Totschlag-Prozess: „Stumpfe Einwirkung auf die Halsorgane”

Von: kl
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Erkelenz-Granterath. Im Prozess um den 68-jährigen Rentner aus Granterath haben sich Ärztin und Chemikerin geäußert.

Außerdem interessierte das Schicksal des 68-jährigen Rentners aus Granterath, der sich vor dem Landgericht in Mönchengladbach verantworten muss, weil er seine 64-jährige Ehefrau erwürgt und verbrannt haben soll, seine ehemaligen Mitbürger. Viele waren aus Granterath angereist. Sie erlebten den Angeklagten so, wie er an den ersten Verhandlungstagen war: Mit herunterhängenden Schultern und zum Boden gerichteten Blick, stumm und ohne äußerliche Gefühlsregung verfolgte er das Verfahren.

Zunächst berichtete eine medizinische Fachangestellte als Zeugin, der Angeklagte habe am Vormittag des Tattags telefonisch ein Rezept für seine Frau in der Hausarztpraxis bestellt und es am nächsten Tag abgeholt.

Der Vermieter des Hauses, in dem Täter und Opfer in Granterath lebten, schilderte das Ehepaar als „nett und freundlich”. Nach seinem Eindruck sei die Ehefrau bestimmend gewesen, der Ehemann habe ihre Anweisungen ausgeführt. Finanzielle Probleme seien ihm erst Ende 2008 bewusst geworden, als es Probleme gab, Rechnungen für Heizöl zu begleichen. Ein wenig Verwunderung trat auf, als er eine Erzählung der Nachbarin zum Tatgeschehen wiedergab. Danach sei das spätere Opfer schreiend durch den Garten gelaufen. Die Nachbarin hingegen hatte ausgesagt, das Geschehen habe sich gänzlich im Haus abgespielt.

Auch auf einen Freund des Sohnes machte der Angeklagte einen „freundlichen Eindruck”, als er ihn einige Tage nach dem Verschwinden der Ehefrau besuchte. Er empfand es als „merkwürdig”, wie sich jemand so besonnen und ruhig verhalten könnte, der seine Frau vermisst.

Eine Diplomchemikerin des Landeskriminalamts erklärte als Sachverständige, die Leiche sei in dem Waldstück bei Altmyhl mit Ottokraftstoff überschüttet und angezündet worden; eine Feststellung, die der Angeklagte bestätigte.

Drastisch wurde die Schilderung der Ärztin, die den Leichnam obduzierte. Die 1,58 Meter große und 52 Kilogramm schwere Tote sei zum Teil stark verkohlt gewesen. Dennoch habe sie feststellen können, dass die Frau nicht auf natürliche Art gestorben sein, Es habe eine „Erstickung durch stumpfe Einwirkung auf die Halsorgane” gegeben. Diese Einwirkung müsse rund drei bis fünf Minuten gedauert haben, nach dieser Zeitdauer trete eine Erstickung ein. Ein einfaches Zudrücken reiche nicht. Es sei durchaus möglich, dass das Opfer zwischenzeitlich Geräusche ausgestoßen habe, als der Würgegriff kurzfristig schwächer würde.

Nicht alles erklären kann sich der Vorsitzende Richter Lothar Beckers. Der Sohn habe die Mutter dominanter dargestellt als der Angeklagte. Der wiederum meint, er habe nicht damit gerechnet, dass der letzte Streit derart heftig wurde, als er ohne Geld nach Hause kam. Beckers hatte den Eindruck, der Angeklagte würde seine missliche finanzielle Lage nicht gerne preisgeben. Es müsste ihm aber klar gewesen sein, dass er über seine finanziellen Verhältnisse lebte.

Der Angeklagte blieb wieder ruhig und stumm. Wie es in ihm aussieht, soll der Gutachter klären, der zu dessen psychischer Verfassung Auskunft geben wird.
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