Kreis Heinsberg - U3-Betreuung: Niemandem ist bange

U3-Betreuung: Niemandem ist bange

Von: Norbert F. Schuldei
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Auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung haben bald auch die ganz Kleinen Anspruch. Foto: D. Fischer

Kreis Heinsberg. So einfach ist das also: „Wenn wir Probleme bekommen, dann lösen wird die“. Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder bleibt ausgesprochen cool, wenn er auf das Thema „Krippenplätze“ angesprochen wird. Das hatte in den vergangenen Tagen so hohe Wellen geschlagen, dass sich gar Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zu einer Stellungnahme veranlasst sah.

 Vor einer „Mogelpackung“ beim Kita-Ausbau warnte sie. Und dass an der „Qualität der Betreuung“ nicht gerüttelt werden dürfe mahnte sie.

Im Kreis Heinsberg sieht man von Wegberg im Norden bis Übach-Palenberg im Süden dem 1. August ausgesprochen gelassen entgegen. Von diesem Stichtag an haben die Eltern von Kindern bis drei Jahre einen Rechtsanspruch auf einen Platz für ihr Kind in einer Tageseinrichtung. Konkret heisst das: Wenn den Eltern kein Platz für ihr Kleinkind angeboten werden kann, dann können sie diesen Platz einklagen – sie haben ja einen Rechtsanspruch darauf.

Zum Hintergrund: Auf dem so genannten Krippengipfel im Jahr 2007 haben der Bund und die Länder den bis dahin bestehenden Rechtsanspruch der Eltern auf einen Platz in einer Tagesstätte für Kinder, die älter als drei Jahre sind auch auf Kinder im Alter von eins bis drei Jahren erweitert. Auf das gesamte Bundesgebiet bezogen geht man davon aus, dass 35 Prozent der Eltern mit einem Kind in diesem Alter das Angebot nutzen werden. Auf die Städte und Gemeinden kam damit eine ungeheure Aufgabe zu, denn die wenigsten Kindergärten waren für die Betreuung von Kleinkindern geeignet – weder von den Räumlichkeiten, noch vom Personal her. Es musste also aufgerüstet werden.

Das galt natürlich auch für die Kommunen im Kreis Heinsberg. Da wurden teilweise regelrechte Kraftanstrengungen unternommen, um die am grünen Tisch beschlossene Regelung vor Ort in die Tat umzusetzen. Seit 2010 flossen von Düsseldorf 440 Millionen Euro Zuschüsse für den Ausbau der U 3-Plätze ins Land.

Das Ergebnis mit Stand von Donnerstag: Für das Kreisjugendamt mit den Kommunen Gangelt, Selfkant, Übach-Palenberg, Waldfeucht, Wassenberg und Wegberg sind 628 Betreuungsplätze in Tageseinrichtungen für Kinder vorgesehen. „Für das Kindergartenjahr 2013/14 stehen mindestens 547 Plätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung. Damit“, sagt Kreisjugendamtsleiter Hans-Jürgen Oehlschläger, „ist eine Betreuungsquote von rund 38 Prozent erreicht“. Zudem sind noch einige Baumaßnahmen, durch die die Kindertagesstätten für die U3-Betreuung fit gemacht werden, im Gange. Am Ende wird für 40 Prozent der unter Dreijährigen ein Platz in einer Tageseinrichtung des Kreisjugendamtes angeboten werden können.

So weit, so gut. Aber wie sieht es in den Städten aus, die ein eigenes Jugendamt betreiben und selbst dafür sorgen müssen, dass die Kita-Plätze da sind? In Heinsberg stehen mit Beginn des Kindergartenjahres 190 dieser Plätze zur Verfügung – das sind 29,5 Prozent. Zu wenig also. Ziel verfehlt? Mitnichten: Man rechnet die Plätze in der Tagespflege dazu – und schwupps, ist man bei 35,7 Prozent Abdeckung.

Auch in Hückelhoven wird sich die angestrebte Versorgungsquote von 35 Prozent „nur in Kombination mit einer deutlichen Steigerung der Kindertagespflegeplätze erreichen lassen“, wie Jugendamtsleiter Ralf Schwarzenberg sagt. In Erkelenz verfügt man über 311 Plätze in der U 3-Betreuung – bei 730 Kindern, die dafür infrage kommen. „Die Kindergärten Kolpinghof und Am Hagelkreuz werden derzeit noch für eine halbe Million Euro ausgebaut“, sagt Jugendamtsleiter Claus Bürgers. 31 Plätze für die ganz Kleinen bringt das zusätzlich.

Ob die massiven finanziellen Investitionen der Gemeinden und auch des Landes überhaupt notwendig sind, muss man abwarten. Bei allen absoluten Zahlen und Prozentberechnungen hantiert man nämlich mit einer ganz großen Unbekannten: Eltern, die für ihr Kind im zweiten und dritten Lebensjahr keinen Kita-Platz oder keine staatlich geförderte Tagesmutter in Anspruch nehmen, erhalten ab 1. August 2013 ein Betreuungsgeld von zunächst 100 Euro monatlich, ab 2014 dann 150 Euro.

„Wir wissen nicht, wie die Eltern auf die Einführung des Betreuungsgeldes reagieren“, sagt Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen. Aber: „Wir sind für alle Eventualitäten aufgestellt.“

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