oft zu wenig trinken. Sie haben einfach nicht mehr so einen Durst. Die Steuerungsmechanismen funktionieren aufgrund einer altersbedingten Degeneration nicht mehr so gut wie bei jungen Menschen.“

Die Anzeichen für einen Wassermangel reichten von Schwindel zum Beispiel beim Aufstehen bis hin zu einer kurzfristigen Bewusstlosigkeit, einem regelrechten Kollaps.

Doch nicht nur die Patienten hätten in den letzten Tagen unter der Rekordhitze gelitten. „Auch das Personal, da außer im Intensiv- und OP-Bereich und wenigen anderen Behandlungsbereichen keine Klimatisierung gegeben ist.“ Selbst bei der Einrichtung neuer Stationen wie zum Beispiel der Palliativstation sei die Etablierung von Klimaanlagen immer wieder diskutiert worden. „Wir haben uns aber letztlich dagegen entschieden. Aus hygienischen Gründen, denn eine Klimaanlage würde einen riesigen Wartungsaufwand erfordern.“

Letztlich, so meint Minartz, müsse sich jeder Mensch so gut es eben gehe auch selbst gegen die Folgen von Sonne und Hitze schützen. „Wichtig ist es, ausreichend zu trinken. Genügen in der Regel bei normalen Temperaturen 1,5 bis 2 Liter am Tag, so sollte man jetzt einen Liter draufschlagen. In Absprache mit dem Hausarzt sollte zudem vielleicht auf entwässernde Tabletten verzichtet werden.“ Was letztlich getrunken werde, sei gar nicht so entscheidend, sagt Minartz. Sport sollte seiner Ansicht nach übrigens auch nicht „überzogen werden. Steigende Ozonwerte vermindern nämlich die Sauerstoffaufnahme, was zumindest bei Lungen- und Herzpatienten zu Problemen führen kann“.

Das Heinsberger Krankenhaus hat übrigens für die heißen Tage eine besonders gelungene Idee umgesetzt. Seit etwa zwei Wochen macht ein kleiner mobiler Eiswagen regelmäßig Station auf den Stationen und bringt kostenlos die leckere Schleckerei an den Mann – und die Frau selbstverständlich.

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