Heinsberg-Kirchhoven - Tagebücher eines Widerstandskämpfers wissenschaftlich gewürdigt

Tagebücher eines Widerstandskämpfers wissenschaftlich gewürdigt

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
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Karl Beumers mit den Original-Tagebüchern von Christian Schreinemachers, die Seite für Seite aus der Sütterlin- in die lateinische Schrift übertragen wurden. Repros: Anna Petra Thomas
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Maria und Karl Beumers (von links) zusammen mit Dr. Martin Rüther in der neuen Ausstellung des NS-DOK.

Heinsberg-Kirchhoven. Mit seinen Recherchen, seinen mittlerweile fünf Büchern und seinen Vorträgen über die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs hat sich Karl Beumers aus Kirchhoven einen Namen gemacht. Seine Arbeit über den jungen Widerstandskämpfer Christian Schreinemachers aus Kirchhovens Ortsteil Vinn hat jetzt eine weitere Würdigung erfahren.

Das NS-Dokumentationszentrum in Köln hat die insgesamt 1220 umfassenden, sieben Tagebücher Seite für Seite aus der Sütterlin- in die lateinische Schrift übertragen und für jeden zugänglich ins Internet gestellt.

Beumers hatte nach Sichtung der Tagebücher eine rund 200 Seiten starke Zusammenfassung geschrieben und diese im vergangenen Jahr als sein Viertes Buch unter dem Titel „Christians Jugendleben“ veröffentlicht. Dieses Buch ist auch weiterhin im Buchhandel und beim Autor erhältlich.

Die Tagebücher hatte Beumers von Schreinemachers‘ jüngster Nichte Marlies Poschen bekommen. Ein achtes, das sogenannte Sturmschar-Tagebuch, das sich im Besitz von Käthe Peters aus Birgden befindet, hatte Beumers zuvor bereits in seinem Buch „Geschichten von gestern und vorgestern“ vorgestellt.

Bei seinen Recherchen zu Christian Schreinemachers hatte Beumers Bekanntschaft mit Dr. Martin Rüther gemacht. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im NS-Dokumentationszentrum (NS-DOK) der Stadt Köln. Beumers hatte ihm dabei von den Tagebüchern berichtet. „In Köln war man erstaunt über dieses historische Material.“ In diesem Umfang sei es eine Seltenheit, so Beumers.

Rüther bat um eine befristete Leihgabe der Tagebücher zu Forschungszwecken. Nachdem die Besitzerin der Leihgabe zugestimmt hatte, machte sich Beumers mit seiner Frau auf den Weg nach Köln, um die Bücher im NS-DOK an Rüther zu übergeben. Das war im Mai 2014.

Kürzlich erhielten Karl und Maria Beumers nun eine Einladung der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker zu einer Ausstellungseröffnung des NS-DOK. „Jugend im Gleichschritt?!“ heißt die Präsentation, die Ergebnis eines vierjährigen Forschungsprojekts ist. Im Rahmen dieser Ausstellung überbrachte Rüther den beiden Gästen aus Kirchhoven die Nachricht über die Veröffentlichung im Internet.

Historisch Interessierte können hier selbst nachlesen, wie es dem jungen Mann aus Vinn erging. 1919 geboren, musste er 1941 als Fallschirmjäger auf Kreta sein Leben lassen. „Ihn kann man als einen der ersten Heinsberger Widerstandskämpfer gegen die Nazis bezeichnen“, so Beumers. Trotz aller Anfeindungen von Hitlerjugend und Lehrern, aber auch aus der Bevölkerung, sei Schreinemachers, einst Schüler des Heinsberg er Kreisgymnasiums, eisern geblieben und keiner nationalsozialistischen Gruppierung beigetreten. Was er selbst dazu festgehalten hat, findet sich hier: www.jugend1918-1945.de (im Archiv unter der Rubrik Selbstzeugnisse).

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