Theater Almenrausch zieht alle Register

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Das Chaos am Ende des ersten Aktes ist komplett und die Verwicklungen können beginnen. Foto: Bindels

Wassenberg-Effeld. Von Party, Kaffeefahrten, Amnesie, internationalem Besuch und Heiratsbräuchen, das Almenrausch-Laientheater aus Effeld zog alle Register der Volkstheateraufführung. Mit dem Lustspiel „Besucht uns doch mal“ von Erich Koch wurde an drei Tagen zum Jubiläum – immerhin besteht der Verein seit zehn Jahren – eine turbulente Aufführung in drei Akten dem Publikum präsentiert.

Ein deutliches „Oh“ ging durch den Saal beim Öffnen des Vorhangs zum ersten Akt. Das Bühnenbild überzeugte bis in die Einzelheiten: so ein Schlachtfeld und Chaos im Wohnzimmer konnte nur eine wilde Party hinterlassen haben. Lotte (Brigitte Nußbaum) und ihr Mann Hans Birzel (Tony Eyßen) kommen früher aus dem Urlaub zurück und finden die Wohnung im Chaos wieder. Die beiden treffen auf die verkaterte Reni (Katja Schmitz) und den ebenso noch leidenden Sohn Tobias (Frank Virnich), die ein wildes Fest veranstaltet haben. Lotte weigert sich die Realität zu akzeptieren: „Tobi würde nie so einen Dreck machen“, weiß Hans die Situation besser einzuschätzen. „Du hast eine Freundin ohne Mami zu fragen?“, empört sich Lotte. Tobias jedoch verleugnet aus Feigheit die Beziehung zu Reni, die daraufhin die Freundschaft kündigt.

In diesen ersten Schock für Lotte kommt Oma Mina (Berti Hohnen) von ihrer Kaffeefahrt zurück. Im Schlepptau „Alberto“ , mit richtigem Namen Albert Blume (Ute Staas), der Omas teuer gekaufte Produkte (Rheumadecke, Weltraumgeschirr und Heilstein) reinträgt. Den „Alberto“ hat Mina beim „Pokern gewonnen“, wie sie der Familie erläutert.

Wie gefährlich ein in bester Urlaubslaune gemachter Spruch: „Besucht uns doch mal“ zu Urlaubsbekanntschaften sein kann, erfahren Lotte und Hans nur zu schnell. So trudelt die italienische Familie Amadeo ein. Pedro (Heiko Holland-Moritz), Frau Gina (Verena Schröders) und Tochter Carla (Paula Schröders) haben die Einladung wörtlich genommen. Da Lotte und Hans noch weitere Urlaubsbekanntschaften gemacht haben, ist ebenso die Schweizer Familie Schisserli mit Urs (Peter Hanrath), Camille (Gabi Pommerening) und Sohn Matteo (Stefan Laprell) aufgetaucht. Das ist für Lotte zu viel und sie bekommt zum Ende des ersten Akts durch den Schock einen kurzeitigen Gedächtnisverlust.

Im zweiten Akt bleibt es nicht aus, dass die Verwicklungen ihren Lauf nehmen bei so vielen Gästen. Die Jugend ergreift die Gelegenheit, und es entwickeln sich neue Beziehungen. Matteo mit Reni und Tobias mit Carla entsprechen jedoch nicht den Vorstellungen der Eltern. Lotte glaubt, eine Türkin zu sein und Hans flüchtet in den Suff, weil „Holländer, Franzosen, Japaner und Chinesen haben wir auch getroffen und eingeladen.“ Nur Oma Mina behält die Übersicht und nimmt das Ruder in die Hand.

Oma in Höchstform

Im letzten Akt läuft Oma Mina zur Höchstform auf. Sie „heilt“ durch eine kräftige Backpfeife Lotte von ihrem Gedächtnisverlust und verkauft ihre Kaffeefahrten Einkäufe teuer weiter an die Schweizer (Heilstein und Rheumadecke werden zu Hormon-Abbau-Mitteln) und ebenso an die italienische Familie (Weltraumgeschirr). Die Jugend greift zu traditionellen Mitteln ihrer Heimatländer, die Heirat gegen den Willen der Eltern durchzusetzen: „Wer gemeinsam eine Nacht im Ziegen- oder Schafstall verbringt, der muss heiraten. Gestank schweißt zusammen und ist der Rüttli-Schwur für zukünftige Ehepaare!“ Das Happyend ist nicht zu vermeiden. Und selbst Oma Mina biegt sich ihren „Alberto“ hin: „Mit dem Raumschiff rauschen wir zwei ins Glück“.

Millowitsch hätte seine Freude an der Aufführung gehabt – am Derben und Deftigen, an den Zweideutigkeiten und an den Seitenhieben auf Nachbardörfer. Dass die Schauspieler Freude am Spiel und am Einflechten manch aktueller Hinweise zu staatlichen Verwicklungen (Matteo hatte als Schweizer eine CD nach Deutschland mitgebracht) hatten, war mehr als einmal zu sehen. Die List der Oma Nina und die Szenen zwischen Matteo und Reni, wie auch zwischen Tobias und Carla waren so ganz nach dem Geschmack des Publikums und führten zu Beifall auf offener Szene. Diese Jubiläumsaufführung setzte die Tradition der gelungenen Aufführungen in Effeld fort und gefiel dem Publikum, wie der lange Applaus am Ende zeigte.

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