Tour der Tortur: Sechsmal auf den Gipfel

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:
5240073.jpg
Nico Pleeging aus Wehr wird am 6. Juni den Berg nach Alpe d‘ Huez hochradeln, um Spenden für die Krebsforschung zu sammeln. Foto: Franz Windelen

Selfkant-Wehr. Die Bilder sind noch allzu präsent: das Duell der Giganten hinauf zum Alpenort Alpe d’ Huez. Lance Armstrong und Jan Ullrich schieben sich bei der Tour de France - mit schmerzverzerrten Mienen – über den Gipfel. Allerdings – wie wir nun alle offiziell wissen – gedopt bis unter die Haarspitzen. Aber es geht auch ohne verbotenen chemischen Treibstoff. Ein Beispiel hierfür sind Menschen wie Nico Pleeging.

Der Niederländer, der mit seiner Familie in Selfkant-Wehr wohnt, ist einer jener Radsportler, die die gefürchtete Tortur nach Alpe d’ Huez in Angriff nehmen – und auch (in aller Regel) meistern. Etwas langsamer zwar, aber sauber. Nicht um das Gelbe Trikot, sondern um Geld für den guten Zweck zu gewinnen.

Nico Pleeging ist von Beruf keineswegs Radrennfahrer, sondern Betriebswirt bei einem niederländischen, landesweit agierenden Ingenieurbüro. Aber sein großes Hobby ist das Radfahren. Und hier ist die Verbindung zu seinem sozialen Engagement, zu der caritativ tätigen Stiftung „Alpe d‘ HuZez“. Alpe d‘ HuZes – das ist mit dem Z in der Mitte ein niederländisches Wortspiel. „Zes heißt sechs. Sechsmal gilt es, die 14 Kilometer nach Alpe d’ Huez zu bezwingen.

Sechsmal an einem Tag. Das ist natürlich auch eine extreme sportliche Herausforderung, aber Ziel ist es, mit der Veranstaltung Spenden für die Krebsbekämpfung und -prävention zu sammeln“, sagt Nico Pleeging. Am 5. und 6. Juni ist es wieder soweit, dann ruft wieder der Berg in den französischen Alpen.

„Aus den gesamten Niederlanden reisen die Teilnehmer an, um für den guten Zweck zu radeln. Das ist ein großes Happening, das auch für das Fernsehen von Interesse ist“, freut sich Pleeging, der in diesem Jahr zum ersten Mal für Alpe d’ HuZes den französischen Gipfel erklimmen wird. „Privat bin ich schon mal vor Jahren hochgefahren. Ganz schön anstrengend“, erinnert sich Nico Pleeging.

Deshalb ist – soweit es seine Freizeit zulässt – Training angesagt, Straßenkilometer fressen für die Kondition. Zusammen mit sieben Freunden und Arbeitskollegen bereitet sich Pleeging auf das Ereignis im Sommer vor.

„Ich hoffe, dass ich auf den Punkt genau fit sein werde“, sagt der 48-Jährige. Eines ist für ihn klar: „Aufgeben ist keine Option“. So ist die Veranstaltung von Alpe d‘ HuZez überschrieben. Das Motto ist in doppelter Hinsicht Ermunterung: Damit ist für die einen die persönliche Bekämpfung ihrer Krebskrankheit gemeint und für die anderen die sportliche Herausforderung im steilen Anstieg.

Es waren ehemalige Krebspatienten und deren Familien, die 2006 die damals eher symbolisch ausgelegte Initiative ins Leben riefen und mit ihrem radsportlichen Kraftakt den Impuls für das Benefiz-Radeln in den Alpen gaben. Die Tour nach Alpe d’ Huez löste eine wahre Spendenlawine aus. „Bis heute sind 75 Millionen Euro gesammelt worden, die eins zu eins in die Krebsforschung und -bekämpfung fließen“, bilanziert Pleeging.

Zu verdanken ist dies solch engagierten Menschen wie ihm. Denn, so das Erfolgsprinzip: „Jeder Teilnehmer hat zugesagt, mindestens 2500 Euro zusammenzubringen. Über Familie, Bekannte, und Kollegen habe ich bereits Spenden in Höhe von 1700 Euro.“

Sein Arbeitgeber steuert ebenfalls einen Obolus bei und bezahlt die Unterkunft in Frankreich. Ende April wird er mit Arbeitskollegen eine Rad-Tour durch die Niederlande machen und die neun Zweigstellen seiner Firma besuchen, um auch dort einige Euro für den guten Zweck locker zu machen.

Mit seinem sozialen und finanziellen Engagement befindet sich Nico Pleeging in einer großen Gemeinde Gleichgesinnter. In diesem Jahr sind es nach Angaben des Wehrers insgesamt 9127 Gipfelstürmer, die caritativ und sportlich motiviert in die Pedale treten; unterm Strich könnten 30 Millionen Euro Spendengelder zusammenkommen. Bereits jetzt wird ein Spendenstand von 9,4 Millionen Euro notiert.

In einigen Monaten kommt für Nico Pleeging die Stunde der radsportlichen Wahrheit. Er könnte auch, nämlich am ersten Tag, dem 5. Juni, die etwas weniger energieschluckende Tour mit drei Etappen nehmen. Das kommt für ihn nicht in Frage. „Wie heißt doch das Motto: Aufgeben ist keine Option.“

Warum nimmt ein Mensch für andere Menschen solche körperliche Strapazen auf sich? Schließlich, so hat er ausgerechnet, dürfte er für die sechs Etappen etwa zwölf Stunden unterwegs sein. Seine Antwort kommt spontan: „Ich will mich mit etwas Nützlichem in die Gesellschaft einbringen. Das Rennradfahren, das ich seit 2006 betreibe, bietet mir die Chance.“

Außerdem: „Mir, meiner Frau und unseren drei Kindern geht es gut. Wenn ich sehe, wie viel Sorgen, wie viel Leid es in anderen Familien gibt, kann ich nur dankbar sein.“

Deshalb reicht sein soziales Engagement weiter als die Bergspitze von Alpe d‘ Huez. Der Betriebswirt setzt sich auch für Heimkinder in der Grenzregion ein, die von der (der Caritas ähnlichen) „Koraal-Gruppe“ in Süd-Limburg betreut werden. Auch hier spielt das Rennrad eine zentrale Bedeutung.

In diesem Jahr radelt er – und 49 weitere Begleiter – mit 49 Kindern und Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten den Mont Ventoux hoch. „Es zählt der Weg, nicht das Ziel. Viele dieser Jugendlichen haben eine schwierige Jugend hinter sich, und diese Aktion soll Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen stärken.“

Regelmäßig fährt er mit einigen dieser Jugendlichen Übungsrunden durch Süd-Limburg und den Selfkant, sagt er. Bei den Gesprächen stelle er fest, dass dabei Aufmerksamkeit und aufrechtes Interesse erwachse.

Nico Pleeging ist – wenn man es kurz zusammenfassen möchte – ein Pedalritter im Dienste der Caritas. Der Wehrer aus den Niederlanden formuliert es aus seiner Sicht: „Von diesem Glück möchte ich denen, die weniger haben, etwas zurückgeben.”

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert