Tot oder lebendig? Jede Minute zählt

Von: Daniel Gerhards
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Herzlungenwiederbelebung: Wie es geht, üben die Kursteilnehmer beim DRK in Erkelenz mit Puppen. Druck auf den Brustkorb und Mund-zu-Mund-Beatmung sind gefragt. Foto: Daniel Gerhards
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Erste-Hilfe-Experten: Nicole Drießen und Joachim Hansen vom DRK. Foto: Daniel Gerhards

Kreis Heinsberg. Wenn es hart auf hart kommt, dann können Minuten über Leben und Tod entscheiden. Wer etwas von Erster Hilfe versteht, kann in diesen Augenblicken viel tun, um einen Menschen zu retten. Stabile Seitenlage, Blutung stoppen, Mund-zu-Mund-Beatmung, Hilfe rufen.

Jeder ist gesetzlich dazu verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten, solange er dadurch sich selbst und andere nicht gefährdet. Aber viele Menschen haben längst vergessen, was sie einmal im Erste-Hilfe-Kurs gelernt haben. Der heutige Welt-Erste-Hilfe-Tag, der im Jahr 2000 vom Internationalen Roten Kreuz initiiert wurde, soll auf dieses Problem aufmerksam machen.

Erste-Hilfe-Kurse für den Führerschein kennt fast jeder. Sie waren in den Vergangenheit oft langweilig – und dominiert von Tageslichtprojektor und Theorie. Die jungen Leute schauten oft intensiver auf die Uhr, als darauf, was der Dozent ihnen vermitteln wollte. Das hat sich seit einigen Monaten geändert.

Die Kurse sind straffer, und praktische Übungen stehen im Mittelpunkt, sagt DRK-Ausbildungsleiter Joachim Hansen. Nach einer kurzen Theorieeinheit am Morgen gibt es praktische Übungen. Wie bei einem Zirkeltraining üben die Teilnehmer die stabile Seitenlage, das Retten aus einem Fahrzeug, das Motorradhelmabnehmen, das Anlegen eines Kopf- und eines Druckverbandes.

Später geht es dann noch um die Herzlungenwiederbelebung, das wird mit einer Puppe trainiert. „Die Teilnehmer können selber etwas tun und jeder ist beschäftigt“, sagt er. So lerne man am effektivsten.

Es geht ums Tun, nicht ums Zuschauen – genau wie in der Realität. Praxisnähe ist das Schlüsselwort. „Wir brauchen keine theoretischen Ersthelfer. Wir brauchen praktische Ersthelfer“, sagt Hansen.

Ebenfalls neu ist, dass nun Führerscheinanwärter, Ersthelfer aus Betrieben und alle möglichen anderen Teilnehmer zusammen in den Kursen sitzen. Rund 4000 Menschen schult das DRK im Kreis Heinsberg jährlich in rund 350 Kursen.

Unter den Teilnehmern sind Ersthelfer aus Betrieben, die ihr Wissen alle zwei Jahre erneuern müssen, Anwärter auf den Führerschein, Übungsleiter aus Sportvereinen, Eltern und Großeltern, die etwas über Erste Hilfe am Kind lernen möchten, und, und, und.

Das Wissen aus einem solchen Kurs immer mal wieder aufzufrischen, hält Hansen für sehr sinnvoll. Das bedeutet aber nicht, dass man sich zurückhalten soll, wenn man nicht mehr genau weiß, was man im Kurs gelernt hat. Hansen ermutigt jeden, beherzt zuzugreifen. Egal, wie gut man sich noch an die Handgriffe erinnert.

„Man kann gar nichts falsch machen“, sagt er. Ein paar gebrochene Rippen könne man verkraften, kommt der Wiederbelebungsversuch zu spät, dann nützen auch die heilen Knochen nichts. So ein energisches Eingreifen koste Überwindung, aber: „Egal was ich mache, es macht es nicht schlimmer“, sagt Hansen. Zehn Minuten kann es schon mal dauern, bis ein Krankenwagen da ist. Viel Zeit, um sich um einen Verletzten zu kümmern.

Ob Wundversorgung oder stabile Seitenlage – in einer Notsituation machten die meisten Menschen ohnehin vieles richtig. „Das Wissen ist dann wieder da. Kurioser Weise wird dann ein Schalter im Kopf umgelegt, und alles, was man mal über Erste Hilfe gelernt hat, ist wieder da“, sagt Hansen.

Nicht ganz so präsent sei die Erste Hilfe bei vielen Unternehmern: Die wüssten oft gar nicht, dass fünf bis zehn Prozent ihrer Belegschaft ausgebildete Ersthelfer sein sollten, sagt Nicole Drießen, die beim DRK im Kreis Heinsberg mit Joachim Hansen für die Ersthelferausbildung verantwortlich ist. Dabei übernehme die Berufsgenossenschaft die Kosten für den Kurs, der Arbeitgeber muss seine Mitarbeiter bloß freistellen.

Mehr Wissen über die Erste Hilfe möchte das DRK auch mit Kursen in Kindergärten und Schulen in Umlauf bringen. Joachim Hansen geht regelmäßig in Kitas und erklärt Notruf, Seitenlage und Wundversorgung.

Ein positiver Effekt: Zu Hause reden die Kinder über Notfallrufnummer und Mullverband – und sie schicken Mütter und Väter in die stabile Seitenlage auf dem Wohnzimmerteppich. Übung macht schließlich den Meister.

Am Ende ist vielleicht gar nicht so entscheidend, wie detailliert das Erste-Hilfe-Wissen ist. Viel wichtiger ist, im Ernstfall wirklich etwas zu tun. Kein Handyfoto machen, sich nicht darauf verlassen, dass andere helfen, sondern schnell anpacken. Darauf kommt es an.

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