Tod auf der Kirmes: Staatsanwältin fordert sechseinhalb Jahre

Von: Rainer Herwartz
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Die Anklage wirft dem 19-jährigen Cedric H. vor, Maurice J. mit einem Taschenmesser tödlich und dessen Bruder Dominic J. schwer verletzt zu haben.

Wegberg-Harbeck/Mönchengladbach. Für die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage steht fest, was den 19-jährigen Cedric H. erwarten soll. Im Harbecker Kirmes-Prozess forderte Staatsanwältin Jane Wolf sechs Jahre und sechs Monate Haft wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Nebenklägerin Sabine Appel legte sogar noch ein halbes Jahr drauf.

Die Anklage wirft dem 19-jährigen Cedric H. vor, Maurice J. mit einem Taschenmesser tödlich und dessen Bruder Dominic J. schwer verletzt zu haben. In der Nacht zum 13. Juli letzten Jahres soll es vor dem Festzelt der Kirmes in Wegberg-Harbeck zu einem Streit unter den alkoholisierten Jugendlichen gekommen sein.

Cedric H. soll während des Streits zwischen zwei Gruppen Jugendlicher in das Festzelt gegangen sein, weil er bei der Auseinandersetzung verletzt worden war. Er kehrte wohl mit einem Taschenmesser zurück, mit dem er auf die Opfer eingestochen haben soll. Maurice J. erlitt dabei eine tödliche Thoraxverletzung, sein Bruder Dominic J. eine schwere Kopfverletzung.

Sollte sich das Landgericht Mönchengladbach den Ausführungen im Plädoyer der Staatsanwältin anschließen, so erklärte am Freitag auf Nachfrage der Pressesprecher des Landgerichts Dr. Martin Alberring, wird Cedric H. seine Haft noch aus der Untersuchungshaft heraus antreten müssen und zwischenzeitlich nicht mehr auf freien Fuß gesetzt. Jane Wolf forderte auch die Haftfortdauer für den Angeklagten.

Dessen Verteidiger Reiner Jobs wollte sich laut Alberring im Gerichtssaal nicht auf ein konkretes Strafmaß festlegen. Er sprach lediglich von einer „angemessenen“ Sanktionierung der Straftat und bezeichnete das Tötungsdelikt an Maurice J. als „minderschweren Fall des Totschlags“.

Wie üblich hatte der Angeklagte am Ende der Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Gelegenheit zu einem Schlusswort. Eine persönliche Erklärung hatte der Angeklagte im bisherigen Verlauf des Prozesses nicht abgegeben, was auch Richter Lothar Beckers vermisste, gerade weil die Verteidigung alles daran setzte, Cedric H. als ruhigen, hilfsbereiten und verantwortungsbewussten jungen Mann darzustellen.

Diesmal ergriff Cedric H. die Initiative und machte Gebrauch von seinem Recht auf ein Schlusswort. „Es fällt mir wirklich schwer, hier was zu sagen“, meinte er. „Ich weiß bis heute nicht, was damals passiert ist. Alles, was ich weiß, hab ich durch meinen Anwalt mitteilen lassen. Es tut mir wirklich leid. Ich wollte nie jemand wirklich verletzen, ich wollte nie jemand wirklich töten.“

Laut Pressesprecher Alberring waren die Eltern des getöteten Maurice J. bei den Plädoyers nicht im Gerichtssaal. Sie haben die Entschuldigung des Angeklagten nicht gehört. Doch am Freitag, 24. April, ab 15 Uhr werden sie die Gelegenheit haben, das Urteil zu hören.

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