Hückelhoven - Terror im Namen Allahs scharf verurteilt

Terror im Namen Allahs scharf verurteilt

Von: Rainer Herwartz
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Bis zu 500 Gläubige treffen sich auch in der Hückelhovener islamischen Gemeinde regelmäßig zum Freitagsgebet. Foto: Julian Stratenschulte
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Mehmet Yilmaz verurteilt den Terror im Namen Allahs auf das Schärfste. Foto: Herwartz

Hückelhoven. So etwa 400 bis 500 Muslime seien es, die sich in jeder Woche zum Freitagsgebet in der Moschee träfen, sagt Mehmet Yilmaz. Die türkische Gemeinde zähle 1500 Mitglieder. „Es gab niemanden, der Verständnis für die Terroristen aufbrachte. Denn Terror hat keinen Platz in irgendeiner Religion und ist mit islamischen Werten nicht vereinbar.“

Der 46-Jährige ist Öffentlichkeitsreferent des Integrations- und Bildungsvereins in Hückelhoven. In diesen Tagen ist er ein viel gefragter Mann. Über Jahrzehnte hinweg rückte das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen in Deutschland nie so in den Fokus des Interesses wie jetzt. Doch nicht erst die Morde von Paris oder die Toten von Verviers hätten eine Stimmung des Misstrauens gegenüber Menschen muslimischen Glaubens aufkeimen lassen, sagt Yilmaz. „Die Muslime sind seit den 60er Jahren in Deutschland. Es gab nie Probleme. Mit dem 11. September 2001 und den Anschlägen auf das World Trade Center änderte sich das.“

Auf fatale Weise habe der gesellschaftliche Spaltpilz durch den neuen Terror Nahrung gefunden. „Wir verurteilen diesen feigen Akt auf das Schärfste. Unser Beileid und tiefstes Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen. Wir lehnen es entschieden ab, dass Verbrecher während ihrer Mordtaten den Namen Allahs anrufen. Kein Mensch kann sich zur Rechtfertigung seiner Verbrechen auf den Namen Allahs berufen. Wir sind traurig über die Ereignisse in Paris und vermuten, dass dadurch der gesellschaftliche Frieden im Miteinander zerstört werden soll. Auch wir Muslime sind Opfer dieser Anschläge“, sagt Yilmaz. „Gewalt ist nicht mit unserem Glauben vereinbar.“ Auch nicht satirische Provokation wie durch das Magazin Charlie Hebdo könne dies legitimieren. „Im Koran steht, dass man sich von den Leuten, die einen provozieren, einfach abwenden soll.“

Gar so friedfertig lesen sich manche Suren-Übersetzungen allerdings nicht gerade. Nachgehakt, wie die Muslime denn mit diesen umgingen, antwortet Yilmaz, bei deutschen Übersetzungen von Suren des Korans, die angeblich Gewalt gegen Andersgläubige propagierten, sei immer die Frage zu stellen, „wer hat sie übersetzt und wie muss der Text vor dem zeitlichen Hintergrund interpretiert werden? Man muss dazu die genauen Hintergründe kennen.“ Manche Begriffe des Arabischen hätten bis zu 25 verschiedene Bedeutungen. Ein besonders fatales Beispiel sei die Sure 47, die den Moslem in Vers 4 angeblich auffordere, die Ungläubigen zu massakrieren: „Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt; dann schnüret die Bande. Die übrigen legt in Ketten“, heißt es in der häufig ins Feld geführten Übersetzung. Yilmaz hat hierzu eigens für unsere Zeitung seinen Imam Tunahan Özsoy befragt.

Dieser lieferte hingegen folgende Interpretation: „Wenn ihr (im Krieg) auf die Ungläubigen trefft, schlagt ihnen auf den Nacken, bis ihr sie außer Gefecht gesetzt habt! Dann legt sie in Fesseln! Die Gefangenen könnt ihr später in Gnade oder gegen Lösegeld oder im Austausch freilassen. So habt ihr zu verfahren, bis der Krieg zu Ende ist. Wenn Gott wollte, hätte er sie ohne Krieg besiegt. Aber er will die einen von euch durch die anderen prüfen. Die Werke der Gläubigen, die auf dem Weg Gottes getötet werden, wird er nicht zunichte machen.“

Dieser Vers beziehe sich auf einen Kriegszustand und dürfe nicht verallgemeinernd aus dem Zusammenhang gerissen werden, habe der Imam ihm erläutert.

Jugend und Bildung begreift der islamische Bildungsverein als eine seiner Kernaufgaben. „Wir fangen von klein an, unsere Kinder weltoffen aufzuklären. Ich glaube, dass gewaltbereite Terroristen nicht schon von Kindesbeinen mit dem Islam konfrontiert wurden und den islamischen Glauben gelebt haben, sonst wüssten sie, dass diese Gewalt nicht mit unserem Glauben vereinbar ist“, meint Yilmaz.

„Wir sind tief erschüttert, dass die Verbrecher glauben, mit ihren Mordtaten die Meinungsäußerung anderer Menschen zu bestrafen. Niemand darf sich zum Richter über Leben und Tod aufspielen. Wir sind ein Teil der Gesellschaft und verantwortlich für die Freiheit und die Unversehrtheit eines jeden Menschen, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vertreten. Die Meinungsvielfalt und die Freiheit, seine Meinung öffentlich zu vertreten, sind unverzichtbar in unserer Gesellschaft. Der Schutz des Lebens ist auch ein unverhandelbarer Grundsatz des islamischen Rechts.“

Schon den Kindern werde dies vermittelt, sagt Yilmaz und erzählt von einem türkischen Mädchen, das sich darüber lustig gemacht habe, dass eine Klassenkameradin, die dem Hindu-Glauben angehöre, Kühe als heilig verehre. „Da habe ich gesagt, was würdest du denn sagen, wenn jemand fragt, warum du an Gott glaubst? Hast du ihn schon mal gesehen? Ist schon mal jemand zurückgekommen aus dem Paradies und hat davon erzählt? Da wurde sie ganz still und nachdenklich.“

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