Tierische Verbrecherjagd auf vier Pfoten

Von: Nicola Gottfroh
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Spiel ist Training: Die Natur hat Polizeihund Leroy ein hervorragendes Gehör und eine beeindruckende Spürnase geschenkt. Durch richtiges Training vollbringt Leroy nun polizeiliche Wundertaten. Fotos (2): N. Gottfroh Foto: Gottfroh
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Heinsberg. Die Nacht ist tiefschwarz. Kein Mondlicht erreicht den Gehweg, auf dem Joy ihre Streife läuft. In den vergangenen Wochen haben sich in dem Viertel die nächtlichen Einbrüche gehäuft, deshalb schauen die Polizeihündin und ihre zweibeinige Kollegin (die Diensthundführerin möchte ihren Namen und ihr Bild nicht in der Zeitung sehen, damit man sie auf Streife in Zivil nicht jederzeit erkennt) in dieser Woche immer mal wieder in den Straßen vorbei. Bei klirrender Kälte sind an diesem Abend kaum Menschen unterwegs.

Die Bewohner haben es sich in ihren warmen Wohnungen gemütlich gemacht. Bis Joy es sich im Körbchen gemütlich machen kann, dauert es noch ein paar Stunden. Denn für sie ist die Nacht die beste Arbeitszeit, in diesen Stunden kann sie sich ganz auf die Geräusche und Gerüche der Straße konzentrieren. Würde während Joys Streife jemand einzubrechen versuchen – die vierbeinige Polizistin würde es garantiert mitbekommen. Jedes Mal, wenn eine Autotür zufällt oder eine streunende Katze geräuschvoll unter der Gartenhecke verschwindet, stellt die belgische Schäferhündin witternd die Lauscher auf – ihren Ohren entgeht nichts.

Sinne geschärft

Die Natur hat Joy ein hervorragendes Gehör und eine beeindruckende Spürnasse geschenkt. Während ihrer umfassenden polizeilichen Ausbildung zum Schutz- und Drogenspürhund hat sie ihre von Natur aus guten Sinne noch einmal geschärft. Zunächst wurde Joy zum sogenannten Schutzhund ausgebildet, zu einem absolut sicheren und zuverlässigen Partner – auch in Extremsituationen. In der Grundausbildung lernte Joys Frauchen, die Schäferhündin jederzeit kontrolliert zu führen und einzusetzen. Nach der Schutzhundausbildung erfolgte die Spezialisierung zum Spürhund. Dabei lernte die Schäferhündin das Aufspüren von Diebesgut, Beweismitteln und natürlich Rauschgift.

Inzwischen gehört Joy zu den lebenden Geheimwaffen der Kreispolizeibehörde Heinsberg, die sogar große Menschenmengen und Lärm nicht von ihren Aufgaben ablenken können. Joy erschnüffelt wie ihre vierbeinigen Kollegen nicht nur spielend leicht Diebesgut und Rauschgift – vor kurzem hat sie ihre menschlichen Kollegen erst zu zweieinhalb Kilo Amphetaminen geführt. Joy ist auch ein Personenspürhund, eine Vorstufe des Mantrailers. Sie kann auch den individuellen Geruch eines Menschen erkennen und dieser Duftspur noch viele Stunden folgen. Und damit ist sie sehr gefragt bei den Ermittlern der Polizei. Denn bislang gibt es nur neun Personenspürhunde wie Joy in Nordrhein-Westfalen, die bei der Suche nach vermissten Personen oder der Rekonstruktion von Fluchtwegen helfen können. In der Kreispolizeibehörde Heinsberg versehen gleich zwei Personenspürhunde, neben Hündin Joy auch noch Rüde Leroy, ihren Dienst. Leroy ist ebenfalls ein belgischer Schäferhund, hat aber schon einige Dienstjahre mehr auf dem Puckel als Joy.

Weil die beiden Heinsberger Spürnasen Außergewöhnliches leisten, kommen sie ordentlich rum: Nicht selten werden sie von anderen Behörden im Land und in der gesamten Bundesrepublik angefordert. 13 Mal durften Joy und Leroy in den vergangenen Monaten bereits auf die Suche nach vermissten gehen. Oft wissen die Hunde und ihre menschlichen Kollegen zu Dienstbeginn gar nicht, in welcher Behörde sie den Arbeitstag beenden.

An diesem Tag beginnt und endet die Nachtschicht für Joy und ihr Frauchen in der Heimatbehörde. Es war eine ruhige Nacht in Heinsberg. Keine Einbrecher, keine Autodiebe, keine Randalen. Und auch im Rest des Landes war es eine Nacht ohne besondere Vorkommnisse, die einen Einsatz der Personenspürhündin nötig gemacht hätten. „Es ist hilfreich, einen Hund an seiner Seite zu haben“, sagt Joys Frauchen. Zum einen, weil oft die Hunde mit den schnellen Beinen und scharfen Zähnen diejenigen sind, die den Täter letztlich dingfest machen. Zudem sei der Hund ein gutes Präventivmittel bei Veranstaltungen und Demos. „Auf viele Menschen wirken die Diensthunde einfach abschreckend.“

Beim Gassigehen nach Dienstschluss hat Joy ihre abschreckende Wirkung aber verloren. Joy kann einfach nur Hund sein – ihr Frauchen lässt sie von der langen Polizei-Hundeleine. Wie alle anderen „Zivilisten“-Hunde auch, darf sie dann im Feld toben und spielen. Wirklich Feierabend hat sie aber fast nie. Denn immer ist sie mit Frauchen bzw. der Chefin zusammen. Wenn Joy denkt, sie spiele mit Frauchen ein Spiel, handelt es sich oft um Training. Und obwohl Gehorsam und Unterordnung unerlässlich sind, ist es bei Polizeihunden und den Diensthundeführern nicht anders als bei anderen Hundebesitzern. Es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Nur wenige Kollegen halten ihre vierbeinigen Kollegen im Zwinger „Die Diensthunde gehören mit zur Familie, wachsen mit den Kindern der Beamten auf. Sie sind nicht nur Kollegen, sondern auch loyale Freunde, die auch mal auf das Sofa dürfen und das gleiche essen, wie die Hundeführer auch – dabei bleiben die Menschen aber stets die Alpha-Tiere“, sagt Joys Frauchen. Als Hundeführer müsse man die richtige Mischung aus Spaß, Druck und Vertrauen, Tierliebe und Fleiß finden – und das hat das weibliche Mensch-Hund-Gespann.

Bett und Hundekörbchen sind für Polizistin und Polizeihund inzwischen zum Greifen nah – Joy ist nach der langen Nachtschicht hundemüde. „Der Wechseldienst schafft die Hunde noch mehr als uns Menschen“, weiß Joys Frauchen.

Das ist auch der Grund, warum die Hunde nach acht Jahren aus dem aktiven Polizeidienst ausscheiden. Sie genießen dann den verdienten, kurzen Ruhestand (die meisten Hunde werden nicht älter als 11 oder 12 Jahre) bei ihren Hundeführern. Mit staatlich garantierter tierärztlicher Versorgung und vom Staat finanziertem Futter. Bis es soweit ist, wird Joy aber noch viele Verbrecher stellen.

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