Theaterstück bringt Gesamtschülern die NS-Zeit näher

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Schlicht aber wandelbar, mal stellen die Koffer eine Wohnung, Möbel oder KZ-Mauern dar: Nicht nur das Bühnenbild der Theatergruppe „theaterspiel“ beeindruckte die Schüler der Betty-Reis-Gesamtschule.

Wassenberg. „Wie sind Sie darauf gekommen, das Stück zu schreiben?“, will Vanessa Heide nach der Aufführung wissen, und damit trifft die Schülerin der neunten Klasse der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg genau die Intention des Stückes „Über das Leben oder meine Geburtstage mit dem Führer“.

Beate Albrecht, gleichzeitig Autorin, Schauspielerin und Leiterin des Wittener „theaterspiels“, bleibt ihrem überaus interessierten Publikum keine Antwort schuldig: Reaktionen auf ihr letztes Stück, das einen Einblick in das Denken und Agieren der rechtsradikalen Szene gab, hätten gezeigt, dass viele Jugendliche nur sehr wenig Richtiges über die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus wussten. „Da entstand meine Idee, diese Zeit in einem eigenen Stück lebendig werden zu lassen.“

Schicksal einer Familie

Nach einer monatelangen Recherche in verschiedenen Archiven und auf der Grundlage von Zeitzeugenberichten entstand ihr Stück über das Unrechtssystem des NS-Staates. Die Fülle des Materials sei zunächst sehr groß gewesen, doch die Idee, das Schicksal einer Familie darzustellen, habe dann die Arbeit erleichtert und schnell vorangetrieben.

Zum Inhalt: Zu Hitlers Machtübernahme 1933 ist Anni neun Jahre alt. Sie, ihre Freunde und ihre Eltern geraten mehr und mehr in den Strudel der historischen Ereignisse. Einige von ihnen werden Anhänger der NS-Diktatur und marschieren mit, andere versuchen, sich der alles beherrschenden Ideologie zu verweigern oder dem Terror zu entfliehen.

Anni schließt sich einer Gruppe von Jugendlichen an, die auf den Drill der Hitlerjugend keine Lust hat. Anfangs noch in Auflehnung gegen die Gleichmacherei, tritt die Gruppe mehr und mehr in den aktiven Widerstand. Als Anni jedoch gefangen genommen wird, entwickelt sich ihr Kampf um ein gerechtes Leben zu einem Kampf ums Überleben. Ihr jährlicher Geburtstag am 20. April fällt auf den Geburtstag des Führers, treibt das Geschehen voran und zeigt das Leben und „Überleben“.

Natürlich wisse er als Betty-Reis-Schüler schon sehr viel über den Nationalsozialismus, doch beeindruckte Sven Butt, Schüler der neunten Klasse, die besondere Qualität der inszenierten Darstellung: „Die Geschichte ist uns so noch einmal viel deutlicher gemacht worden.“

Eindringliches Spiel

Hierfür verantwortlich war wohl auch das eindringliche Spiel der Akteure auf der Bühne. Die Schauspieler und Schauspielerinnen wurden ergänzt durch einen Tänzer und einen Musiker. Großes Lob fand auch das Bühnenbild, wo eine Vielzahl von Koffern in wechselnden Funktionen benutzt wurden und gewollte Assoziationen zu einer Wohnung, Möbeln oder KZ-Mauern hervorriefen.

Dr. Ludger Herrmann, didaktischer Leiter der Betty-Reis-Gesamtschule, dankte Brigitte Hocks vom Kreisjugendamt für das finanzielle Engagement, welches ermöglichte, dass alle 350 Schüler aus den Jahrgängen 9 und 10 das Stück sehen konnten.

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