Theaterstück über Autisten begeistert Publikum

Von: hl
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Erkelenz. Mit dem Schauspiel „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ wurde in der Stadthalle die Theatersaison 2016/17 der Kultur GmbH Erkelenz eröffnet. Minutenlange Standing Ovations am Ende der Vorstellung bewiesen, dass mit diesem Stück nicht nur der Geschmack des Publikums in der fast voll besetzten Halle getroffen wurde, sondern dass dieses auch schwere Theaterkost zu würdigen weiß.

Das mit vielen Preisen ausgezeichnete Schauspiel von Simon Stephens nach einem Roman von Mark Haddon lief monatelang an den großen Theatern in London und New York. Das Junge Theater Bonn (Regie: Lajos Wenzel) präsentierte ein Stück, in dem die Darsteller und Darstellerinnen kongenial das innere und äußere Geschehen umsetzten und die Zuschauer an diesem künstlerischen Prozess Anteil nehmen ließ.

Katharina Felschen, Jan Herrmann, Andrea Brunetti, Giselheid Hönsch, Sandra Kernebach, Thomas Kahle, Bernard Niemeyer und Christian Steinborn waren die Darsteller, teils in verschiedenen Rollen, die um die Hauptfigur des Stückes herum, Ferdi Özlen als Christopher Boone, den Inhalt der Geschichte mit großer schauspielerischer Intensität umsetzten. Dabei war es vor allem Ferdi Özlen, der in über zwei Stunden den Asperger-Autisten darstellte, der zwar alle Länder mit ihren Hauptstädten aufzählen kann und jede Primzahl bis 7507 kennt, aber im Umgang mit Menschen seiner Umgebung die gewohnt normalen Verhaltensweisen vermissen lässt.

Die Geschichte, wenn man überhaupt von einer Geschichte, die sich normalerweise in nachvollziehbaren Geschehnissen abspielt, sprechen kann, beginnt mit einem durch eine Mistgabel getöteten Hund namens Wellington, für dessen Ermordung zunächst Christopher verantwortlich gemacht wird. Nachdem sich dessen Unschuld am Tod des Hundes herausgestellt hat, beginnt Christopher selbst damit, den Mörder ausfindig zu machen.

Begegnung zweier Welten

Damit kommen sowohl einige Geheimnisse zu Tage, als auch zeigt sich, welche Konflikte sich ergeben aus dem Zusammenprall der Welt eines Autisten mit der der so genannten normalen Menschen und deren angeblicher Logik, ihrer Erfahrung von Nacheinander und erkennbaren Zusammenhängen.

Lichtspiele, eine Musik, die manchmal bis an die Grenze des erträglich Hörbaren geht (was auch für die Lautstärke mancher Darsteller gilt), acht Diaprojektoren, die oft die Rolle von Darstellern zu übernehmen scheinen, der Wechsel zwischen angerührt und abgestoßen sein, all dies lässt das Wort Langeweile zu keiner Zeit aufkommen. Am Ende bekommt Christopher (wieder) einen Hund, und sein letzter Satz „Ich kann alles?“ scheint anzudeuten, dass es doch Schnittmengen zwischen der Welt eines Autisten und der seiner Mitmenschen gibt. Man muss sich nur gegenseitig zuhören.

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