Traditionell türkisch Hochzeit feiern: Meistens Geld- und Goldgeschenke

Von: Anna Petra Thomas
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Festhalle Oberbruch und türkische Hochzeiten – das passt zusammen, finden Josef Füßer (links) von der Interessengemeinschaft und Veranstalter Fatih Deniz Caglar. Foto: Anna Petra Thomas
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Fatih Deniz Caglar organisiert türkische Hochzeiten: Mit Hunderten von Gästen können die Paare in der Festhalle in Oberbruch feiern. Repro: anna

Heinsberg-Oberbruch. Hochzeit feiern auf Türkisch mit ganz vielen Gästen, das geht auch in unserer Region wieder, seit die „Interessengemeinschaft Oberbruch (IGO)“ 2020 den Betrieb der Festhalle übernommen hat. Seit fast zwei Jahren kooperiert die IGO dabei mit Fatih Deniz Caglar, der in Birgden lebt.

Mit Unterstützung vieler Familienmitglieder sorgt er dafür, dass türkische Mitbürger ihre Hochzeit auch hier in Deutschland so feiern können, wie es ihrer Tradition entspricht. „Ortaköy Events“ nennt sich das Team nach dem Istanbuler Stadtteil Ortaköy, der direkt am Bosporus liegt und den asiatischen mit dem europäischen Teil der Türkei verbindet.

Hochzeitsgesellschaften mit Hunderten Gästen sind für Caglar und seine Mitstreiter kein Problem. „Wir haben halt viele Verwandte und Bekannte“, erklärt der 30-Jährige auf die Frage nach der großen Zahl der Gäste.

Alle Materialien für die entsprechende Dekoration wie Stuhlhussen und Tischdecken oder andere Dekorationsmaterialien für die Tische oder gar für die Wände der Festhalle hat er angeschafft und lagert sie direkt in der Festhalle. Wenn eine große Hochzeitsfeier ansteht, von denen er mittlerweile bereits einige organisiert hat, steht ihm die Halle dafür jeweils ab mittwochs für eine Woche zur Verfügung.

Sein Vater habe schon früher derartig große Feiern in der Festhalle veranstaltet, erzählt Caglar. Dennoch sei man an die ersten Veranstaltungen dieser Größenordnung kritisch herangegangen, erklärt Josef Füßer, Vorsitzender der IGO. Nach den ersten „Runden“ müsse er jedoch feststellen, dass es sich bei den Hochzeitsfeiern von Caglar und seinem Familienteam um „Qualitätsveranstaltungen mit Niveau“ handele. Weitere seien daher jetzt vereinbart worden.

Mehr noch, wird Caglar sein Angebot jetzt auch weiter internationalisieren, etwa in Form tamilischer, marokkanischer oder russischer Hochzeitsfeiern, die auch oft hohe Gästezahlen haben. „Das ist hier ein Bürgerhaus“, betont Füßer. Das heiße, dass es für eine Feier in der Festhalle nicht interessiere, wo der Mensch herkomme. „Da kann jeder machen, was er will“, schmunzelt er, „solange er sie nicht abreißt.“ Dem stimmt sein türkisches Gegenüber natürlich zu: „Religion und Herkunft sucht sich keiner aus, deshalb müssen wir jeden so behandeln, wie er ist.“

Das tut Caglar auch bei seinen Feiern, wo er sich nicht nur nach den Wünschen der jeweiligen Brautpaare und ihrer Eltern richtet, sondern auch vieles gleich für sie organisiert, wie etwa die fünf- bis siebenstöckige, traditionelle Hochzeitstorte, die inzwischen auch schon beim Bäcker direkt in Oberbruch erhältlich ist.

Früher seien die Türken für ihre Hochzeitsfeiern nach Aachen, Mönchengladbach oder Köln ausgewichen. Jetzt habe er für die Festhalle in Oberbruch schon Paare aus derselben Region gewinnen können, erzählt er.

Die Hochzeit selbst vollzieht sich dabei meist schon vor dem Tag der Feier, der ein Samstag ist. Zu dem, was hierzulande die standesamtliche Trauung sei, fahre das Paar ins Konsulat nach Köln, erzählt Caglar. Die religiöse Trauung vollziehe der Imam bei der Braut zu Hause. „Wenn der Bräutigam die Braut dann zur Hochzeitsfeier zu Hause abholt, betet der Imam dann noch mal“, erzählt Caglar und schmunzelt: „Doppelt hält besser.“

Bei der Hochzeitsfeier, die meist um 17 Uhr beginne, werde dann zunächst getanzt und gegessen. Die Geschenkübergabe sei danach ein ganz wichtiger Programmpunkt, bei dem das Brautpaar vor allem Geld und Gold erhalte. Ja, an die Kleidung gesteckt werde das auch noch, viele Brautpaare würden aber auch schon eine Box aufstellen, um ihre Geschenke zu sammeln. Danach erst werde die Hochzeitstorte angeschnitten und weiter getanzt.

Klar gebe es auch schon Mal Streit, „aber nur in der Sache“, fügt Füßer schmunzelnd hinzu, „und meistens um die mehrfache Nutzung der Küche“. Denn ansonsten könnten aufgrund einer „hervorragenden Raumstruktur“ bis zu vier Gesellschaften in der Festhalle feiern, ohne einander dabei überhaupt zu begegnen.

Nur einer dieser kleineren Räume ist während einer türkischen Hochzeit blockiert: Der Raum „Eschweiler“ wird dann zu einem Betraum für die muslimischen Gäste.

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