Tommy Engel: Kölner Urgestein rockt die Hückelhovener Aula

Von: Monika Baltes
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Ganz starker Auftritt: Tommy Engel und seine Band begeisterten beim Konzert in der Hückelhovener Aula. Foto: Monika Baltes

Hückelhoven. Tommy Engel eilt mit federnden Schritten auf die Bühne in der Hückelhovener Aula, Rhythmus von den inzwischen ergrauten Haarspitzen bis zur Fußsohle. 66 Jahre alt ist er mittlerweile, der ewige „Ex-Frontmann von den Bläck Fööss“.

Längst hat er sein 50-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert, das Lausbuben-Lächeln ist geblieben, die Augen funkeln immer noch. Und dann legt er los, zieht alle Register, rockt die Aula und für das Publikum gibt es kein Entrinnen. Ohne Gegenwehr erliegt es dem Musiker, dem Sänger, dem Komödianten, dem Geschichten-Erzähler.

Bereits zum dritten Mal ist Tommy Engel in Hückelhoven, und der Veranstalter „Kultur-Pur“ hat das geplante Bühnenprogramm mit dem Zusatz „voraussichtlich“ versehen. Denn mit statischen Plänen hat es das tiefentspannte Kölner Urgestein nicht so. Tommy Engel will nicht nur für sein Publikum spielen, sondern auch mit ihm, soviel Freiheit muss sein.

Mindestens 275 Quadratmeter pure Gänsehaut (das ist etwa ein halber Quadratmeter bei jedem einzelnen der 550 Besucher) lässt er durch den Saal kriechen, als er „Die Stadt“ von Trude Herr interpretiert. Er wiegt sein Publikum wohlig in Liebesliedern, denn „man sollte viel mehr Liebeslieder singen“.

Er rät dringend, „dat kleine Jlöck“ zu sehen, schickt die gute alte, leider untreue „Katrin“ in den Saal. Und hüllt sich ungerührt in einen unsäglichen Bademantel, um als „Saunaboy“ mit dem Publikum einen „bordellähnlichen Barbetrieb“ zu besuchen. Er denkt darüber nach, ob die „Knöchelchen“ im Schrein des Kölner Domes wirklich von den Heiligen Drei Königen stammen oder doch eher aus dem Wienerwald kommen.

Nicht, dass das falsch verstanden wird. Tommy Engel liebt seine Heimatstadt Köln. Eine satte Hymne hat er geschrieben „Du bes Kölle“, hält sich aber fernab jeder klebrigen Selbstverliebtheit. Denn in der Liedzeile „du bist suuuupertolerant“ wird „super“ doch ziemlich langgezogen, das wird was zu bedeuten haben. Er will auch nicht so tun, als würde die „Eisenbahn nur in Köln halten“ und singt „Dummer nit esu.“ Dann fragt er, in welche größere Stadt sich die Hückelhovener orientieren. Düsseldorf? Mönchengladbach? Neuss? Die Antwort kommt aus den vorderen Reihen: „Köln!“ Da lacht er, der Tommy. Er spielt Luftgitarre und tanzt „Zulu“, duzt den Hückelhovener Bürgermeister und hat sichtlich Spaß an dem, was er tut. Authentisch, nachdenklich und unbekümmert, mit Witz und Tiefgang – Tommy, ein Freund, der zu Besuch ist.

Minutenlang können sie am Ende im Applaus baden, der Tommy und seine hervorragende Band. Und das Publikum beweist Stehvermögen. Stehend, sich die Hände wund klatschend, holen die Zuschauer ihn zurück auf die Bühne. Im Frack gibt er den Opernsänger, aus „Nessun Dorma“ wird „Tässchen Dornkaat.“ Von guten Freunden verabschiedet man sich nach einem schönen Abend mit einer Umarmung, ein Zeichen des Nicht-Loslassen-Wollens. Tommy Engel umarmt sein Publikum mit „En unserem Veedel“, gemeinsam gesungen. Was für ein Abend!

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