Wassenberg - Überfall auf Flüchtlinge: 350 Wassenberger zeigen Solidarität

Überfall auf Flüchtlinge: 350 Wassenberger zeigen Solidarität

Von: Daniel Gerhards
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Ein Zeichen der Solidarität: Rund 350 Menschen nahmen am Dienstagabend an einer Andacht am Wassenberger Bushof teil. Damit wollten sie den drei Opfern des rechtsradikalen Übergriffs ihren Beistand bekunden. Foto: Daniel Gerhards
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Sie bekundeten ihren Beistand für die Opfer des rechtsextremen Übergriffs in Wassenberg: Superintendent Jens Sannig, Pfarrerin Sabine Frauenhoff und Pater Gerald Tanyé (v.l.).

Wassenberg. Vielleicht war es ein Zeichen, dass er noch nicht mit Deutschland abgeschlossen hat. Aziz, der Mann aus Marokko, der letzte Woche Dienstag von sieben rechten Schlägern krankenhausreif geprügelt worden war, trug eine weiße Mütze. Am Schirm der Kappe waren die Farben Schwarz, Rot und Gold abgesetzt.

Vielleicht möchte er damit zeigen, dass er daran glaubt, dass die meisten Menschen in Wassenberg nicht so denken, wie die Rechtsradikalen, die ihn und zwei weitere Flüchtlinge angegriffen hatten.

Dass die Zahl der Wassenberger, die sich mit den Opfern des Übergriffs solidarisch zeigt, groß ist, wurde am Dienstagabend bei einer Andacht am Wassenberger Bushof deutlich. Rund 350 Menschen waren gekommen, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz zu setzen. Sie zündeten Kerzen an, sprachen Gebete und sangen.

Zur Andacht hatten das Flüchtlings-Netzwerk Wassenberg und der Kirchenkreis Jülich aufgerufen. „Das soll ein Punkt, ein Ort und ein Zeitraum sein, um Solidarität zu bezeugen“, sagte Jutta Schwinkendorf, die für beide aufrufenden Organisationen arbeitet.

Provoziert, angespuckt und niedergeknüppelt

Aziz, der seit vier Monaten in Wassenberg lebt, waren die Wunden des Übergriff noch anzusehen. Er geht auf Krücken, hat einen Bänderriss und Verletzungen an Kopf und Ellenbogen. Die rechten Angreifer hätten ihn und zwei weitere Flüchtlinge aus Nordafrika zunächst provoziert, angespuckt und seien dann mit Schlagstöcken auf sie losgegangen. Aziz sei zu Boden geworfen worden, dann hätten die Täter auf seine Knie eingetreten und ihn mit Stöcken geschlagen. Die Angst stecke ihm noch in den Knochen. Und er stelle sich die Frage, was geschehen könne, wenn er das nächste Mal alleine unterwegs ist.

Superintendent Jens Sannig verurteilte den Angriff auf die drei Asylbewerber. „Hass auf Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, darf um Gottes Willen nicht sein“, sagte er. Die islamfeindliche Bewegung „Pegida“ habe es salonfähig gemacht, auf Flüchtlinge und andere Ausländer zu schimpfen. „Fremdenhass und Rechtsex-tremismus sind mit nichts zu begründen und zu rechtfertigen“, sagte er.

Rechte Gewalt fordere dazu heraus, für eine vielfältige Gesellschaft einzutreten, sagte Sannig. Wichtig war ihm, zu zeigen, „dass die Opfer nicht allein sind“.

Pater Gerald Tanyé sagte, dass man stärker gegen fremdenfeindliche Tendenzen in der Gesellschaft vorgehen müsse: „Wir müssen uns eingestehen, dass wir nicht entschieden genug gegen latenten und offenen Rechtsextremismus eingetreten sind.“ Dass ein Übergriff auf Asylbewerber in Wassenberg geschehen konnte, beschäme ihn. „Dass wir eine gewaltbereite rechtsextreme Szene in unserer Mitte haben, dürfen wir nicht länger leugnen“, sagte Tanyé.

Polizei verteilt Platzverweise

Laut Polizei blieb es während der Andacht ruhig. Vorab verteilte sie allerdings einige Platzverweise an junge Männer mit rechter Gesinnung, die sich am Bushof aufhielten. Die Aachener Polizei gab zu den Ermittlungen zum Überfall keine neuen Details bekannt.

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