Tod im Selfkant: Angeklagter kann sich kaum erinnern

Von: Wolfgang Schumacher
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Martin G. soll seine Lebensgefährtin mit mehreren Messerstichen getötet haben. Beim Prozessauftakt war die Rede von starkem Alkoholkonsum. Foto: Volker Hartmann/dpa

Aachen/Selfkant. Der Mordprozess gegen Martin G. hat am Montag vor dem Aachener Schwurgericht begonnen. Der 61-jährige Mitarbeiter im niederländischen öffentlichen Dienst soll seine Lebensgefährtin in deren Haus in Havert umgebracht haben.

Am zweiten Weihnachtstag 2015 mittags gegen 13.30 Uhr soll Martin G. die 55-Jährige mit zahlreichen Messerstichen in den ganzen Körper heimtückisch getötet haben. Lebensbedrohlich waren vor allem die Stiche in Lunge und Herz, an denen das Opfer auch starb.

Das Paar kannte sich noch nicht allzu lange, es war im Herbst 2015 zusammen in Urlaub in die Türkei gefahren. Martin G., der eine Wohnung in Heerlen nahe seiner Arbeitsstätte hatte, war dann recht zügig in den Selfkant gezogen. Am Montag schilderte er das Zusammenleben als anfangs sehr harmonisch. Man habe miteinander auch ein schönes Weihnachtsfest verbracht.

Am Tattag war alles anders

Doch am Tattag war alles anders. Die 55-Jährige ging morgens aus dem Haus, sie fuhr wie am ersten Feiertag zu ihrer Arbeitsstelle. Sie war Betreuerin in einer Behinderteneinrichtung.

Er sei, so berichtete der Angeklagte am Montag mit leiser Stimme, ebenfalls früh wachgeworden, habe sich aber nochmals hingelegt. Gegen 9.30 Uhr machte er sich Frühstück. Und griff dann zu einer Flasche Hochprozentigem. Er nahm ein Glas und schüttete Weinbrand und Cola hinein. Mischungsverhältnis: 50 zu 50. Dann trank er. Wie viel, wisse er nicht mehr. Auch einzelne Zeitabschnitte seien ihm entfallen, sagte der Angeklagte im vollen Gerichtssaal. Die Zuschauer mussten mehrmals zur Ruhe ermahnt werden.

Gegen Mittag sei die Lebensgefährtin zurückgekommen. Er sei ihr in der Küche begegnet, habe aber nicht mit ihr gesprochen. Sie sei nach oben gegangen, von wo er sodann Geräusche gehört habe. Als er nachschaute, habe sie ein einzelnes, bewegliches Bett aufgebaut. Sie habe sinngemäß gesagt, dass sie „den Hals voll“ habe. Und zwar von ihm, so jedenfalls verstand er die Äußerung.

Ob es um Trennung gegangen sei, wollte die Richterin wissen. Eher darum, künftig getrennt zu schlafen, meinte der Angeklagte.

Er wisse von der Tat nur noch, dass er hinunter in die Küche gegangen sei. Ob er dort ein Messer ergriffen habe? Ob er immer wieder zugestochen habe? Es klaffte eine Erinnerungslücke. „Ich kann mich vielleicht an zwei Stiche erinnern“, sagte er.

Ob seine Darstellung mit den Tatabläufen in Einklang zu bringen ist, werden auch die forensischen Gutachter Dr. Konstanze Jankowski und Hanns Jürgen Kunert erörtern.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt, ein Urteil wird für den kommenden Freitag erwartet.

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