Übergriff auf Flüchtlinge: Verdächtiger wieder frei

Von: Daniel Gerhards
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Eine Andacht am Tatort: Am Dienstag soll es einen Gottesdienst am Wassenberger Busbahnhof geben. Foto: Daniel Gerhards

Wassenberg. Nach dem Überfall von sieben vermummten und bewaffneten Schlägern auf drei Asylbewerber ist ein 17-jähriger Verdächtiger wieder auf freiem Fuß. Der junge Mann, der schon mit einschlägig rechten Delikten in Erscheinung getreten war, konnte laut Aachener Polizei nicht länger festgehalten werden, da für eine weitere Haft nicht genügend Gründe vorgelegen hätten.

Laut Polizeisprecherin Sandra Schmitz gebe es keine rechtliche Handhabe, ihn weiter festzuhalten. Die Schläger hatten bei ihrem Angriff rechte Parolen gebrüllt.

Der 36-jährige Asylbewerber, der bei dem Übergriff am Dienstagabend schwer verletzt worden war, wurde am Donnerstag aus dem Krankenhaus entlassen. Er und die beiden anderen Opfer wurden mittlerweile vom Staatsschutz befragt. Auch Zeugen wurden vernommen. Zu den Ergebnissen der Befragungen machte die Polizei keine Angaben. „Bei uns gehen immer noch neue Hinweise ein. Es stehen also auch noch weitere Vernehmungen an“, sagte Schmitz.

Der Staatsschutz ist weiter auf der Suche nach Tätern, die an dem brutalen Angriff auf die Flüchtlinge beteiligt waren. Neue Festnahmen konnte die Polizei am Freitag nicht melden. „Die Ermittlungen laufen“, sagte Schmitz.

Obwohl dem Staatsschutz eine rechte Szene in Wassenberg bekannt ist, steche die Zahl der Delikte mit rechtsradikalem Hintergrund in Wassenberg nicht heraus. Im Jahr 2011 gab es im Kreis Heinsberg 52 Delikte mit rechtem Hintergrund, davon zehn in Wassenberg. 2012 waren es 61 Fälle, davon acht in Wassenberg. 2013 lag die Zahl der rechten Delikte kreisweit bei 78, davon acht in Wassenberg. Zahlen für 2014 liegen dem Staatsschutz noch nicht vor. Laut Polizeisprecherin Sandra Schmitz sei aber davon auszugehen, dass sie sich für 2014 in einer ähnlichen Größenordnung bewegen. Eines zeigen die Zahlen: Bei den rechten Delikten ist die Tendenz steigend.

Engagierte Wassenberger

Am Freitag zeigte sich die Grüne Fraktion im Wassenberger Rat „entsetzt und fassungslos“ über den fremdenfeindlichen Anschlag. Fraktionsvorsitzender Robert Seidl brachte eine Resolution ein, die der Rat in seiner Sitzung am 19. März verabschieden soll. Er nimmt darin Bezug auf die NSU-Morde und die „schrecklichen Ereignisse von Hoyerswerda, Rostock und Lichtenhagen“.

Seidl schreibt: „Auch in Wassenberg ist es in der Vergangenheit wiederholt zu Ausschreitungen mit Körperverletzungen aus der rechten Szene gekommen. Dies verurteilen wir aufs Schärfste.“ Deshalb wolle man ein Zeichen setzen und für Vielfalt, Toleranz und Solidarität eintreten. Er ging darauf ein, dass sich viele Bürger im Flüchtlingsnetzwerk Wassenberg für Asylbewerber engagierten

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